Nina Kolleck, Joachim Bauer: Zwei Bücher für alle, die die Folgen der digitalen Sozialisation unserer Kinder verstehen wollen

„So kann es nicht weitergehen!“, das ist die wissenschaftlich begründete Botschaft von zwei aktuellen Büchern der Bildungsforscherin Prof. Nina Kollleck und Prof. Joachim Bauer, Neurowissenschaftler, Arzt und Psychotherapeut. Diese Bücher stärken all denen, die sofortiges Handeln einfordern, den Rücken, in dem sie umfassend, auf wissenschaftlicher Grundlage, das Schädigungspotential der digitalen Medien für Kinder und Jugendliche nachweisen.
Nina Kolleck, Bild Bernd Wannenmacher, Papst Leo XIV. Bild Wikipedia, Joachim Bauer, Bild privat, Bücher: Heyne, Rowohlt

Der Papst Leo XIV. warnt in seiner Enzyklika vor den persönlichkeitszerstörenden Folgen der sozialen Medien und Smartphones auf Kinder, Jugendliche, aber auch für die gesamte Gesellschaft. Ministerpräsident Daniel Günther (Schleswig-Holstein) nannte die Nutzung "Digitalen Wahnsinn" auf dem Weg "in den Abgrund". Auch der grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg Cem Özdemir hat seine Meinung korrigiert und findet drastische Worte:

  • „Wenn ich sehe, was die sozialen Medien an Verwüstungen bei unseren Kindern anrichten, dann ist vielleicht einer der wesentlichsten Punkte, dass wir den Schalter so schnell wie möglich umlegen. Dass es endlich eine Altersgrenze von 16 Jahren für TikTok und Co gibt“ (Badische Zeitung 19.2.2026).

Bundesregierung folgt immer noch den Lobbyisten

Radikale Forderungen aus der Wissenschaft, Religion und zunehmend auch der Politik, doch noch hat die Bundesregierung keine Konsequenzen gezogen. Im Gegenteil. Im Koalitionsvertrag ist weiterhin fixiert „autonomes“, sprich: datenbasiertes Lernen einzuführen. Das Erfassen der Lern- und Denkprozesse der Schüler soll über die Speicherung der Lerndaten auf der Schüler-ID erfolgen. Dafür soll statt mit Büchern mit Tablets unterrichtet werden, die in Echtzeit die Daten liefern, mit denen ein Algorithmus das Lernen steuern kann. Das würde bedeuten, bereits ab der KiTa sind die Kinder permanent den Folgen der Bildschirmmedien ausgesetzt, der Reizüberflutung, der Strahlenbelastung und vielen körperlichen Schädigungen, die Prof. Manfred Spitzer in einem Review im Jahr 2022 dokumentierte.

Doch die psychosozialen Schädigungen sind jetzt schon so offensichtlich, dass Bundesbildungsministerin Karin Prien die Expertenkommission „Kinder und Jugendschutz in der digitalen Welt“ einsetzte, um Vorschläge für Regelungen auszuarbeiten. Doch was macht diese Kommission? Bar jeder praktischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse und Vernunft schlägt sie den Einsatz digitaler Medien bereits ab der KiTa vor.

Nun steht die Bundesregierung mit ihrer Bildungspolitik im römischen „Kreuz“feuer der Kritik. Eigentlich müssten nach der Botschaft aus Rom die kirchlichen Schulträger sofortige Konsequenzen ziehen, und alle Parteien, die ein „C“ im Namen tragen ebenso. Die Aussage der Enzyklika zur Bildung hat Prof. Klaus Zierer in seiner Pressemitteilung zusammengefasst: Schluss mit dem Tabletwahn, eine pädagogische Wende ist notwendig! Diese Botschaft fundieren die aktuellen Bücher von Nina Kolleck und Joachim Bauer.

 

Titel: Verlag Rowohlt

Nina Kolleck: Der Kampf in den Köpfen. Wie TikTok, Instagram & Co unsere Kinder manipulieren. Rowohlt, 2026

Nina Kolleck ist eine deutsche Bildungsforscherin und Politikwissenschaftlerin. Seit 2023 ist sie Professorin für Erziehungs- und Sozialisationstheorie an der Universität Potsdam. Nina Kollecks Buch ist eine Pflichtlektüre für Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen sowie alle, die die individeuellen und gesellschaftlichen Folgen sozialer Medien verstehen wollen. Nina Kolleck legt eine differenzierte, wissenschaftlich fundierte Analyse der digitalen Lebenswelten junger Menschen vor.

Im Zentrum des Buches stehen grundlegende Fragen: Wie beeinflussen Algorithmen von TikTok, Instagram und anderen Plattformen die Wahrnehmung von Wirklichkeit? Auf welche Weise formen soziale Medien politische Einstellungen, Identitäten und Zugehörigkeiten? Warum sind Kinder und Jugendliche besonders anfällig für subtile Formen der Manipulation, die nicht durch offene Propaganda, sondern durch Wiederholungen, Trends, Likes und personalisierte Inhalte wirken? Und wie können Eltern, Schulen und Gesellschaft junge Menschen dabei unterstützen, digitale Räume selbstbestimmt und kritisch zu nutzen? Besonders eindrücklich arbeitet sie heraus, wie Plattformlogiken auf emotionale Bedürfnisse wirken, Sucht erzeugen, Aufmerksamkeit steuern und Meinungsbildungsprozesse beeinflussen.

