Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung (HF-EMF) auf Neurotransmitter und Gehirnfunktionen

Übersichtsstudie aus China: Das Gehirnorchester kommt aus dem Takt
Die Überblicksstudie (Review) chinesischer Wissenschaftler „Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung auf Neurotransmitter im Gehirn“ liefert den überzeugenden Beweis, dass die elektromagnetischen Felder des Mobilfunks massiv den prä- und postnatalen Gehirnstoffwechsel beeinflussen. Insbesondere Kinder sind von den negativen Auswirkungen auf das Gedächtnis, Lernen und Verhalten betroffen.
Faksimile Hu et al. (2021)

Neurotransmittersystem - das Herz des Denkens

Bereits im ElektrosmogReport 4 /2022 wurde der Review von Hu et al. (2021) “Effects of Radiofrequency Electromagnetic Radiation on Neurotransmitters in the Brain” besprochen. Sein Ergebnis bekommt auf Grund der aktuellen Diskussion über die Auswirkungen digitaler Medien auf Kinder und Jugendliche, dem Sinkflug der Lern- und Denkleistungen und der Debatte um Smartphone-Verbote eine aktuelle Bedeutung. Denn Hu et al. stellen dar, wie  elektromagnetische Felder im Frequenzbereich des Mobilfunks (einschließlich WLAN) Neurotransmittersysteme im Gehirn – vor allem Glutamat / NMDA, Dopamin, Serotonin, GABA und Acetylcholin - beeinflussen. Diese Systeme steuern unsere Denk- und Lernvorgänge. Zwei Kernaussagen in der Studie:

  • „Zusammenfassend lassen diese Studien darauf schließen, dass HF-EMF je nach Intensität der Strahlenexposition zu Stoffwechselstörungen der Monoamin-Neurotransmitter im Gehirn führen und theoretisch zu abnormalem emotionalem Verhalten führen kann (S.4)."
  • „Obwohl wir uns auf das biochemische Ungleichgewicht beschränken, um die Erklärung für die Veränderungen der einzelnen Neurotransmitter zu vereinfachen, verdienen die kombinierten Auswirkungen der Neurotransmitter dennoch Beachtung. Es ist auch möglich, dass die verschiedenen Neurotransmissionseffekte nach HF-EMF-Exposition bei Tieren auf kombinierte Effekte in verschiedenen Hirnregionen zurückzuführen sind, wie z. B. neurophysiologische Veränderungen, Anstieg von Kalzium und ROS und dadurch Schäden an der Zellmembran und die nachgeschalteten Signalveränderungen (S.11).“

Die Autoren kommen zu drei zentralen Befunden, HF-EMF führen zu einem

  1. Neurotransmitter-Ungleichgewicht (biochemische Dysregulation)
  2. Oxidativem Stress und Apoptose (zelluläre Schädigung)
  3. Verhaltens- und Gedächtnisveränderungen (funktionelle Folgen)

Zusammen ergeben sie das Bild einer pathophysiologischen Beeinträchtigung des Gehirns:

  • HF-EMF können das Erregungs-Hemmungs-Gleichgewicht stören.
  • Kognitive Funktionen wie Lernen, Gedächtnis und Aufmerksamkeit können darunter leiden.
  • Besonders sich entwickelnde Gehirne (Föten, Kinder) sind empfindlicher, da sich ihre neuronalen Netzwerke und Neurotransmittersysteme noch ausbilden.
  • Die Veränderungen sind frequenz- und dosisabhängig.

Hu C, Zuo H, Li Y (2021): Effects of Radiofrequency Electromagnetic Radiation on Neurotransmitters in the Brain. Front Public Heal. 2021;9 (August):1-15; DOI: 10.3389/fpubh.2021.691880

 

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Desynchronisation endogener Rhythmen im Gehirn

Die Studie von Hu et al. bestätigt die Hauptthesen unserer Publikation Überblick Nr. 4 „Wirkt Mobilfunk auf das Gehirn?“: HF-EMF-Strahlung führt zur Desynchronisation endogener Rhythmen im Gehirn – zentrale Abläufe geraten aus dem Takt und das neuronale Zusammenspiel wird massiv gestört. Das hat Folgen für Lernen, Gedächtnis und Verhalten – bis hin zu neurologischen und neurodegenerativen Störungsbildern. Hu et al. dokumentieren detailliert, welche Neurotransmitter durch HF-EMF aus dem sensiblen Gleichgewicht kommen.  Die Autoren formulieren vorsichtig, aber deutlich, dass solche Veränderungen auf dauerhafte Störungen neuronaler Netzwerke, insbesondere auch strukturelle Veränderungen im Hippocampus (Lernzentrum), hindeuten können, wenn sie häufig oder frühzeitig, z. B. in der Entwicklung, auftreten.

