Zu früh? Oder gar zu spät?
So beginnt ein (Werbe)Beitrag in der Rubrik „unterrichtspraxis“ der GEW-Zeitschrift „bildung&wissenschaft“ (Heft 5/2026) zur Frage, ob KI schon in der Grundschule als Thema und Anwendung verankert werden müsse. Die Antwort (samt z.T. kostenpflichtiger Downloadangebote) lautet schlicht „Ja“ – und ist schlicht falsch.
3. Juni 2026 von Ralf Lankau
Der Autor, Jonas Wicklein, laut Selbstauskunft Grundschullehrer, Schulentwickler (kleiner geht es heute nicht mehr) und Autor des hier promoteten „KI-Führerscheins“ argumentiert gewohnt digitalaffin, industriekonform und unreflektiert. KI sei gekommen, um zu bleiben. Nach dieser Logik entscheiden kommerzielle Unternehmen, welche Medien und Techniken im Unterricht eingesetzt werden. Das freut Apple, Google & Co., ist aber eine der Ursachen für die desaströsen Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler bei allen Lernleistungstests. Denn ob PISA, Vera, TIMMS oder andere Formen der Lernleistungsvermessung wie der IQB-Bildungstrend zeigen unisono eine Tendenz: Schülerinnen und Schüler können immer weniger. (Horvath 2026) Behauptet wird, man könne mit Methoden des Qualitätsmanagements der produzierenden Industrie und der empirischen Bildungsforschung schulische Leistungen steuern wie einen Produktionsprozess.
Nichts anderes steckt hinter der Datafizierung von Bildungsbiografien mit (lebenslanger) Bildungs-ID und Bildungsverlaufsregister. Es ist die Logik der Informatik und der Datenmaximierung. Aber Empirie und Statistik sind keine Pädagogik. Schülerinnen und Schüler werden nicht mehr als sich individuell entwickelnde Personen wahrgenommen, die im sozialen Umfeld eines Klassen- und Schulverbandes heranwachsen, sondern nur noch als Datensatz, aus dem man ableitet, was als Nächstes mit dem „Objekt Schüler“ zu tun sei, um ein vordefiniertes Ziel zu erreichen. Es ist ein Irrweg.







