Baumschäden durch Mobilfunkstrahlung?

Dokumentierte Fallbeispiele stützen die angenommene Korrelation zwischen HF‑EMF und Baumschäden
Seit 20 Jahren dokumentiert Dr. Cornelia Waldmann-Selsam die Wirkungen der Mobilfunkstrahlung (HF-EMF) auf Bäume. Zu ihren Feldstudien ist nun eine 292-seitige Bilddokumentation erschienen. Die Fragestellung ist naheliegend: Wenn sich nicht-ionisierende Strahlung auf tierische und menschliche Zellen negativ auswirkt, dann müsste sie sich auch auf Pflanzen auswirken. In zwei Artikeln stellen wir die Untersuchungen von C. Waldmann-Selsam dar: zunächst die Ergebnisse ihrer Feldstudien und im zweiten Artikel, einem Interview, fragen wir nach der Wissenschaftlichkeit ihrer Untersuchungen und den Gründen für die bislang ausbleibende Reaktion der Behörden.
Faksimile: Waldmann‑Selsam et al., 2016

Schädigungen werden meist nicht nur von einem Umwelteinfluss ausgelöst. Das macht es leicht, die Wirkung eines Faktors, z.B. elektromagnetischer Felder, in Zweifel zu ziehen. Diese Situation hatten wir lange bei Bienen, bis jetzt immer bessere Studien publiziert wurden, die Schädigungen nachweisen. Mit hunderten fotografierten Fallbeispielen erhärtete C. Waldmann-Selsam ihre Hypothese der Korrelation zwischen HF-EMF und Baumschäden.

Im Jahr 2016 veröffentlichte sie gemeinsam mit Alfonso Balmori, Alfonso Puente und Helmut Breunig die Studie über einseitig beginnende Kronenschäden „Radiofrequency radiation injures trees around mobile phone base stations“. Im Jahr 2019 stellte sie diese Studie auf dem Internationalen Workshop „Environmental effects of electric, magnetic and electromagnetic fields: Flora and fauna“ des Bundesamtes für Strahlenschutz vor mit der Aufforderung, die Kausalität durch weitere Studien überprüfen zu lassen. Doch geschehen ist nichts, stattdessen zieht sich das BfS auf seiner Homepage auf den Standpunkt zurück, „dass der Kenntnisstand zu Wirkungen hochfrequenter Felder auf Pflanzen unzureichend ist“.   

So konserviert man seit 20 Jahren das Nichtwissen, um nicht handeln zu müssen. Und der dpa-Faktencheck übernimmt die Entwarnung: „WLAN und 5G. Keine Hinweise auf Waldschäden durch Funkstrahlung,“ ohne auf bereits vorliegende Studien einzugehen. Wir baten C. Waldmann-Selsam, aus ihrem Fundus um offen-“SICHT“-liche Beispiele.


Kann der Klimawandel allein die zahlreichen Baumschäden erklären?

von Cornelia Waldmann-Selsam

Die rasche Zunahme von Baumschäden wird häufig allein auf den Klimawandel zurückgeführt. Es besteht die Gefahr, dass mögliche zusätzliche Auswirkungen von Mobilfunkstrahlung übersehen werden. Folgende Beobachtungen weisen auf einen möglichen Zusammenhang
zwischen Mobilfunkstrahlung und Baumschäden hin:

  • einseitig beginnende Kronenschäden auf der Seite, die einer Mobilfunksendeanlage zugewandt ist;
  • Unterschiede zwischen oberen und unteren Kronenbereichen durch gebündelte Abstrahlung; Wachstum in die Breite, um unter den Hauptstrahlen zu bleiben;
  • Unterschiede innerhalb von Baumreihen wegen inhomogener Hochfrequenzfeldverteilung;
  • Schäden selbst bei klimatoleranten Baumarten sowie bei Bäumen an Gewässern.

Einseitig beginnende Kronenschäden

Beim Antreffen von einseitigen Kronenschäden müssen Wurzelverletzungen durch Tiefbaumaßnahmen oder Pflug in Betracht gezogen werden. Da der Ahorn in Fuldatal Ihringshausen (Landkreis Kassel) auf einer Wiese steht, können Wurzelverletzungen ausgeschlossen werden (Abb.1). Die Entfernung zur nordöstlich stehenden Sendeanlage Auf dem Hasenstock (Montagehöhe: 34-38,3 m, 52 Mobilfunksektorantennen, BOS-Digitalfunk) beträgt 255 m. Im Umkreis der Sendeanlage gibt es eine Vielzahl von Baumschäden. Etliche Bäume mussten bereits gefällt werden. Der Messwert am Standort der Aufnahme betrug 5.100 μW/m².

Fotos: Waldmann-Selsam

Abb.1: Einseitig beginnende Kronenschäden: 21.05.26 Fuldatal Ihringshausen, Hessenweg, Ahorn auf einem Wiesenstandort (von S).