Diese Erkenntnisse müssen in die gegenwärtige Diskussion um die „Digitale Bildung“ und Smartphone-Verbote an Kitas und Schulen einfließen. Salopp gesagt: Die Strahlenbelastung durch Smartphones und WLAN macht dumm! Insbesondere in Wechselwirkung mit den psycho-sozialen Schädigungen wie der Reizüberflutung und der Sucht. „Ohne Berücksichtigung der Erkenntnisse der Gehirnforschung gelingt kein Ausweg aus der Smartphone-Epidemie“ ist deshalb der programmatische Titel des Artikels von Teuchert-Noodt / Hensinger. Die Brisanz der Erkenntnisse über die Wirkungen von EMF auf das Gehirn hat die Neurobiologin Dr. Keren Grafen in ihrem Interview „Es ist höchste Zeit, dass die negativen Auswirkungen von Hochfrequenz-EMF auf die Gehirnentwicklung von Kindern und Jugendlichen ernst genommen werden!" erstmals beeindruckend ausgeführt.

Grafik: Studie Hu et. al. (2021)

Grafik aus Hu et al.: Die Effekte von HF-EMF-Strahlung auf die Neurotransmitter im Gehirn und die möglichen Wirkmechanismen.

 

Bedeutung und Funktion der Neurotransmitter

Zum Verständnis der Bedeutung des Reviews von Hu et al. zunächst einige Bemerkungen zur Bedeutung der Neurotransmitter. Unser Gehirn ist ein hochdynamisches Netzwerk aus Milliarden von Nervenzellen. Diese Zellen kommunizieren über winzige chemische Botenstoffe – die Neurotransmitter. Sie sind die Sprache, in der das Gehirn denkt, fühlt und lernt. Jede einzelne Nervenzelle kann elektrische Signale erzeugen – sogenannte Aktionspotenziale. Wenn ein Neuron „feuert“, läuft eine winzige elektrische Spannung über seine Zellmembran und wandert bis zu den Synapsen, den Kontaktstellen zu anderen Nervenzellen. Dort verwandelt sich das elektrische Signal in ein chemisches: Neurotransmitter werden freigesetzt, überqueren den synaptischen Spalt und binden an Rezeptoren der nächsten Zelle. So entsteht ein faszinierendes Wechselspiel aus elektrischer und chemischer Kommunikation, das wie ein präzises Orchester das gesamte Denken, Fühlen und Handeln steuert.

Neurotransmitter regulieren praktisch alle geistigen und körperlichen Funktionen – sie beeinflussen Aufmerksamkeit, Lernprozesse, Emotionen, Schlaf und Gedächtnis. Sie halten die Balance zwischen Erregung und Hemmung – eine Balance, die über Wohlbefinden, geistige Klarheit und emotionale Stabilität entscheidet. Während der Gehirnreifung – also in der Schwangerschaft, Kindheit und Jugend – spielen Neurotransmitter eine noch zentralere Rolle. Sie lenken die Ausbildung und Verknüpfung von Synapsen, formen neuronale Netzwerke und bestimmen, wie sich Wahrnehmung, Sprache, Emotion und Gedächtnis entwickeln.

Schon kleinste Verschiebungen in diesem fein abgestimmten chemisch-elektrischen Gleichgewicht können bleibende Folgen haben: Das Gehirn reagiert dann wie ein Orchester, in dem einige Instrumente aus dem Takt geraten – und das ganze Zusammenspiel verliert seine Harmonie. Wenn äußere Noxen – also schädigende Einflüsse wie Gifte, chronischer Stress, Drogen oder elektromagnetische Strahlung – diese Balance stören, kann das Gehirn auf vielfältige Weise reagieren. Zunächst verlangsamen sich Stoffwechselprozesse und Signalübertragungen, später kann es zu Fehlverschaltungen, Entzündungsreaktionen oder sogar zum Absterben von Nervenzellen kommen.

