Die Bildungskatastrophe vertieft sich: Absturz auch in den MINT-Fächern

Wie Digitalisierung und Strahlenbelastung mit dem MINT- Absturz zusammenhängen
Es ist ein Offenbarungseid. Im Jahr 2009 beschloss die Kultusministerkonferenz die Konzentration auf die MINT-Fächer (Mathemantik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Damit sollte die Bildungskatastrophe überwunden werden. Weil damit aber das Zurückdrängen der allgemeinbildenden Fächer Deutsch, Musik, Kunst und Sport einherging, wurde sie zum Rohrkrepierer. Denn Lesen, Schreiben, Zuhören, Reflektieren, körperliche Gesundheit und Bildung sind Voraussetzung für das Lernen und Begreifen. Kritiker sagten voraus, dass dieser Abschied vom Humboldt´schen Bildungsideal noch tiefer in die Krise führen werde. Sie wurden als Nostalgiker abgetan. Und bald beschloss die Bundesregierung die Digitale Bildung, die den Durchbruch garantiere und ein Ende mache mit dem Leistungsabsturz an den Schulen. Doch jede neue PISA- und Bildungsstandardstudie dokumentiert seither einen weiteren Sinkflug.

Ursachenforschung Fehlanzeige

Die IQB – Studie (2024) dokumentiert nun den Bankrott der MINT-Orientierung und der neoliberalen Ökonomisierung der Bildung. Zwischen 2018 und 2024 sind die Leistungen in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern weiter gesunken. Die Anzahl der Schüler, die Mindeststandards nicht erreichen, ist gestiegen:

  • In Mathematik verfehlen 2024 etwa 34 % der SchülerInnen den Mindeststandard für den mittleren Schulabschluss (MSA). Das ist eine Zunahme um 10 Prozentpunkte gegenüber 2018.
  • In Chemie verfehlen etwa 25 % den Mindeststandard.
  • In Physik verfehlen etwa 16 % den Mindeststandard.
  • In Biologie sind es etwa 10 % der SchülerInnen, die den Mindeststandard verfehlen.

 

Grafik: Der Leistungsabfall setzt sich ungebremst fort

Leistungsabfall an Schulen: Anteil der Digitalisierung daran wissenschaftlich nachgewiesenGrafik:diagnose:funk

Vier Ursachen der Bildungskatastrophe

Die Bildungskatastrophe hat viele Ursachen. In der Pressemitteilung der KMK zur neuen IQB – Studie (2025) zum Leistungsabfall in den MINT-Fächern werden Ursachen angedeutet. Es gäbe „Rückgänge bei Motivation, Selbstvertrauen und Basiskompetenzen“, weil „ein zu hoher Medienkonsum etwa durch Social-Media die Entwicklung der jungen Menschen“ beeinträchtige.[1] Aber sonst wird im Nebel gestochert, denn für die Analyse der Bildungskatastrophe und einer pädagogischen Wende müssten gesamtgesellschaftliche Ursachen analysiert werden:

  1. Die neoliberale Ökonomisierung der Bildung, die einseitige MINT-Orientierung, die Dominanz der empirischen Pädagogik und die Abkehr vom Humboldt’schen Bildungsideal.[2]
  2. Die „Digitale Bildung“, die nachweislich den Leistungsabfall an den Schulen beschleunigte.
  3. Die außerschulischen veränderten Sozialisationsbedingungen. Seit ca. 2010, in Folge der rasanten Verbreitung des Smartphones, kam es zu einer dramatischen Zunahme von Konzentrationsstörungen, Schlafproblemen, Sprachentwicklungsstörungen, von Depressionen und Suizidgedanken bei Jugendlichen.[3]
  4. Die Auswirkungen der Strahlenbelastung durch die schulische und außerschulische Nutzung von Smartphones und Tablets. Denn 70 Stunden Nutzungszeit, laut neuer Postbankstudie, heißt auch: 70 Studien Exposition durch Mobilfunkstrahlung, mit diversen biologischen Auswirkungen, auch mit nachgewiesenen Auswirkungen auf das Gehirn, das Denken und Lernen. Seit Jahrzehnten weisen Studien nach, dass nicht-ionisierende Strahlung den Gehirnstoffwechsel und die Hebb´sche Lernsynapsen massiv beeinflussen. [4] 
Maja Lunde, Wikipedia

