Gesamtkonzepte zum Schutz der Kinder und für eine Erziehung zur Medienmündigkeit liegen vor - eine pädagogische Wende ist überfällig
Das Europaparlament hat einen ersten Schritt gemacht!Bild: Wikipedia, Diliff
Gesamtkonzepte zum Schutz der Kinder und für eine Erziehung zur Medienmündigkeit liegen vor - eine pädagogische Wende ist überfällig
Im Appell der 75 Experten an die Bundesregierung wird ein Konzept der Erziehung zur Medienmündigkeit vorgeschlagen. Im Bild die Initiatoren des Appells: Dr. Uwe Büschung, Mario Gerwig, Peter Hensinger MA, Prof. Ralf Lankau, Prof. Manfred Spitzer, Prof. Klaus Zierer
Die Schritte, um die das Social Media Verbot des EU-Parlaments ergänzt werden muss
Schritt 1. Der einseitigen Fixierung der Kinder und Jugendlichen auf das Smartphone- und Tabletgaming, Kontakte und Informationen über digitale Medien müssen die Kommunen und Bildungseinrichtungen reale Angebote entgegensetzen. Dass erfordert eine massive finanzielle und logistische Förderung von Sport- und Musikvereinen, Theaterspielen, Kunstprojekten, Jugend – und Wandergruppen, kreativen Angeboten in Jugendhäusern, Ausbau der politischen Bildung, genug und gut ausgestattete KiTas und Schulen. Das Verbot muss in ein Positivprogramm der Erziehung zur Medienmündigkeit, wie es im Appell der 75 Experten im März 2025 vorgeschlagen wurde, eingebettet sein.
Digitale Bildung - Irrweg und eine Ursache des Leistungsabfalls
Schritt 2. Die Korrektur des Konzepts der Digitalen Bildung, der einseitigen Orientierung auf die MINT-Fächer durch die Stärkung der allgemeinbildenden und bewegungsorientierten Fächer Deutsch, Musik, Sport, Kunst und Naturerfahrung. An den Schulen muss eine altersgerechte Erziehung zur Medienmündigkeit stattfinden, bis zum 16. Lebensjahr werden die Grundfertigkeiten analog erlernt, um dann die digitalen Medien inhaltlich und technisch zu beherrschen. Bis zum 16. Lebensjahr bleibt der Unterricht bildschirmfrei. Lehrer können didaktisch selbstbestimmt digitale Medien als Hilfsmittel einsetzen.
Die Festlegung im Koalitionsvertrag der Bundesregierungb zur Digitalen Bildung 2.0. und autonomem Lernen, für das jeder Schüler vom Staat ein Tablet bekommen soll, würde die Wirkung des Beschlusses des EU Parlaments aufheben. Wird der Unterricht komplett digital, wie es die Bundesregierung will, legitimiert dies die Dauernutzung von Smartphones und Tablets. Natürlich werden die Schüler dann tausend Wege finden, um das Social Media Verbot zu umgehen. Das ist so, als würde man trotz des Alkoholverbots bis 16 auf jede Schulbank Alkopops stellen, das Trinken verbieten, aber das Riechen daran erlauben. Prof. Klaus Zierer hat in einer >>> Studie außerdem nachgewiesen, dass schon die Anwesenheit eines Smartphones zur Ablenkung und schlechteren Leistungen führt (Brain Drain Effekt).
Die Neurobiologinnen Prof. Gertraud-Teuchert-Noodt und Dr. Keren Grafen und der Gehirnforscher Prof. Manfred Spitzer warnen seit über 20 Jahren vor den Folgen der Reizüberflutung des Gehirns durch digitale Medien.
Gehirnforscher wiesen schon vor Jahrzehnten auf Risiken hin - man wollte es nicht wissen
Schritt 3. Die psycho-sozialen Probleme, die auf die dysfunktionale Nutzung digitaler Medien zurückzuführen sind, wie Bewegungsarmut und Adipositas, motorische Störungen und Sprachstörungen, Kurzsichtigkeit und vielen anderen Folgen (s. dazu den Review von Prof. Manfred Spitzer), v.a. die negativen Folgen für die Gehirnentwicklung, erfordern ein Verbot bis zum 16. Lebensjahr. Die neurobiologische Lernforschung hat nachgewiesen, warum die frühe Nutzung digitaler Medien irreversible Schädigungen im Gehirn verursacht, z.B. Sucht oder ein unterentwickeltes Raum-Zeit-Gedächtnis. Diese Zusammenhänge, die in dem Vortrag von Dr. Keren Grafen "Auswirkungen einer digitalisierten Kindheit auf die kognitive und emotionale Reifung des Gehirns" und dem Artikel von Prof. Gertraud Teuchert-Noodt / Peter Hensinger "Ohne Berücksichtigung der Erkenntnisse der Gehirnforschung gelingt kein Ausweg aus der Smartphone-Epidemie" dargestellt werden, müssen zum Wissen von Pädagogen und Eltern werden. Dann werden sie motiviert sein, konsequent die Nutzung digitaler Medien einzuschränken.