Wenn dieses empfindliche Zusammenspiel aus elektrischer Erregung und chemischer Signalübertragung dauerhaft gestört wird, können daraus neuropsychiatrische Erkrankungen, kognitive Beeinträchtigungen oder Entwicklungsstörungen entstehen. Um im Orchesterbild zu bleiben. Wird es mit HF-EMF bestrahlt, geraten Instrumentengruppen aus dem Takt, andere intonieren falsch, wieder andere fallen ganz aus. Aus der Symphonie wird eine Kakophonie.

Hu et al. dokumentieren: Unter dem Einfluss von HF-EMF, also der Nutzung strahlender, mobiler Geräte, entsteht im Gehirn eine Kakophonie. Besonders das heranwachsende Gehirn, das sich noch strukturiert und vernetzt, reagiert empfindlich auf solche Einflüsse – oft mit Veränderungen, die sich später nur schwer rückgängig machen lassen.

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Die Einzelergebnisse - Neurotransmitter unter Strahlenstress: Glutamat/NMDA, Dopamin, Serotonin, GABA und Acetylcholin.

Die Studie von Hu et al. (2021) fasst zahlreiche Tier- und Zellstudien zusammen, die untersuchten, wie HF-EMF den Neurotransmitterhaushalt, die Synapsenfunktion und damit auch Lernen, Gedächtnis und Verhalten beeinflusst. Im Folgenden sind die Neurotransmitter gelistet, die als Zielpunkte in der Studie identifiziert wurden.

1. Dopamin

Funktion: Dopamin steuert Motivation, Belohnung, Aufmerksamkeit, Lernprozesse , Bewegungssteuerung und ist essentiell für die Reifung des Stirnhirns. Ein ausgewogenes Dopaminsystem ist entscheidend für kognitive Kontrolle, emotionales Gleichgewicht und motorische Präzision.

Wirkung von HF-EMF

  • In mehreren Tierstudien sank der Dopaminspiegel im Hippocampus und Striatum nach Langzeit-Exposition (z. B. 900–1800 MHz, 1 h/Tag über Wochen).
  • In manchen Versuchen stieg Dopamin bei kurzer, schwacher Belastung leicht an, fiel aber bei längerer oder stärkerer Belastung deutlich ab.
  • Bei trächtigen Ratten zeigte sich: geringe HF-EMF-Belastung erhöhte den Dopaminspiegel des Fötus, hohe Belastung senkte ihn wieder, ein Hinweis auf Störungen der Gehirnentwicklung.

Bedeutung: Eine gestörte Dopaminbalance kann zu Aufmerksamkeitsdefiziten, Lernschwäche, Motivationsverlust oder motorischen Störungen führen. Langzeitbelastung könnte dopaminerge Bahnen im Striatum und Hippocampus beeinträchtigen, die wichtig für das Gedächtnis und Belohnungslernen sind.

2. Noradrenalin und Adrenalin

Funktion: Noradrenalin und Adrenalin regulieren Wachheit, Aufmerksamkeit, Stressreaktionen und emotionale Stabilität. Sie aktivieren das sympathische Nervensystem und unterstützen die Gedächtnisbildung bei emotional bedeutsamen Ereignissen.

Wirkung von HF-EMF

  • Tierstudien zeigen: nach 30 Tagen 1800 MHz (2 h/Tag) sank der Noradrenalin- und Adrenalinspiegel im Hippocampus.
  • Geringe Strahlung (1 mW/cm²) führte zu Anstieg, stärkere Bestrahlung zu Abfall – also eine dosisabhängige Reaktion.
  • Bei trächtigen Ratten: erhöhte Werte bei niedriger, erniedrigte bei hoher Dosis.

Bedeutung: Ein Ungleichgewicht kann Stressverarbeitung, Konzentration und Gedächtnisleistung beeinträchtigen. Besonders in der Entwicklung könnte dies zu emotionaler Instabilität und Aufmerksamkeitsstörungen beitragen.