»Macht nicht die gleichen Fehler wie wir«,

warnt im Spiegel-Interview die norwegische Medienwissenschaftlerin und Romanautorin Maja Lunde. Im Interview mit der Frankfurter Rundschau sagt sie:

„Ich beobachte, dass die digitale Präsenz enorm viel Zeit stiehlt. Unsere Kinder schaffen es nicht mehr, sich dem zu widmen, was essenziell für sie ist: Schlaf oder körperliche Aktivität. Auch das Zusammensein mit anderen als soziales Training in der Gemeinschaft bleibt auf der Strecke. Das gilt auch für das Träumen und die Welt des Spiels. Spiel ist die wichtigste Ausdrucksform für Jungen und Mädchen. Durch die vielen Stunden im Internet bleibt ihnen keine Zeit mehr dazu. Wir nehmen unseren Kindern das Spielen, und stattdessen geben wir Technologie-Giganten Zugang zu ihnen.“

Norwegen ist das Vorreiterland der 1:1 Digitalisierung der Gesellschaft und des Erziehungswesens. Bereits 2010 begann man, jedem Schüler ein Tablet zu geben und das Buch zu verbannen. In ihrem Buch „Rettet die Kindheit“ (2025) dokumentiert Maja Lunde die verheerenden Folgen der Digitalisierung für die emotionale, sinnliche und schulische Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Die psycho-sozialen Folgen und die Leistungseinbrüche führen gerade in Norwegen, wie in 70 anderen Ländern, zu einer Korrektur!

Koalitionsvertrag: Die AusMERZung des Humanen!

Das Gegenteil ist im Koalitionsvertrag der Bundesregierung festgelegt. In Deutschland soll - fernab pädagogischer und medizinischer Erkenntnisse – noch mehr digitalisiert werden, so steht es im Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Eine Schüler-ID soll eingeführt werden, die lebenslang die Bildungsbiografie speichert und nahtlos in die Bürger-ID übergehen soll. Dafür soll jeder Schüler ein Tablet bekommen, Bedürftige bekommen es sogar von der Bundesregierung geschenkt. Diese Online-Datenerfassung ist Überwachung pur. In einem Appell an die Bundesregierung vom März 2025 fordern 75 Experten den Stopp dieser Digitalisierung und legen ein Alternativprogramm für eine pädagogische Wende vor. 

 

Grafiken: Die Folgen der Digitalisierung: Absturz der Intelligenz und Kindergesundheit

Grafiken:diagnose:funk, Datengrundlage aus anxiousgeneration.com

 

Prof. Ralf Lankau, Bild privat

Prof. Ralf Lankau rechnet mit der Datafizierung und Ökonomisierung des Bildungssystems ab

In dem neuen Beitrag des Medienwissenschaftlers Prof. Dr. Ralf Lankau „Bildungs-TÜV statt Pädagogik. Schüler-ID und Bildungsverlaufsregister als Instrumente der Normierung und Standardisierung von Kompetenzen“ werden die Pläne der Bundesregierung analysiert und scharf verurteilt. Der Einsatz von Schüler-ID, Bildungsregister und KI-gestützter Lernüberwachung drohe, Schülerinnen und Schüler auf „Datensätze“ zu reduzieren – fern von pädagogischer und menschlicher Bildung.

Im Zentrum seiner Kritik steht der Trend, forciert von der empirischen Pädagogik, Lernprozesse nach ökonomischen und psychologischen Maßstäben zu vermessen und zu steuern. Schulen würden zu „Assessmentcentern“, Lernende zu „Humankapital“ und Lehrkräfte zu Verwaltungsorganen degradiert. Pädagogische Arbeit, Kreativität und Persönlichkeitsbildung kämen dabei unter die Räder.