 

Die Ahornbäume an der Ihringshäuser Straße in Kassel haben als Straßenbäume ungünstige Standortbedingungen. Jedoch kann der schwierige Standort nicht erklären, warum die Kronenschäden jeweils auf der Nordseite begannen. Von Norden strahlt die Mobilfunksendeanlage Ihringshäuser Str. 161 auf die Ahornreihe. Standortbescheinigung Nr. 240217 vom 05.02.15: Montagehöhe 18-22 m, 28 Antennen (4 x 0°, 6 x 60°, 3 x 120°, 6 x 180°, 3 x 240°, 6 x 300°). Die Schadensentwicklung wurde ab 2016 dokumentiert. Die gesamte Reihe zwischen Sendeanlage und Wielandstraße zeigt Schäden (Abb.2). Bei Ahorn Nr. 6 beträgt die Entfernung 220 m. Der Kronenschaden begann auf der Nordseite und nahm von Jahr zu Jahr zu. Die auftreffende Strahlung wird in der Krone gedämpft. Sie wird absorbiert, gestreut und über den Stamm abgeleitet. Dies kann erklären, warum die senderabgewandte Seite lange vital bleibt. Am 29.04.26 hatte nur noch der südliche Kronenbereich Blätter entwickelt. Im Jahr 2020 betrug der Messwert 1.100 μW/m². Die Sendeanlage wurde erweitert. Im Jahr 2023 schwankten die Werte ständig zwischen 20.000 und 100.000 μW/m².

Fotos: Waldmann-Selsam

Abb.2: Mobilfunksendeanlage Nr. 240217 in 220 m Entfernung. Kassel, Ihringshäuser Straße/Wielandstraße, Ahorn Nr. 6 aus einer Ahornreihe (Blick von NW). Die gesamte Ahornreihe zwischen Sendeanlage und Wielandstraße zeigt deutliche Schäden. Die einseitigen Kronenschäden nehmen mit den Jahren zu.

 

Baumschäden an Gewässern

Die Entwicklung von Baumschäden an der Regnitz in Bamberg in zeitlichem Zusammenhang mit der Inbetriebnahme einer Mobilfunksendeanlage auf der Konzerthalle im Jahr 2005 machte besonders nachdenklich. Die Einflussfaktoren Bodenverdichtung, Bodenversiegelung, Salzstreuung und Trockenheit waren ausgeschlossen. Nördlich und südlich der Konzerthalle traten am Regnitzufer Schäden an sämtlichen vorhandenen Baumarten neu auf (Abb.3). Nur Bäume im sogenannten Nahbereichsschatten der Konzerthalle zeigten keine Schäden. Inzwischen mussten zahlreiche Bäume gefällt werden. Eine Birke, die an der Regnitz südlich des Alten Rathauses  steht, zeigt seit über 10 Jahren eine Schädigung im oberen Drittel (Abb.4). Im unteren Teil war sie immer dicht belaubt. Trockenstress scheidet als Ursache aus. Die bestehende Sichtverbindung vom Wipfel zur Sendeanlage Schranne 3 führt zum Verdacht eines kausalen Zusammenhanges. Der untere dichte belaubte Teil der Birke steht im Funkschatten von Gebäuden.

Fotos: Waldmann-Selsam

Abb.3: Linkes Foto: 21.09.08 Bamberg, Konzerthalle der Bamberger Symphoniker an der Regnitz mit Mobilfunksendeanlage (seit 2005), Robinien und Birke mit Kronenschäden.

Abb.4: Rechtes Foto: 14.05.26 Bamberg, Regnitzufer südlich des Alten Rathauses, Birke mit Sichtverbindung zur Mobifunksendeanlage Schranne 3 (von S).

 

Der Stadtteil Wolfsanger von Kassel liegt an der Fulda. Von den Sendeanlagen an der Kläranlage (Entfernung 400 m) und an der A7 in Niestetal Sandershausen treffen Hochfrequenz-Immissionen auf die Ufergehölze an der Fulda. Zahlreiche Gehölze am Radweg entlang der Fulda zeigen deutliche Kronenschäden (Abb.5). Der Messwert am Standort der Aufnahme betrug 7.200 μW/m². Die Entwicklung ist gefährlich, denn geschwächte Bäume können umstürzen.

Fotos: Waldmann-Selsam

Abb.5: 26.05.26 Kassel, Stadtteil Wolfsanger, Weiden an der Fulda (Blick von Norden) mit Sichtverbindung zu Sendeanlage auf der Kläranlage in Niestetal Sandershausen.

Die Messungen wurden mit dem Safe and Sound Pro II (200 MHz- 8 GHz) durchgeführt.

Vielleicht werden Sie, liebe Leserinnen und Leser, durch diese Bilder zu eigenen Rundgängen an Mobilfunksendeanlagen angeregt. Wir freuen uns über zugesandte Baumfotografien an:
sekretariat(at)diagnose-funk.de. 

Publikation zum Thema

Coverbild (Ausschnitt)C. Waldmann-Selsam
2. erweiterte AuflageFormat: A4 QuerSeitenanzahl: 286 Veröffentlicht am: 10.11.2025 Bestellnr.: 555ISBN-10: Preis: 15, 90 zzgl. VersandkostenSprache: deutschHerausgeber: Weiße Zone Rhön

Baumschäden durch Mobilfunkstrahlung

Beispielhafte Beobachtungen aus dem Zeitraum 2005 bis 2025
Autor:
Cornelia Waldmann-Selsam
Inhalt:
Seit 2005 dokumentiert die Ärztin Dr. Cornelia Waldmann-Selsam akribisch den Einfluss von Mobilfunk-Sendeanlagen auf Bäume. Und Sie hat dazu auch die Studienlage aufgearbeitet. Dieser professionell gestaltete Bildband zeigt Beispiele aus vielen Ortschaften und Städten in Deutschland, wie Bäume oder Teile von Bäumen durch die Strahlungseinwirkung geschädigt werden. Der Bildband schärft auch den eigenen Blick, beim Spaziergang durch die Stadt selbst Beobachtungen durchzuführen.
Artikel veröffentlicht:
10.08.2026
Autor:
diagnose:funk

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