3. Serotonin (5-HT)

Funktion: Serotonin beeinflusst Stimmung, Schlaf, Appetit, Schmerzempfinden, Gedächtnis und Lernen. Es ist ein zentraler Regulator für emotionale Balance.

Wirkung von HF-EMF

  • HF-EMF (900 – 2450 MHz) führte in mehreren Studien zu erhöhtem Serotoninspiegel im Gehirn (v. a. Hippocampus, Hypothalamus, Mittelhirn).
  • Gleichzeitig sank der Abbau-Metabolit 5-HIAA, Zeichen einer gestörten Serotoninverarbeitung.
  • Bei hoher Strahlungsdosis (2450 MHz / WLAN) wurden auch Veränderungen der Hirnaktivität (EEG) und Abnahme der Lernleistung beobachtet.

Bedeutung: Ein dauerhaft erhöhter oder gestörter Serotoninhaushalt kann mit Schlafproblemen, Angst, Reizbarkeit oder depressiven Symptomen einhergehen.

 

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4. Glutamat und NMDA/AMPA-Rezeptoren

Funktion: Glutamat ist der wichtigste exzitatorische Neurotransmitter im Gehirn. Über NMDA- und AMPA-Rezeptoren vermittelt es synaptische Plastizität, die Grundlage von Lernen und Gedächtnis.

 

 

Wirkung von HF-EMF

  • Glutamatspiegel: teils erniedrigt (nach kurzer Exposition), teils erhöht (nach längerer Einwirkung).
  • NMDA-Rezeptoren:
    • Abnahme der Untereinheiten NR1, NR2A, NR2B in Hippocampus, Cortex und Striatum.
    • Abnahme korrelierte mit Verschlechterung der Lern- und Gedächtnisleistung im „Morris Water Maze“-Test.

Bedeutung: Glutamatrezeptoren spielen bei der Aktivierung der Hebbschen Lernsynapse eine zentrale Rolle. Ein gestörtes Glutamat / NMDA-System kann die Langzeitpotenzierung (LTP) hemmen – den Mechanismus, durch den das Gehirn Informationen speichert. Dies führt zu kognitiven Einschränkungen, Konzentrationsschwäche und Lernstörungen.

5. GABA (γ-Aminobuttersäure)

Funktion: GABA ist der wichtigste hemmende Neurotransmitter und sorgt für Balance zwischen Erregung und Hemmung. Er reguliert Angst, Schlaf, Muskelspannung und neuronale Stabilität.

Wirkung von HF-EMF

  • Mehrere Studien fanden reduziertes GABA im Hippocampus und Cortex nach Bestrahlung.
  • In anderen Experimenten erhöhte sich GABA erst nach Monaten – möglicherweise kompensatorisch.
  • GABA-Rezeptoren wurden nach HF-EMF teils hochreguliert, was auf Anpassungsreaktionen hindeutet.

Bedeutung: Ein GABA-Ungleichgewicht kann Angst, Reizbarkeit, Schlafstörungen oder Epilepsie begünstigen. Gleichzeitig kann die Hemmung der neuronalen Aktivität abnehmen, mit der Folge von Übererregung und Stresssymptomen.

 

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6. Acetylcholin (ACh)

Funktion: Acetylcholin (ACh) ist zentral für Lernen, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Bewusstsein. Das cholinerge System verknüpft elektrische und chemische Signalverarbeitung, regelt die Aufmerksamkeit und ermöglicht die Bildung stabiler neuronaler Verbindungen. Wird dieses System gestört – etwa durch neurotoxische Einflüsse oder HF-EMF , verliert das Gehirn die Fähigkeit, Informationen effizient zu speichern und abzurufen.

Wirkung von HF-EMF

  • Kurzzeitige Bestrahlung (2.45 GHz WLAN, 20 min) führt zu  erhöhter Cholinaufnahme im Hippocampus und Cortex.
  • Längere Exposition (bis 28 Tage), sowohl  Abnahme von ACh als auch Zunahme der AChE-Aktivität, teils Rezeptorveränderungen.
  • Folge: gestörte cholinerge Signalübertragung und Verschlechterung von Lern- und Gedächtnisleistungen.