Die Einführung der Schüler-ID und des Bildungsregisters gefährde zudem das Recht auf informationelle Selbstbestimmung Minderjähriger. Kritiker wie der Chaos Computer Club warnen vor einem „Diktaturbesteck“, das durch Datenpools über SchülerInnen künftige Machtmissbräuche ermögliche.

Den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bezeichnet Lankau als Lernverhinderung. Studien belegen sinkende Leistungen und zunehmende Sprachdefizite, weil Kinder immer früher digitale Assistenten statt eigenständigem Denken nutzen. Bildung drohe, zum Werkzeug digitaler Steuerung und politischer Beeinflussung zu werden. „Bildung ist kein Algorithmus, sondern ein menschlicher Prozess“, fasst Lankau zusammen. Wer Schule zur Datenfabrik mache, zerstöre ihre Seele. Jetzt sei die Zeit, Bildung wieder als Entwicklung von Menschen – nicht Maschinen zu begreifen.

Wir dokumentieren die Grundsatzkritik von Ralf Lankau, weil sie jeder Erziehende kennen sollte. Sie macht bewusst, welche Ideologie die derzeitige Bildungspolitik prägt und warum sie weiter scheitern und noch tiefer ins Digi-Tal führen wird. Seine Kritik komplementiert unsere neue Analyse über die Historie der „Digitalen Bildung“, die eine Erfindung der Industrie ist. Lesen Sie unseren ÜBERBLICK Nr. 9: „Digitale Bildung - Ausweg aus der Bildungskatastrophe? Wie die Industrie die Eroberung des Geschäftsfeldes Schule als Fortschritt inszenierte!“

Cover: diagnose:funk

Die Einwirkungen der Mobilfunkstrahlung auf das Gehirn hemmt Lernprozesse

Was ist, wenn nicht nur psycho-sozialer Stress und verrohende Inhalte, sondern auch die Infrastruktur der digitalen Welt – die elektromagnetischen Felder des Mobilfunks – tief in die neurobiologische Entwicklung eingreifen und auch eine der Ursachen für den Leistungsabfall sind? Unser ÜBERBLICK Nr. 4 „Wirkt Mobilfunk auf das Gehirn?“ widmet sich der umfangreichen Studienlage zu den Auswirkungen der Mobilfunkstrahlung auf die neurobiologischen Grundlagen von Lernen und mentalen Prozessen. Hochfrequente elektromagnetische Felder verändern zentrale Stoffwechselprozesse im Gehirn. Besonders alarmierend ist die daraus resultierende Desynchronisation endogener Rhythmen – zentrale Abläufe geraten aus dem Takt und das neuronale Zusammenspiel wird massiv gestört. Das hat Folgen für Lernen, Gedächtnis und Verhalten – bis hin zu neurologischen und neurodegenerativen Störungsbildern. Über 50 Studien werden dokumentiert, die nachweisen, dass v.a. die Produktion der Stoffe im Hippocampus, die für das Triggern der Hebb´schen Lernsynapsen und die Langzeitpotenzierung (LPT), also die Stärkung des Gedächtnisses, essenziell sind, gehemmt werden. Aus der Studienlage kann das Fazit gezogen werden: Hochfrequente elektromagnetische Felder verändern zentrale Stoffwechselprozesse im Gehirn. Diese Studienlage, die nachweist, dass die Strahlung dadurch "dumm" macht, wird immer noch nicht zu Kenntnis genommen. Unter der Anmerkung 4 sind einige wichtige Studien dokumentiert. [4]  

Maja Lunde: Buchtitel, Verlag

„Die richtigen Fragen stellen!“

Smartphoneverbote und Social Media Verbote sind Topthema in den Leitmedien, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat sich mit einem Gutachten eingemischt mit der Kernausage:

  • "Wir empfehlen, die Nutzung von Smartphones in Kitas und Schulen bis einschließlich Klasse 10 zu untersagen."

Auf dieser Empfehlung lässt sich aufbauen. Sie muss umgesetzt werden. Dies muss auch von Schritten begleitet sein, die zu einer Reduzierung der Belastung durch EMF führen. Die Alternativen liegen längst auf dem Tisch: Ein Netz für alle, Kabelverbindungen, LiFi-Technologie, strahlungsarme Geräte und vor allem: Aufklärung. Helfen Sie mit, dass die IT-Lobby nicht weiter unreguliert ihre Geschäfte auf Kosten der Gesundheit betreiben kann und unsere Kinder geschützt werden.