Nina Kolleck verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit anschaulichen Beispielen aus eigenen Feldstudien und engem Kontakt zu Kindern und Jugendlichen. Sie entwickelt Perspektiven für einen mündigen Umgang mit digitalen Medien. Wer die Herausforderungen der digitalen Kindheit und Jugend verstehen möchte, findet hier eine ebenso kluge wie notwendige Orientierung.

 

Titel:Verlag Heyne

Joachim Bauer: Menschlichkeit in digitalen Zeiten. Warum wir ohne lebendige Wirklichkeit nicht leben können, Heyne, 2026

Dr. med. Joachim Bauer (Berlin) Neurowissenschaftler, Arzt und Psychotherapeut ist Facharzt für Innere Medizin, Psychiatrie und psychosomatische Medizin, war Professor an der Universität Freiburg und ist Autor zahlreicher Bücher. Seine gründliche Analyse der Absichten der Tech-Konzerne, Demokratien zu zerstören und dafür mit ihrer Monopolisierung der sozialen Medien schon die Kinder und Jugendlichen zu indoktrinieren, macht dem Leser bewusst, dass die Algorithmen keine neutralen Rechenvorgänge sind, sondern gezielt Inhalte transportieren, nicht nur für den Profit, sondern für eine totalitäre Gesellschaft.

Bauer behandelt zentrale Fragen: Was macht den Menschen im Kern aus? Entstehen Intelligenz, Empathie, Selbstbewusstsein und soziale Kompetenz durch Datenverarbeitung – oder durch körperliche Erfahrungen und lebendige Beziehungen? Welches Menschenbild steht hinter den großen Technologieunternehmen des Silicon Valley? Und wie verändern digitale Systeme Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit, Kommunikation und die Fähigkeit zur zwischenmenschlichen Resonanz?

Aus neurobiologischer, psychologischer und pädagogischer Perspektive zeigt Bauer, dass menschliche Entwicklung untrennbar mit realen Begegnungen, Körperlichkeit und sozialer Erfahrung verbunden ist. Besonders eindringlich beschreibt er die Folgen einer zunehmenden Verlagerung von Lebens- und Lernprozessen in digitale Räume: Konzentrationsprobleme, soziale Unsicherheit, digitale Abhängigkeiten, der Verlust unmittelbarer Kommunikationsfähigkeiten und die Gefahr, menschliche Beziehungen durch parasoziale Bindungen an digitale Systeme und damit die politischen Ziele der Tech-Konzerne zu ersetzen. Bauers zentrales Anliegen ist die Verteidigung dessen, was den Menschen unverwechselbar macht: die Fähigkeit zu Beziehung, Empathie, leiblicher Erfahrung und lebendiger Wirklichkeit.

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Beiträge der Artikelserie: "Künstliche Intelligenz, der Papst, die Enzyklika und das Elend der deutschen Bildungspolitik"

 

Teil I: Prof. Klaus Zierer: "Menschlichkeit in den Mittelpunkt: Durch Bildung KI entwaffnen!"

"Die KI-Besoffenheit von Bildungspolitik, Schulaufsicht und einem großen Teil der Erziehungswissenschaften wirkt derzeit wie ein Brandbeschleuniger nach Jahren des Zündelns mit dem Feuer der Digitalität, das bereits großen Schaden angerichtet hat. Das Haus der Schule muss neu gebaut werden."

Teil II: Prof. Ralf Lankau: „Angst muss man nicht vor Maschinen haben, sondern vor den Menschen, die sie entwickeln und missbrauchen.“

Der Papst warnt in seiner ersten Enzyklika vor existenziellen Risiken der Künstlichen Intelligenz für Individuen und Völker. Ralf Lankau hofft auf neue Impulse in der Diskussion. Zugleich ist er sicher: Widerstand ist möglich! Mit ihm sprach Ralf Wurzbacher.

Teil III: Bündnis für humane Bildung kritisiert Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“.

Das Gutachten ist ein trojanisches Pferd: Richtige Diagnose, industriefreundliche Folgerungen

Teil IV: Prof. Gertraud Teuchert-Noodt, Brief an Ministerin Prien und die Expertenkommission: Kritische Stellungnahme zur aktuellen Bestandsaufnahme der Expertenkommission zum Kindes- und Jugendschutz in der digitalen Welt vom 20.04.2026:

„Die Forderung aus diesen Erkenntnissen der Neurowissenschaften kann vor dem Hintergrund wachsender gesellschaftlicher Probleme nur lauten, digitale Medien nicht als Hirnkiller bzw. Lernersatz für die biologisch-grandiosen haptischen Werkzeuge jedes Menschen einzusetzen. Sie haben in der gesamten Kindes- und Jugendentwicklung nichts zu suchen.“

Teil V: Nina Kolleck, Joachim Bauer: Zwei Bücher für alle, die die digitale Sozialisation unserer Kinder verstehen wollen.

Prof. Joachim Bauer: Menschlichkeit in digitalen Zeiten. Warum wir ohne lebendige Wirklichkeit nicht leben können, Heyne, 2026

Nina Kolleck: Der Kampf in den Köpfen. Wie TikTok, Instagram & Co unsere Kinder manipulieren, Rowohlt, 2026

 

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