Kommentar der Woche von Kern & Hauser

Dezember 2025
Die Kommentare der Woche befassen sich mit aktuellen Themen der Mobilfunkpolitik. Sie werden verfasst von Prof. a.D. Helmuth Kern und dem Journalist Bert Hauser. Beide Autoren sind Vorsitzende der Ortsgruppe "InfoMobilFunk Neckartenzlingen und Umgebung" im Mobilfunk Bürgerforum e.V. Die Kommentare werden monatsweise an dieser Stelle in einem Artikel zusammengefasst. Jede mobilfunkkritische Bürgerinitiative kann sich dieser Kommentare von Kern & Hauser frei bedienen, sie selbst weiter veröffentlichen und damit Infoarbeit leisten. Bitte als Quellenangabe diagnose-funk.org/kommentar angeben.
Quelle: InfoMobilFunk Neckartenzlingen

17.12.2025

Wir informieren:  EU-Parlament fordert Zugang zu sozialen Medien erst ab 16 Jahren (Teil 2)

Laut Bericht, der für das EU-Parlament Grundlage seiner Forderung für ein Mindestalter bei den sozialen Medien war und der sich auf eine Vielzahl von Studien stützt, nutzen 97 % der jungen Menschen das Internet täglich, 78 % der 13-17-Jähringen geben an, ihre Geräte mindestens stündlich zu prüfen, 46 % berichten sie fast stündlich zu kontrollieren. 16-24-Jährige verbringen mehr als sieben Stunden pro Tag im Internet. 84% der Kinder im Alter von 11-14 Jahren spielen regelmäßig Videospiele. Jedes vierte Kind und jeder vierte Jugendliche zeigt ein „problematisches“ oder „dysfunktionales“ Smartphone-Nutzungsverhalten mit Verhaltungsmusterm, die einer Sucht ähneln. Zudem sind Minderjährige anfälliger für KI-generierte Inhalte, KI-Begleiter und Chatbots, weil sich ihre kognitiven Fähigkeiten noch entwickeln.

„Forschungsergebnisse zeigen, dass das gewohnheitsmäßige Überprüfen sozialer Medien bei Jugendlichen mit Veränderungen der neuronalen Sensibilität im Hinblick auf die Erwartung sozialer Belohnungen und Bestrafungen verbunden sein kann, dass der Anstieg psychischer Probleme bei Jugendlichen mit übermäßigem Gebrauch von sozialen Medien zusammenhängen könnte.“

Der soziale Druck durch soziale Medien wird als eine der fünf Hauptursachen für psychische Schwierigkeiten bei Minderjährigen identifiziert, das zeige sich in erhöhten Angstzuständen und Depressionen. Auch haben Studien gezeigt, dass die übermäßige Nutzung sozialer Medien die Gehirnentwicklung und die Gehirnkapazität von Minderjährigen beeinträchtigen kann.

Zusammenhänge zwischen übermäßiger Nutzung sozialer Medien und mangelnder Impulskontrolle wurden festgestellt. Viele Nutzer einschließlich der Minderjährigen haben Schwierigkeiten  zwischen wahren und falschen Informationen in Online-Nachrichten zu unterschieden. Belege aus mehreren Ländern zeigen, dass Minderjährige bereits sehr früh Zugang zu pornografischen Inhalten haben, teils unfreiwillig. Das Betrachten von Pornografie setzt Kinder gewalttätigen und altersunangemes- senen Inhalten aus. Das verstärkt nachweislich Aggression und sexuelle Gewalt und kann schädliche sexuelle Verhaltensweisen bei Kindern und Jugendlichen auslösen.

Der gesamte Bericht ist zu finden unter:
https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/A-10-2025-0213_EN.pdf 

Quelle: https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20251120IPR31496/parlament-fordert-zugang-zu-sozialen-medien-ab-16-jahren

Die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wird bis Ende 2025 eine Expertengruppe beauftragen, um über das beste Vorgehen in Europa zu beraten. Sie selbst ist eine Befürworterin der Altersgrenze und verglich in ihrer Rede im EU-Parlament am 10. September 2025 mögliche Vorgaben für soziale Medien mit denen für Alkohol und Tabak.