Bedeutung: Da das cholinerge System die Gedächtnisfunktionen anderer Strukturen (v. a. Hippocampus und Kortex) unterstützt und reguliert, deuten diese Befunde auf potenzielle Gedächtnisschwächen durch HF-EMF hin.

7. Peptid-Neurotransmitter (v. a. Opioidpeptide)

Funktion: Endogene Opioide regulieren Schmerz, Emotion, Belohnung und Stress. Sie beeinflussen auch Lernprozesse durch Modulation der Acetylcholinfreisetzung.

Wirkung von HF-EMF

  • Kurze HF-EMF-Exposition (2.45 GHz WLAN, 45 min), die Folge: Hemmung der cholinergen Aktivität im Hippocampus.
  • Diese Wirkung konnte durch Opioidrezeptor-Blockade aufgehoben werden, ein Hinweis, dass opioide Systeme an Lernstörungen beteiligt sind.

Bedeutung: Störungen im Opioidsystem können Motivation, Stimmung und Gedächtnisleistung negativ beeinflussen.

Zum Stand der Erkenntnisse

Der narrative Review von Hu et al. dokumentiert eine Fülle von Erkenntnissen über die Wirkungen von EMF auf den Gehirnstoffwechsel. Doch wegen ihrer Heterogenität, so die Autoren, seien viele Fragen offen und Wechselwirkungen noch nicht endgültig aufgeklärt. Sie setzen auf den Fortschritt der Neurowissenschaften in der Erwartung, „dass die Untersuchung der Auswirkungen von EMF auf den Neurotransmitterstoffwechsel und den Transport von Neurotransmittern auf der Ebene der neuronalen Schaltkreise die Herausforderungen bei der Erforschung der neurobiologischen Wirkung von EMF und ihrer Mechanismen überwinden und neue Wege für die Erforschung präventiver Ziele und Interventionen eröffnen wird.“ (S.13) Die vorliegenden von Hu et al. dokumentierten Hinweise erfordern jetzt schon nicht nur die Anwendung des Vorsorgeprinzips, sondern eine Gefahrenabwehr.

Die praktische Relevanz neurobiologischer Erkenntnisse für die Bildungsdiskussion 

Diese Kernaussagen von Hu et al. muss man sich nochmals vergegenwärtigen:

„Zusammenfassend lassen diese Studien darauf schließen, dass HF-EMF je nach Intensität der Strahlenexposition zu Stoffwechselstörungen der Monoamin-Neurotransmitter im Gehirn führen und theoretisch zu abnormalem emotionalem Verhalten führen kann (S.4)."

„Obwohl wir uns auf das biochemische Ungleichgewicht beschränken, um die Erklärung für die Veränderungen der einzelnen Neurotransmitter zu vereinfachen, verdienen die kombinierten Auswirkungen der Neurotransmitter dennoch Beachtung. Es ist auch möglich, dass die verschiedenen Neurotransmissionseffekte nach HF-EMF-Exposition bei Tieren auf kombinierte Effekte in verschiedenen Hirnregionen zurückzuführen sind, wie z. B. neurophysiologische Veränderungen, Anstieg von Kalzium und ROS und dadurch Schäden an der Zellmembran und die nachgeschalteten Signalveränderungen (S.11).“

Das, was wir heute als „Bildungskrise“ sehen, ist auch eine Neuroentwicklungs-Krise – ein stiller Umbau des kindlichen Gehirns im elektromagnetischen Dauerfeld.

  • Die Neurotransmitter, die Konzentration, Gedächtnis und Motivation steuern, geraten aus der Balance. Besonders betroffen sind Systeme, die für Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Lernen verantwortlich sind – also genau jene Funktionen, die Kinder in der Schule täglich brauchen.

Wenn das heranwachsende Gehirn durch permanente digitale Reizüberflutung und EMF-Belastung in seiner biochemischen und elektrischen Synchronisierung gestört wird, dann hat das direkte Folgen für Konzentration, Sprachentwicklung und kognitive Leistungsfähigkeit. Die Studienergebnisse zeigen:

  • Was in der Zelle beginnt – eine winzige Störung in der Signalübertragung – endet im Klassenzimmer: Kinder verlieren die Fähigkeit, sich zu fokussieren, zu behalten, zu verstehen. Die Bildungskrise ist damit nicht nur ein soziales, sondern auch ein neurobiologisches Phänomen.