Zum Schluss ihres Buches schreibt Maja Lunde:

"Die Geschichte beginnt damit, dass wir anfangen, die richtigen Fragen zu stellen:

Hat sich die Kindheit und Jugend durch den großen Stellenwert, den die digitale Technologie erhalten hat, verbessert? Nein.

Liegt es in der Natur von Kindern und Jugendlichen, die Zeit, die sie online verbringen, sinnvoll zu nutzen? Nein.

Bekommen Kinder und Jugendliche alles, was sie brauchen, um sich zu guten Mitgliedern der Gesellschaft zu entwickeln, wenn sie so viel Zeit vor Bildschirmen verbringen? Nein.

Werden die Schulergebnisse besser, wenn die Schule vollständig digitalisiert und die Freizeit vollgepackt mit Technologie ist? Nein.

Können wir es uns leisten, so weiterzumachen wie bisher? Nein.

Wer profitiert davon, wenn wir versuchen, etwas zu ändern? Unsere Kinder. Und wir als Gesellschaft, denn diese Kinder werden eines Tages erwachsen sein.

Wer profitiert davon, wenn wir so weitermachen wie bisher? Die Tech-Giganten.

Wollen wir das? Nein.

Worauf warten wir noch?"

Titel Reclam

Abwarten? Nein, denn digitaler Faschismus ist keine Dystopie, sondern Realität im Werden

Wohin führt die totale Digitalisierung? Diese Frage stellt Prof. Rainer Mühlhoff (Mathematiker, assoziiertes Mitglied sowohl am Einstein Center Digital Future und Weizenbaum-Institut, Berlin) nicht als Technikpessimist, sondern als Philosoph, der hinsieht, wo andere mit Fortschrittsnarrativen blenden. Sein Buch trägt einen Titel, der provoziert – „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus“ – und doch ist es alles andere als eine Verschwörungstheorie. Es ist eine präzise, faktenbasierte Analyse.

Mühlhoff zeigt am Beispiel der USA, wie sich die Versprechen des Silicon Valley in politische Macht verwandeln. Wie Donald Trump mithilfe digitaler Profile den Staatsapparat umbauen konnte, Loyalität über Algorithmen, gepaart mit gewalttätiger Repression organisiert, die Opposition schwächte – und das im Schulterschluss mit den Tech-Konzernen, die längst mehr über Bürger wissen als der Staat selbst. KI, Daten und Plattformen: Sie bilden das Rückgrat einer neuen Form der Herrschaft – kühl, effizient, entmenschlicht. Mühlhoffs Grundthese:

  • "Das zentrale Kennzeichen der neuen faschistischen Kräfte besteht in dem Bestreben, die spezifischen Möglichkeiten von Datenanalyse und KI-Technologie zu nutzen, um den Rechsstaat und die freiheitlich demokratische Grundordnung zu schwächen und durch ein schlankes, auf Automatisierung und Präemption (also algorithmische Vorhersage und Vorwegnahme) basierendes Staatswesen zu ersetzen (S.11)." Dies gelinge, "weil bestimmte technologische Logiken mit autoritären, menschenverachtenden und antidemokratischen Ideologien kompatibel sind (S.12)", denn es sei einer der Hauptzwecke der KI, "Menschen automatisiert zu sortieren und in Kategorien einzuteilen (S. 136)."