Quelle: https://www.nachrichten.at/politik/aussenpolitik/von-der-leyen-will-altersgrenze-fuer-soziale-medien;art391,4083997

Zur letzten Sendung im Jahr 2025:
Wir wünschen allen, die an der Krankheit Elektrohypersensibilität leiden, ein möglichst strahlungsarmes Weihnachten. Dazu können alle beitragen: weniger WLAN in der Wohnung, im Haus, in der Schule, in öffentlichen Räumen, wo möglich Smartphone mit LAN-Adapter nutzen, grundsätzlich PC und Computer über LAN-Kabel auch im neuen Jahr 2026!


Kern & Hauser, Bild: Ingrid Schaeffer

10.12.2025

Wir informieren: EU-Parlament fordert Zugang zu sozialen Medien erst ab 16 Jahren (Teil 1)

Am 26.11.2025 stimmte das EU-Parlament mit deutlicher Mehrheit –
483 Ja-Stimmen, 92 Nein-Stimmen, 86 Enthaltungen – für die Forderung nach einem EU-weiten Mindestalter von 16 Jahren für soziale Medien, Videoplattformen und KI-Begleitern. Zugleich sollen die schädlichsten suchtfördernden Praktiken verboten werden. Für Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren soll der Zugang zu TikTok, Instagram, YouTube und anderen Netzwerken nur mit Zustimmung der Eltern möglich sein, heißt es in der Pressemitteilung des Parlaments. Kinder unter 13 Jahren sollen keinen Zugang haben.

Grundlage dieser Forderung war ein Bericht des Ausschusses für Binnenmarkt und Verbraucher-
schutz, in dem die Gefahren für die körperliche und geistige Gesundheit Minderjähriger im Internet dargestellt wurden. „Mehr Schutz vor manipulativen Strategien, die den Suchtfaktor erhöhen und Kinder daran hindern, sich fokussiert und in gesunder Weise mit Online-Inhalten zu beschäftigen“, wird darin gefordert. Und: “Um Anreize für die bessere Einhaltung des EU-Gesetzes über digitale Dienste und anderer einschlägiger Vorschriften zu schaffen, schlagen die Abgeordneten vor, Führungskräfte bei schwerwiegenden und anhaltenden Verstößen persönlich haftbar zu machen, und zwar vor allem im Hinblick auf Jugendschutz und Altersüberprüfung.“ 

Mit der Forderung nach einer Mindestaltersgrenze soll auch den Eltern geholfen werden, damit sie einen altersgerechten Umgang ihrer Kinder mit digitalen Medien steuern können.

In Vorspann der Pressemitteilung werden vier wesentliche Aspekte genannt:

  • „Tiefe Besorgnis über Online-Gefahren für Körper und Geist von Minderjährigen, von denen 25 % Smartphones auf ‚problematische‘ Weise nutzen.
  • Strengere Durchsetzung der EU-Vorschriften für den digitalen Bereich, Geldbußen und mögliche Verbote von Plattformen, die Regeln nicht einhalten. 
  • Verbot von suchtförderndem Design, auf Profiling beruhenden Empfehlungssystemen und Lootboxen (Anm. d. Verf.: Glückspielboxen).
  • Handlungsdruck bezüglich generativer KI-Tools wie Deepfakes und Nacktheits-Apps.“ 

Zudem soll eine EU-App zur Altersüberprüfung entwickelt werden.

(Quelle: https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20251120IPR31496/parlament-fordert-zugang-zu-sozialen-medien-ab-16-jahren)

Ende Teil 1. Was im Einzelnen im Bericht des Ausschusses für Binnenmarkt und Verbraucherschutz steht, ist im Teil 2 in der nächsten Ausgabe zu lesen.


