Im Programm der 33. Nordischen Baumtage Verdacht: Baumschäden durch Mobilfunkstrahlung

Erweiterte Neuauflage: „Baumschäden durch Mobilfunkstrahlung“
Dr. Cornelia Waldmann-Selsam hat vom 18. bis 20. Juni 2025 an den ‚Nordischen Baumtagen‘ in Rostock-Warnemünde teilgenommen, einer jährlich stattfindenden Tagung für Baumfachleute von Behörden, Fachbetrieben, Planungsbüros und Baumschulen. Sie hielt dort einen Vortrag mit dem Titel “Verdacht: Baumschäden durch Mobilfunkstrahlung”. Dieses Thema war zum ersten Mal Teil des Programms – Teilnehmende waren teils erschüttert…
Titel: Waldmann-Selsam

Jetzt bestellen, erweitert auf 286 Seiten:

Cornelia Waldmann-Selsam: Baumschäden durch Mobilfunkstrahlung: Beispielhafte Beobachtungen aus dem Zeitraum 2005 bis 2025

Hier gehts zum diagnose:funk-Shop

 

Dr. Nelly Waldmann-Selsam

KOMPAKT: Das Thema Baumschäden durch Mobilfunkstrahlung war zum ersten Mal im Programm vertreten – ein Landschaftsarchitekt aus Neubrandenburg hatte es angeregt. Wie wurde das Thema aufgenommen?

WALDMANN-SELSAM: Das Thema war für die meisten Baumfachleute neu. Der Verdacht wurde ernst genommen. Die Teilnehmenden waren sehr erstaunt und betroffen, wie deutlich die Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Baumschäden und Mobilfunkstrahlung sind. Besonders nachdenklich machten Beispiele von Baumschäden in Parkanlagen und Gärten, weil dort Bodenverdichtung, eingeengter Wurzelraum und Salzeintrag als Verursacher ausgeschlossen sind. Und die Dokumentation von Baumschäden an Gewässern bereits ab 2007. Groß war auch das Interesse an den aktuellen Beispielen aus dem hochfrequenzexponierten Kurpark von Warnemünde.

Einige Baumfachleute berichteten mir anschließend, dass sie in der Vergangenheit häufig mit unerklärlichen Baumschäden konfrontiert waren. Sie hätten jedoch bisher nie einen möglichen Einfluss von Mobilfunksendeanlagen in Betracht gezogen. Das werde sich jetzt ändern. Durch die gezeigten Beispiele sei es ihr wie Schuppen von den Augen gefallen, teilte eine Baumpflegerin mit.

Eine weitere Teilnehmerin berichtete, dass im Seeheilbad Heiligendamm seit Jahren Buchen absterben. Sie stünden vor einem Rätsel. Ich konnte ihr eine Karte mit eingetragenem Senderstandort und eingezeichneten Hauptstrahlrichtungen zeigen. Nach der Tagung habe ich daraufhin Heiligendamm besucht und zahlreiche geschädigte Buchen und Eichen im Umkreis des Sendemastes angetroffen.

KOMPAKT: Wer ist der Veranstalter der Nordischen Baumtage?

WALDMANN-SELSAM: Das Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Friedhofswesen der Hansestadt Rostock und die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e.V. richten die jährliche Tagung aus.

Bilder: Cornelia Waldmann-Selsam

Bilder von links nach rechts:
- 18.07.22, Düsseldorf, LKA, Zerreiche, ca. 6.000 µW/m²

Tausende von Bäumen mussten in den letzten drei Jahren gefällt werden:
- 03.08.22, Kassel, Goethestr., Linden, 96.500 µW/m²
- 26.08.24, Linde im Hauptstrahl gefällt. Messwert: 90.000 µW/m²

 

Vom Zweifel zur Zusammenarbeit

Haben sich nach Deinem Vortrag Gespräche ergeben, die in eine weitere Zusammenarbeit oder sogar gemeinsame Projekte münden könnten?

WALDMANN-SELSAM: Ich war sehr ermutigt über die Offenheit und das große Interesse von Seiten der Veranstalter, der Teilnehmenden und der anderen Referenten. Da Fachleute aus vielen Städten und Landkreisen teilnahmen, wird das Thema jetzt größere Verbreitung finden. In Gesprächen mit jungen Wissenschaftlern erhielt ich wertvolle Hinweise zu möglicherweise interessierten Wissenschaftlern.