Auswirkungen der Strahlenbelastung auf Gedächtnis und Lernen
Schritt 4. „Wirkt Mobilfunkstrahlung auf das Gehirn?“ Hochfrequente elektromagnetische Felder verändern zentrale Stoffwechselprozesse im Gehirn. Besonders alarmierend ist die daraus resultierende Desynchronisation endogener Rhythmen – zentrale Abläufe geraten aus dem Takt und das neuronale Zusammenspiel wird massiv gestört. Das hat Folgen für Lernen, Gedächtnis und Verhalten – bis hin zu neurologischen und neurodegenerativen Störungsbildern. Über 50 Studien werden dazu im ÜBERBLICK Nr. 4 dokumentiert, insbesondere auch die Auswirkungen von WLAN [1] auf den Gehirnstoffwechsel (s. zu WLAN unsere Pressemitteilung vom 28.11.2025).
Bild links: Die Studie von Shahin et al. (2015) weist die Degeneration von Neuronen durch WLAN-Bestrahlung nach: „Anzahl der Dendriten nahm bei allen exponierten Mäusegruppen zeitabhängig signifikant ab.“ „Die Anzahl der absterbenden oder degenerierenden Neuronen stieg bei den Mäusegruppen, die 30 und 60 Tage lang 2,45 GHz ausgesetzt waren.“ „Beachten Sie die neuronale Verklumpung oder Verstopfung bei Mäusen, die 60 Tage lang 2,45 GHz ausgesetzt waren.“ Bild rechts: Odaci et al.(2008) dokumentieren, wie bei 900 MHz die Körnerzellen im Gyrus dentatus abnehmen. Sie spielen eine wichtige Rolle im Lern- und Gedächtnisprozess.
Dieser Zusammenhang von Strahlung und Gesundheitsrisiken wird von den Behörden bestritten, auch mit einem hohen medialen Aufwand, wie die MAITHINK X – Sendung zeigt. Die Studienlage wird schlichtweg gefälscht, um die Geschäfte der Mobilfunkindustrie zu legitimieren.
Wie die Strahlung Lernprozesse stört, sich direkt negativ auf den Hippocampus und die Kommunikation der Lernsynapsen auswirkt, hat Peter Hensinger in seinem Vortrag "Wirkungen der elektromagnetischen Felder des Mobilfunks auf den Gehirnstoffwechsel" auf der Umweltärztekonferenz 2025 referiert. [2] Sie hemmt die Bildung von Stoffen im Gehirn, die für Lernen und das Gedächtnis essentiell sind. Eine Minimierung der Strahlenbelastung, das Verbot von WLAN an Schulen und die Anwendung von Alternativen wie LiFi ist deshalb zwingend notwendig.
Die Bildung von BDNF, dem Dünger des Gehirns, und die Glutamatrezeptoren NMDA und AMPA werden durch Strahlung (1850 MHz) gehemmt (Kim et al.2021), und damit Lern- und Gedächtnisprozesse. Diese Stoffe triggern die Lernsynapsen und die Langzeitpotentierung (LTP).
In seinem Vortrag auf dem Kongress der EGKU (Europäische Gesellschaft für klinische Umweltmedizin) sagte Peter Hensinger zusammenfassend:
„Die Neurobiologin Teuchert-Noodt spricht von einer „Cyberattacke auf das Gehirn“. Die Wechselwirkungen führen zu den beschriebenen pathologischen Folgen:
Sichtbar wird diese toxische Mischung in der Bildungskatastrophe, dem Dauersinkflug der Lernleistungen. Die digitale Kindheit droht zur neurobiologischen Sackgasse zu werden. Wenn das Gedächtnis verblasst, weil Hippocampusfunktionen gestört werden, wenn Kinder aufhören zu lernen – dann verlieren wir nicht nur neuronale Plastizität, sondern auch die gesellschaftliche Zukunft.“
Fazit: Der Beschluss des Europaparlaments ist ein erster Schritt, der aber nur wirken wird, wenn man die weiteren Zusammenhänge berücksichtigt, ein Gesamtkonzept der Erziehung zur Medienmündigkeit entwickelt und konsequent die Nutzung strahlender digitaler Geräte bis zum 16. Lebensjahr verbietet.
Quellen
[1] Aktuelle WLAN-Studien, die auf EMFData.org und im ElektrosmogReport rezensiert sind: Almasiova et al. (2021), Andraskova et al. (2022), Bertuccio et al. (2023), Ding et al. (2018), Gupta et al. (2018), Hasan et al. (2022), Karimi et al. (2018), Nowak-Terpilowska et al. (2023), Öszobaci et al. (2019), Othman et al. (2021), Porcher et al. (2023), Said-Salman et al. (2021), Saygin et al. (2016), Tahir et al. (2024), Tan et al. (2022),Tarsaei et al. (2022), Jamaludin et al. (2025), Popovičová et al. (2024), Vijay (2025), Baldini (2025), Sterling (2024), Treder (2023), Treder (2025), (Cakir et al. 2025), Lavan et al. (2025, Review). In unserer Datenbank www.EMFdata.org sind über die Filterfunktion mehr als 80 Studien zu WLAN abrufbar.
[2] Aktuelle Homepage-Artikel zur Wirkungen der Strahlung auf das Gehirn:
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