Quelle: InfoMobilFunk Neckartenzlingen

03.12.2025

Wir informieren: Social Media – Verbote für Kinder und Jugendliche? (Teil 2)

Zu diesem Thema ist ein Artikel des Autorenteams Simon Berlin, Valerie Höhne und Vivien Timmler „Jugend schützen – aber wie“ in der Süddeutschen Zeitung vom 16. November sehr erhellend. In dessen Untertitel heißt es: „Sollten Jugendliche erst ab 16 Social Media nutzen dürfen? 85 Prozent der Erwachsenen finden: Ja. Nun hat sich auch Friedrich Merz erstmals dazu geäußert. Die Frage ist nur: Warum tut sich nichts?“  Die Problematik wird dann in der Folge dargestellt.                                                                           

Auf einer Basis-Veranstaltung der Union zum Thema Social Media habe auch der Bundeskanzler gesprochen. Doch statt klarer Antworten habe er viele Fragen gehabt: „Wie können wir besser aufklären? Braucht es eine Klarnamenpflicht im Netz? Braucht es eine Altersgrenze? Braucht es Handyverbote an Schulen?“, habe er gefragt. „Dass Algorithmen auf sozialen Medien Bosheit, Niedertracht, Hass, Gewaltfantasien und Propaganda belohnen, sei ein gewaltiges Problem, sagte Merz“, schreiben sie. Doch das Internet sei eine große Erfindung. Und große Erfindungen hätte schon immer „Angst und Faszination, Bedenken und Begeisterung“ ausgelöst, habe er gesagt.

In der Öffentlichkeit überwiegten derzeit die Bedenken: Laut Ifo-Bildungsbarometer sind 85 % aller Erwachsenen für ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige.

Am 12. November sei eine Petition mit 34000 Unterschriften im Namen der Eltern dem Petitionsausschuss des Bundestags vorgestellt worden. Schutzlos seien Kinder täglich massiven Risiken ausgesetzt, sagte dazu Verena Holler, Mitgründerin des Vereins “Smarter Start ab 14“. Für sie ist klar, dass gehandelt werden müsse. Die Schwierigkeit dabei sei die Umsetzung des Verbots, denn dazu muss das Alter erhoben werden. Für die technische Umsetzbarkeit sei von der Familienministerin Karin Prien (CDU) eine Expertenkommission eingerichtet worden. Deren Vorschläge sollen bis Herbst 2026 vorliegen.

Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) zeige sich grundsätzlich offen für die Einführung eines Mindestaltes auf Social Media und für Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (CDU), dürfe die Einführung von Altersgrenzen kein Tabu sein.

Skeptisch sei der digitalpolitische Sprecher der SPD Fraktion, Johannes Schätzl. Denn soziale Medien seien nicht wie Tabak oder Alkohol per se gesundheitsgefährdend. Vielmehr sei der richtige und verantwortungsbewusste Umgang damit entscheidend. Auch müssten die Eltern stärker in die Verantwortung genommen werden.

Der Artikel endet mit der Forderung der Petentin Verena Holler. Sie möchte nicht, dass ihre Tochter, die noch ein Kind sei, Jahre warten müsse, bis das geregelt sei. Denn: „Aktuell jedenfalls hindere nichts, aber auch gar nichts die Plattformen daran, einfach so weiterzumachen wie bisher“. (Quelle: https://www.sueddeutsche.de/politik/social-media-verbot-jugendschutz-deutschland-risiko-chancen-li.3338650)

Inzwischen gibt es Neues. Am 26.11. 2025 stimmte das EU-Parlament mit deutlicher Mehrheit für die Forderung nach einem Mindestalter für soziale Medien. Darüber informieren wir in unserer nächsten Ausgabe.


Wir freuen uns über neue Mitglieder im InfoMobilFunk Neckartenzlingen und Umgebung, Ortsgruppe im Mobilfunk Bürgerforum e. V. www.mobilfunk-buergerforum.de

Die Vorsitzenden: Prof. a. D. Helmuth Kern, Bert Hauser (Telefon: 07127/35655 bzw. 07127/3594)


Alle Kommentare finden Sie hier: diagnose-funk.org/kommentar

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