Ralf Lankau weist in seiner neuen Analyse "Bildungs-TÜV statt Pädagogik" nach, dass dies die Ideologie der Vermessung und Konditionierung ist, die hinter der Digitalisierung der Bildung steht. Die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung festgelegten „selbst-adaptiven, KI-gestützten Lernsysteme“ bedeuten autonomes Lernen ohne Lehrer mit KI-Programmen, die sich automatisch den Lernfortschritten der Schülerinnen und Schüler anpassen, Fehler zurückmelden und Lernangebote machen. Die Algorithmen der Tech-Konzerne steuern den Lernprozess.Der Schulsoziologe Prof. Tim Engartner (Uni Köln) stellt in seiner Analyse für die Rosa Luxemburg Stiftung fest,

  • „dass Bund und Länder den Digitalkonzernen mit dem … «Digital-Pakt Schule» ausgesprochen lukrative Absatzmärkte geschaffen haben. Es wird deutlich, dass Google, Apple, Microsoft und Samsung vergleichsweise wenig Widerstände auf dem Weg in die Klassenzimmer zu überwinden hatten“ (Engartner 2020).

Bereits 2018 analysierte Peter Hensinger im Artikel "Die Ideologie der Digitalisierung. Auf dem Weg ins Digi-tal: Der Hype der digitalen Selbstentmündigung und einige Auswirkungen auf die Psyche" diesen totalitären Kern der digitalen Bildungsreform. Ihre industriegetriebene Historie analysiert unser neuer Überblick Nr. 9: "Digitale Bildung – Ausweg aus der Bildungskatastrophe?" 

Die USA sind nicht weit weg! Auch in Europa wird das Trump´sche Drehbuch bereits eingeübt. Wenn rechtspopulistische Parteien von „digitaler Souveränität“ sprechen, meinen sie Kontrolle. Wenn die Bundesregierung Bürger- oder Schüler-IDs plant, schafft sie die Infrastruktur für den gläsernen Bürger, seine totale Nachverfolgbarkeit und Überwachung. Der Chaos Computer Club kommentiert den Koalitionsvertrag der Bundesregierung:

  • "In der Folge liefert das Papier ein Diktaturbesteck, schlüsselfertig und maßgeschneidert. Die Folgeregierung leckt sich schon die repressionsfreudigen Klauen.“

Doch, so Mühlhoff, genauso schleichend beginnt der neue Faschismus: „Der neue Faschismus im 21. Jahrhundert muss nicht so aussehen wie bei den Nazis“ (S. 13), so Mühlhoff. Er kommt nicht mit Marschmusik und Schlägertruppen, sondern z.B. mit digitalisierter Verwaltung oder digitaler Bildung, in der KI die Entscheidungen nach automatisierten Profilen und Wahrscheinlichkeiten fällt.

Dieses kleine Buch von Mühlhoff ist ein Weckruf. Mühlhoff verbindet philosophische Tiefenschärfe mit politischer Klarheit und zeigt, dass der Kampf um die Freiheit heute auch mit dem Rückkanal des Smartphones, TikTok und der Digitalen Bildung entschieden wird.

Ein notwendiges, unbequemes Buch – für alle, die glauben, Digitalisierung sei neutral. Sie ist es nicht. Sie ist Macht. Und Machtausübung beginnt mit dem Umbau der Erziehungs- und Kultureinrichtungen. Das wussten und praktizierten alle Diktatoren.

Quellen

[1]  KMK (2025): Licht und Schatten im IQB-Bildungstrend 2024, Pressemitteilung, https://www.kmk.org/aktuelles/artikelansicht/licht-und-schatten-im-iqb-bildungstrend-2024.html

[2] Eine Zusammenfassung gibt der ÜBERBLICK für den Durchblick Nr. 9: „Digitale Bildung – Ausweg aus der Bildungskatastrophe?“, Download diagnose-funk.org/2090

Engartner T (2020): Ökonomisierung schulischer Bildung, Rosa Luxemburg Stiftung

Engartner T (2024): Raus aus der Bildungsfalle, Westend

Krautz J (2014): Ware Bildung. Schule und Universität unter dem Diktat der Ökonomie, München

Lankau R (2024): Die pädagogische Wende. Über die notwendige (Rück-)Besinnung auf das Unterrichten, Beltz

Münch R (2018): Der bildungsindustrielle Komplex. Schule und Unterricht im Wettbewerbsstaat, Beltz Juventa, Weinheim

[3]  Haidt J (2024): Generation Angst, Rowohlt

„Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend“ (2023), Hrsg: Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ) u.a., www.awmf.org/service/awmf-aktuell/praevention-dysregulierten-bildschirmmediengebrauchs-in-kindheit-und-jugend; www.diagnose-funk.org/2005