KOMPAKT: Gab es auch kritische Stimmen zu Deinem Beitrag?

WALDMANN-SELSAM: Im Stillen werden manche vermutlich noch skeptisch sein. Offen geäußerte Kritik am Gesamtbeitrag gab es nicht. In persönlichem Gespräch gab ein Fachmann bei zwei gezeigten Beispielen zu Bedenken, dass Wind und Standortbedingungen ursächlich beteiligt sein können.

KOMPAKT: Du konntest am Büchertisch die Broschüre “Baumschäden durch Mobilfunkstrahlung”, Dokumentationen aus verschiedenen Städten, einzelne Studien und Listen über wissenschaftliche Veröffentlichungen auslegen. Wie waren die Reaktionen?

WALDMANN-SELSAM: Ein Vertreter des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt, Mecklenburg-Vorpommern, war sehr überrascht und bewegt von den einseitigen Baumschäden. Er schaute viele Fotos der Broschüre an und sagte: “Diese Broschüre benötige ich unbedingt”. Im Vortrag konnte ich nur kurz darauf hinweisen, dass ab 2004 Wissenschaftler u.a. aus Frankreich, Niederlande, Indien, Griechenland in über 200 Laborexperimenten mit verschiedenen Pflanzen Auswirkungen auf Keimung, Entwicklung, Wachstum von Wurzel und Spross, Morphologie, Zellmembranen und Zellstoffwechsel gefunden hatten. Dass sich die beobachteten und gemessenen Effekte unterschieden in Abhängigkeit von Frequenz, Pulsfolge, Modulation, Polarisation, Expositionsdauer und Feldstärke der verwendeten hochfrequenten elektromagnetischen Felder sowie von der untersuchten Pflanzenart und dass sie unterhalb der geltenden Grenzwerte aufgetreten waren.

Da es zeitlich nicht möglich war, einzelne Studienergebnisse vorzustellen, hatte ich Literaturlisten zum Mitnehmen ausgelegt. Für viele war die Tatsache, dass Wissenschaftler seit 20 Jahren in Laborstudien Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder, wie sie beim Mobilfunk zum Einsatz kommen, auf Pflanzen gefunden haben, völlig neu.

Bild: Mungbohnen-Studie

Zellstress schon bei Bohnenkeimen

KOMPAKT: Wie kann man sich den Mechanismus vorstellen? Kannst Du drei beispielhafte Studien kurz vorstellen.

WALDMANN-SELSAM: Wie bei Menschen und Tieren waren häufig reaktive Sauerstoffverbindungen (reactive oxygen species, ROS), die die Zellmembran oder die DNA schädigen können, erhöht. Dies ist ein Zeichen für oxidativen Stress. Eine Kaskade von Wirkungen ist die Folge.

Sehr anschaulich ist das Ergebnis der indischen Studie „Cell phone radiations affect early growth of Vigna radiata (mung bean) through biochemical alterations“ von Sharma, Singh, Batish und Kohli aus dem Jahr 2010. Es wurde die Auswirkung eines Mobiltelefons auf Keimung und Wachstum von Mungbohnen und auf die Konzentration von Proteinen und Kohlehydraten sowie von Enzymen untersucht.[1] Die Keimlinglänge und das Trockengewicht waren nach Expositionszeiten von  0,5 h, 1 h, 2 h und 4 h reduziert. Außerdem war die Konzentration verschiedener Proteine und Kohlenhydrate vermindert. Die Enzymaktivitäten von alpha-Amylase, beta-Amylase, Polyphenol-Oxidase und Peroxidase – Enzyme, die dem oxidativen Stress entgegenwirken – waren in den exponierten Keimwurzeln erhöht.  

In der griechischen Studie „The aftermath of long-term exposure to non-ionizing radiation on laboratory cultivated pine plants (Pinus halepensis M.)“ von Stefi et al..[2] Aus dem Jahr 2017 wurden Keimlinge von Aleppo-Kiefern einer DECT-Basisstation ausgesetzt (50 Tage). Die exponierten Pflanzen zeigten – verglichen mit den niedrig (aber nicht null) belasteten Kontrollen – geringeres Wachstum, vermindertes Frischgewicht und Trockengewicht (Wurzel und Spross), Verminderung der Pigmente für die Photosynthese und Erhöhung der reaktiven Sauerstoffverbindungen. Viele Zellen der exponierten Pflanzen hatten deformierte Chloroplasten.