Wenn jetzt noch Fragen offen sind und die Ergebnisse v.a. durch die Vertreter des „Thermischen Dogmas“, nach dem es solche Auswirkungen unterhalb der Grenzwerte / Wärmeschwelle gar nicht geben könne, in Zweifel gezogen werden, dem können wir nur noch die Originallektüre der Studie von Hue et al. und unserem Überblick Nr. 4 und den dort dokumentierten 50 Studien empfehlen. Bei dann noch offenen Fragen, diese bitte an: kontakt (at) diagnose-funk.de. 

Publikation zum Thema

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1. Auflage 2025Format: A5Seitenanzahl: 32, Preis 2,50 Euro (Mitglieder 1,50 Euro) Veröffentlicht am: 30.09.2025 Bestellnr.: 105Sprache: deutschHerausgeber: diagnose:funk

Ratgeber 5: Kinder und Jugendliche in digitalen Zeiten - stark und selbstbestimmt

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Autor:
diagnose:funk
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Stand: 06.08.2025Format: A4Seitenanzahl: 44 Veröffentlicht am: 01.08.2025 Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Überblick Nr. 4: Wirkt Mobilfunk auf das Gehirn?


Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
Der Überblick Nr. 4 gibt einen wissenschaftlich fundierten Überblick über die Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder (HF-EMF), wie sie durch Mobilfunkgeräte und WLAN erzeugt werden, auf das sich entwickelnde kindliche Gehirn. Auf Basis von über 50 internationalen, peer-reviewten Studien werden molekularbiologische Mechanismen beschrieben, durch die Mobilfunkstrahlung in zentrale neurophysiologische Prozesse eingreift. Besonders betroffen ist der Hippocampus, der für Gedächtnis, Lernen und Raum-Zeit-Orientierung verantwortlich ist. Die Strahlung führt nachweislich zu einer Reduktion synaptischer Plastizität, einer verminderten Expression von Glutamatrezeptoren (insbesondere NMDA) sowie einer signifikanten Abnahme des Wachstumsfaktors BDNF. Diese Veränderungen beeinträchtigen die Reifung neuronaler Netzwerke und stören die Hirnaktivität durch eine Desynchronisation endogener Oszillationen. Weitere dokumentierte Effekte umfassen die Öffnung der Blut-Hirn-Schranke, oxidativen Stress, mitochondriale Schäden und kognitive Entwicklungsdefizite. Epidemiologische Studien weisen zusätzlich auf Zusammenhänge mit Verhaltensauffälligkeiten, Aufmerksamkeitsstörungen und emotionalen Dysregulationen hin. Angesichts der besonderen Vulnerabilität des kindlichen Gehirns fordert der Artikel die Anwendung des Vorsorgeprinzips in pädagogischen Einrichtungen und eine strahlenminimierte Gestaltung von Bildungsumgebungen. Die vorgelegten Ergebnisse belegen, dass die HF-EMF-Exposition als eigenständiger Risikofaktor in der Frühentwicklung ernst genommen werden muss.
diagnose:funk
Stand: 08.10.2024Format: A4Seitenanzahl: 22 Veröffentlicht am: 14.06.2024 Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Überblick Nr. 3: Zeigt Mobilfunk auch nicht-thermische Wirkungen?


Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
Überblick Nr. 3 setzt sich mit einer Hauptbegründung für die Ungefährlichkeit der Mobilfunkstrahlung auseinander: Die gesetzlichen Grenzwerte würden vor Gesundheitsrisiken schützen. Es würde keine Beweise für nicht-thermische Wirkungen geben. Jedoch: Der Ausschluss von Studien mit nicht-thermischen Wirkungen für die Risikobewertung wird inzwischen von europäischen Gremien kritisiert, ebenso in juristischen Gutachten. Dieser Überblick stellt die Diskussion um das thermische Dogma seit den 1950er Jahren bis heute dar. diagnose:funk dokumentiert darin exemplarisch 70 Studien, die nicht-thermische Wirkungen zeigen. Damit wird die Schutzfunktion der geltenden Grenzwerte wissenschaftlich in Frage gestellt.
diagnose:funk
Stand: 03.12.2024Format: A4Seitenanzahl: 27 Veröffentlicht am: 14.06.2024 Sprache: deutschHerausgeber: diagnose:funk

Überblick Nr. 6: Ist WLAN schädlich?


Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
Überblick Nr. 6 dokumentiert die Studienlage zu WLAN und die Alternativen. Da WLAN eine lizenz- und oft kostenlose Frequenz ist, die deshalb Jugendliche besonders oft nutzen, hat die Studienlage zu den WLAN-Frequenzen eine besondere Bedeutung. Die WLAN-Frequenz ist besonders gut untersucht. Es liegen Erkenntnisse über Auswirkungen auf das Gehirn und in der Folge auf den Schlaf, das Gedächtnis, räumliches Denken, das Erbgut, die Blut-Hirn-Schranke, vor, aber auch auf die Fertilität, das Auge, das EEG und auf die Auslösung entzündlicher Erkrankungen durch oxidativen Zellstress.
Titelblatt brennpunkt Salford Bild: diagnose:funk
März 2022Format: A4Seitenanzahl: 12 Veröffentlicht am: 15.03.2022 Bestellnr.: 248Sprache: deutschHerausgeber: diagnose:funk

Die Öffnung der Blut-Hirn-Schranke durch Mobilfunkstrahlung: Ergebnisse der Salford-Studien


Autor:
Louis Slesin / Microwave News / diagnose:funk
Inhalt:
Die Diskussion über die Ergebnisse der Salford-Studien zur Öffnung der Blut-Hirn-Schranke durch Mobilfunkstrahlung stand Anfang der 2000er Jahre in der Wissenschaft und bei den Mobilfunkkritikern im Focus. Kann eine Technologie eingeführt werden, die das Gehirn schädigt? Heftige Debatten fanden statt. Die Mobilfunkindustrie erkannte die Brisanz dieser Studie und befürchtete, dass der Staat regulierend eingreift. Sie startete eine weltweite Kampagne zur Verharmlosung von Salfords Ergebnissen. Louis Slesin hat anlässlich des 80. Geburtstags von Leif Salford die Geschichte seiner Forschung und die politischen Intrigen gegen ihn aufgearbeitet. Die Ergebnisse von Salford haben gerade aktuell, wo Smartphones und WLAN als Lernmittel an Schulen eingeführt werden, eine zentrale Bedeutung. Denn sie beweisen: Das Gehirn wird durch Mikrowellenstrahlung geschädigt.
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aktuelle Version: 02.10.2025Format: A4Seitenanzahl: 24 Veröffentlicht am: 02.10.2025 Bestellnr.: 609Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Überblick Nr. 9: Digitale Bildung - Ausweg aus der Bildungskatastrophe?


Autor:
Peter Hensinger M.A.
Inhalt:
Wie kam es zur „Digitalen Bildung“ und im Schlepptau zur WLANisierung der Schulen? Diese Reform hat eine über 50-jährige Geschichte. Sie kumulierte im Jahr 2017 im Beschluss der Bundesregierung zum Digitalpakt Schule. Mit der „Digitalen Bildung“ sollen die Ziele der neoliberalen Vorstellungen des Homo Oekonomicus, des konditionier- und verwertbaren Menschen, erstmals verwirklicht werden. Das Datensammeln durch die digitalen Medien ist dazu die Voraussetzung. Dieser Hintergrund spielt in der Diskussion fast keine Rolle, obwohl Soziologen und Pädagogen wir Prof. Jochen Krautz und Prof. Richard Münch ihn schon frühzeitig analysierten. Selbst Lehrerverbände verfielen dem inszenierten Hype der digitalen Medien, beschäftigten sich nicht mit dem pädagogischen und ökonomischen Hintergrund. Man kann die Bildungskatastrophe und die Digitale Bildung nur verstehen, wenn man ihre Historie, die pädagogischen Theorien und die ökonomischen Interessen, die sie hervorbrachten, kennt. Von Pädagogen, die diese Hintergründe kennen, gibt es heute eine heftige Kritik und die Forderung nach einer pädagogischen Wende. Dieser Überblick stellt die Geschichte und aktuelle Debatte dar.
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