[4] Eine Auswahl wichtiger peer-reviewed publizierter, u.a. im EMF-Portal gelisteter Studien zur Auswirkung der Strahlung auf das Gehirn (chronologisch):

  • K. Hoffmann, F. Bagorda, A. F. G. Stevenson & G. Teuchert-Noodt (2001). Electromagnetic exposure effects the hippocampal dentate cell proliferation in gerbils [Meriones unguiculatus], Indian Journal of Experimental Biology, Band39, Dezember 2001, S. 1220–1226
  • Salford LG, Brun AE, Eberhardt JL, Malmgren L, Persson BR (2003). Nerve cell damage in mammalian brain after exposure to microwaves from GSM mobile phones.  Environ Health Perspect 111 (7): 881-3, https://www.emf-portal.org/de/article/9462
  • Divan HA, Kheifets L, Obel C, Olsen J (2008). Prenatal and postnatal exposure to cell phone use and behavioral problems in children, Epidemiology 2008; 19 (4): 523-52, https://www.emf-portal.org/de/article/15935
  • Odaci E, Bas O, Kaplan S (2008). Effects of prenatal exposure to a 900 MHz electromagnetic field on the dentate gyrus of rats: a stereological and histopathological study. Brain Res 2008; 1238: 224-229, https://www.emf-portal.org/de/article/16324
  • Bas O, Odaci E, Kaplan S, Acer N, Ucok K, Colakoglu S (2009). 900 MHz electromagnetic field exposure affects qualitative and quantitative features of hippocampal pyramidal cells in the adult female rat, Brain Res 2009; 1265: 178-185, https://www.emf-portal.org/de/article/16815
  • Bas O, Odaci E, Mollaoglu H, Ucok K, Kaplan S (2009). Chronic prenatal exposure to the 900 megahertz electromagnetic field induces pyramidal cell loss in the hippocampus of newborn rats, Toxicol Ind Health 2009; 25 (6): 377-384, https://www.emf-portal.org/de/article/17435
  • Divan HA, Kheifets L, Obel C, Olsen J (2012): Cell phone use and behavioural problems in young children, J Epidemiol Community Health 2012; 66 (6): 524-529, https://www.emf-portal.org/de/article/18825
  • Bas O, Sönmez OF, Aslan A, Ikinci A, Hanci H, Yildirim M, Kaya H, Akca M, Odaci. E (2013).Pyramidal Cell Loss in the Cornu Ammonis of 32-day-old Female Rats Following Exposure to a 900 Megahertz Electromagnetic Field During Prenatal Days 13-21, Neuroquantology 2013; 11 (4): 591-599, https://www.emf-portal.org/de/article/26767
  • Odaci E, Hanci H, Ikinci A, Sonmez OF, Aslan A, Sahin A, Kaya H, Colakoglu S, Bas O (2016). Maternal exposure to a continuous 900-MHz electromagnetic field provokes neuronal loss and pathological changes in cerebellum of 32-day-old female rat offspring,  J Chem Neuroanat 2016; 75 Pt B: 105-110, https://www.emf-portal.org/de/article/27904
  • Obajuluwa AO, Akinyemi AJ, Afolabi OB, Adekoya K, Sanya JO, Ishola AO (2017). Exposure to radio-frequency electromagnetic waves alters acetylcholinesterase gene expression, exploratory and motor coordination-linked behaviour in male rats, Toxicol Rep 2017; 4: 530-534, https://www.emf-portal.org/de/article/34946
  • Foerster M, Thielens A, Joseph W, Eeftens M and Röösli M (2018). A Prospective Cohort Study of Adolescents’ Memory Performance and Individual Brain Dose of Microwave Radiation from Wireless Communication. Environmental Health Perspectives, Vol. 126, No. 7, Research Open Access, https://www.emf-portal.org/de/article/35641
  • Shahin S et al. (2018). 2.45-GHz Microwave Radiation Impairs Hippocampal Learning and Spatial Memory: Involvement of Local Stress Mechanism-Induced Suppression of iGluR/ERK/CREB Signaling. Toxicological Sciences 161 (2), 349–374, https://www.emf-portal.org/de/article/33726
  • Hu C, Zuo H, Li Y (2021). Effects of Radiofrequency Electromagnetic Radiation on Neurotransmitters in the Brain. Front Public Heal. 2021;9 (August):1-15, https://www.emf-portal.org/de/article/45556
  • Mumtaz S, Rana JN, Choi EH, Han I (2022). Microwave Radiation and the Brain: Mechanisms, Current Status, and Future Prospects, Review, Int J Mol Sci 2022; 23 (16): 9288, https://www.emf-portal.org/de/article/48195
  • Nunes CO, Barriga EH (2025). Bioelectricity in Morphogenesis, Annu Rev Cell Dev Biol 2025; 41: 187-208, https://www.emf-portal.org/de/article/60997
  • Bodin R, Godin L, Mougin C, Lecomte A, Larrigaldie V, Feat-Vetel J, et al. (2025). Altered development in rodent brain cells after 900 MHz radiofrequency exposure, Neurotoxicology. 2025;111 (August), https://www.emf-portal.org/de/article/60768