In 2024 veröffentlichten Sharma et al. eine Feldstudie: „A study on effects of cell phone tower –emitted non-ionizing radiations in an Allium cepa test system“.[3]  Zwiebelknollen wurden 7 Tage lang an fünf Standorten in der Nähe von Mobilfunksendeanlagen  (800, 1800 und 2300 MHz) mit unterschiedlichen Leistungsflussdichten (10.500 µW/m² bis 129.000 µW/m²) exponiert. Am Standort der Kontrolle betrug die Leistungsflussdichte 0 µW/m². Wurzellänge, Frischgewicht, Trockengewicht, relativer Wassergehalt für morphologische Merkmale, Konzentration von antioxidativen Enzymen und von Proteinen sowie Chromosomen in den Wurzelspitzenzellen wurden untersucht. Es wurden signifikante Veränderungen der Morphologie sowie der Konzentration antioxidativer Enzvme und von Proteinen gefunden. Die Genotoxizitätsstudien zeigten, dass die Schädigung der Wurzelspitzenzellen durch die Strahlenbelastung hoch war.

Baumfachleute wachen auf

KOMPAKT: Was ist Dein Fazit nach der Tagung?

WALDMANN-SELSAM: Ich bin erleichtert, dass die Fragestellung “Haben hochfrequente elektromagnetische Felder Auswirkungen auf Bäume?” jetzt für einige Baumfachleute ein ernst zu nehmendes Thema geworden ist.

KOMPAKT: Vielen Dank, liebe Cornelia, dass Du so hartnäckig seit Jahren an diesem Thema arbeitest, für dieses interessante Interview und weiterhin alles Gute.

>>> Ausführliche Dokumentation und weiteres Interview auch auf www.diagnose-funk.org/2148

 

Quellen

[1] Sharma VP, Singh HP, Batish DR, Kohli RK (2010): Cell phone radiations affect early growth of Vigna radiata (mung bean) through biochemical alterations, Z Naturforsch C 2010; 65 (1-2): 66-72

[2] Aikaterina L. Stefi, Lukas H. Margaritis, Nikolaos S. Christodoulakis (2017): The aftermath of long-term exposure to non-ionizing radiation on laboratory cultivated pine plants (Pinus halepensis M.), Flora, Volume 234, September 2017, Pages 173-186

[3] Ankita Sharma,, Surbhi Sharma , Shalini Bahel, Jatinder Kaur Katnoria (2024): A study on effects of cell phone tower-emitted non-ionizing radiations in an Allium cepa test system Environ Monit Assess, 2024 Feb 13;196(3):261, doi: 10.1007/s10661-024-12435-2.

Publikation zum Thema

Coverbild (Ausschnitt)C. Waldmann-Selsam
2. erweiterte AuflageFormat: A4 QuerSeitenanzahl: 286 Veröffentlicht am: 10.11.2025 Bestellnr.: 555ISBN-10: Preis: 15, 90 zzgl. VersandkostenSprache: deutschHerausgeber: Weiße Zone Rhön

Baumschäden durch Mobilfunkstrahlung

Beispielhafte Beobachtungen aus dem Zeitraum 2005 bis 2025
Autor:
Cornelia Waldmann-Selsam
Inhalt:
Seit 2005 dokumentiert die Ärztin Dr. Cornelia Waldmann-Selsam akribisch den Einfluss von Mobilfunk-Sendeanlagen auf Bäume. Und Sie hat dazu auch die Studienlage aufgearbeitet. Dieser professionell gestaltete Bildband zeigt Beispiele aus vielen Ortschaften und Städten in Deutschland, wie Bäume oder Teile von Bäumen durch die Strahlungseinwirkung geschädigt werden. Der Bildband schärft auch den eigenen Blick, beim Spaziergang durch die Stadt selbst Beobachtungen durchzuführen.
Artikel veröffentlicht:
12.11.2025
Autor:
diagnose:funk
Ja, ich möchte etwas spenden!