Publikation zum Thema

Bild:diagnose:funk
aktuelle Version: 02.10.2025Format: A4Seitenanzahl: 24 Veröffentlicht am: 02.10.2025 Bestellnr.: 609Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Überblick Nr. 9: Digitale Bildung - Ausweg aus der Bildungskatastrophe?


Autor:
Peter Hensinger M.A.
Inhalt:
Wie kam es zur „Digitalen Bildung“ und im Schlepptau zur WLANisierung der Schulen? Diese Reform hat eine über 50-jährige Geschichte. Sie kumulierte im Jahr 2017 im Beschluss der Bundesregierung zum Digitalpakt Schule. Mit der „Digitalen Bildung“ sollen die Ziele der neoliberalen Vorstellungen des Homo Oekonomicus, des konditionier- und verwertbaren Menschen, erstmals verwirklicht werden. Das Datensammeln durch die digitalen Medien ist dazu die Voraussetzung. Dieser Hintergrund spielt in der Diskussion fast keine Rolle, obwohl Soziologen und Pädagogen wir Prof. Jochen Krautz und Prof. Richard Münch ihn schon frühzeitig analysierten. Selbst Lehrerverbände verfielen dem inszenierten Hype der digitalen Medien, beschäftigten sich nicht mit dem pädagogischen und ökonomischen Hintergrund. Man kann die Bildungskatastrophe und die Digitale Bildung nur verstehen, wenn man ihre Historie, die pädagogischen Theorien und die ökonomischen Interessen, die sie hervorbrachten, kennt. Von Pädagogen, die diese Hintergründe kennen, gibt es heute eine heftige Kritik und die Forderung nach einer pädagogischen Wende. Dieser Überblick stellt die Geschichte und aktuelle Debatte dar.
Cover:diagnose:funk
Stand: 06.08.2025Format: A4Seitenanzahl: 44 Veröffentlicht am: 01.08.2025 Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Überblick Nr. 4: Wirkt Mobilfunk auf das Gehirn?


Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
Der Überblick Nr. 4 gibt einen wissenschaftlich fundierten Überblick über die Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder (HF-EMF), wie sie durch Mobilfunkgeräte und WLAN erzeugt werden, auf das sich entwickelnde kindliche Gehirn. Auf Basis von über 50 internationalen, peer-reviewten Studien werden molekularbiologische Mechanismen beschrieben, durch die Mobilfunkstrahlung in zentrale neurophysiologische Prozesse eingreift. Besonders betroffen ist der Hippocampus, der für Gedächtnis, Lernen und Raum-Zeit-Orientierung verantwortlich ist. Die Strahlung führt nachweislich zu einer Reduktion synaptischer Plastizität, einer verminderten Expression von Glutamatrezeptoren (insbesondere NMDA) sowie einer signifikanten Abnahme des Wachstumsfaktors BDNF. Diese Veränderungen beeinträchtigen die Reifung neuronaler Netzwerke und stören die Hirnaktivität durch eine Desynchronisation endogener Oszillationen. Weitere dokumentierte Effekte umfassen die Öffnung der Blut-Hirn-Schranke, oxidativen Stress, mitochondriale Schäden und kognitive Entwicklungsdefizite. Epidemiologische Studien weisen zusätzlich auf Zusammenhänge mit Verhaltensauffälligkeiten, Aufmerksamkeitsstörungen und emotionalen Dysregulationen hin. Angesichts der besonderen Vulnerabilität des kindlichen Gehirns fordert der Artikel die Anwendung des Vorsorgeprinzips in pädagogischen Einrichtungen und eine strahlenminimierte Gestaltung von Bildungsumgebungen. Die vorgelegten Ergebnisse belegen, dass die HF-EMF-Exposition als eigenständiger Risikofaktor in der Frühentwicklung ernst genommen werden muss.
Bild:diagnose:funk
1. Auflage 2025Format: A5Seitenanzahl: 32, Preis 2,50 Euro (Mitglieder 1,50 Euro) Veröffentlicht am: 30.09.2025 Bestellnr.: 105Sprache: deutschHerausgeber: diagnose:funk

Ratgeber 5: Kinder und Jugendliche in digitalen Zeiten - stark und selbstbestimmt

So fördern Sie die gesunde Entwicklung Ihres Kindes
Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
Inzwischen zweifelt niemand mehr: Smartphones und soziale Medien können Kindern und Jugendlichen massiv schaden. Was können Eltern und Schulen tun? Eine pädagogische Herausforderung. Sie ist lösbar. Kurz, konkret und verständlich hilft dabei unser neuer Ratgeber. Der Ratgeber zeigt auf, warum Kinder in erster Linie vielfältige analoge Erfahrungen brauchen – Bewegung, Natur, kreative Aktivitäten und echte soziale Begegnungen. Digitale Medien können diese wertvollen Erlebnisse nicht ersetzen, sondern nehmen nur Zeit, die Kindern für ihre natürliche Entwicklung fehlt. Besonders in den ersten Lebensjahren sollten Bildschirme konsequent gemieden werden, da das Gehirn in dieser Phase am empfindlichsten ist. Zugleich macht die Broschüre Mut und bietet konkrete Hilfestellungen: Sie erklärt, ab welchem Alter Kinder langsam und begleitet an digitale Medien herangeführt werden können, wie Eltern klare Regeln setzen und den Medienkonsum sinnvoll begrenzen. Praktische Tipps für Alltagssituationen – vom Familienessen über den Kindergarten bis zum Grundschulalter – geben Orientierung, wie Medienerziehung verantwortungsvoll gelingt.
Format: DIN B5Seitenanzahl: 156 Veröffentlicht am: 20.05.2025 Bestellnr.: 111, Preis 16,90ISBN-10: 978-3-9820585-5-9Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:media

Gesund aufwachsen in der digitalen Medienwelt

Orientierungshilfe für Eltern und alle, die Kinder und Jugendliche begleiten.
Autor:
Hrsg. Michaela Glöckler
Inhalt:
Viele Beobachtungen und Studien von Experten zeigen, dass der zu frühe Kontakt von Kindern und Jugendlichen mit den neuen Medien mit erheblichen Risiken für ihre Entwicklung und ihre Gesundheit verbunden ist. Wir wissen heute: Erst wenn das Kind seine biologisch notwendigen Entwicklungsschritte in den verschiedenen Lebensabschnitten gut bewältigt hat, kann es die Fähigkeit zu einem kompetenten und selbstbestimmten Medienumgang entwickeln. Das Buch nimmt die übergeordnete Fragestellung auf, was Kinder bzw. Jugendliche für ihre gesunde Entwicklung in verschiedenen Entwicklungsphasen brauchen. Der pädagogische Standpunkt der Autoren versucht eine Balance aufzuzeigen zwischen den Wünschen der Kinder und Jugendlichen und den Einschränkungen, die als Vorsorgemaßnahmen zur Abwendung von Gefahren erforderlich sind.
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