Wir informieren: „Schaut nicht nach Norwegen! Macht nicht die gleichen Fehler wie wir“ (Teil 1)
In einem Interview, das der Spiegel mit der Bestsellerautorin Maja Lunde in Oslo vor kurzem geführt hat, wird sehr deutlich, wie kritisch die Medienwissenschaftlerin die bisher forcierte Digitalisierung der Schule in Norwegen sieht und was sie Deutschland rät, um nicht auf diesen Irrweg zu geraten. „Schaut nicht nach Norwegen! Macht nicht die gleichen Fehler wie wir“ ist das Spiegelgespräch überschrieben.
Im Verlauf dieses Gesprächs werden die Gründe Lundes sehr deutlich. Ihre Argumente überzeugen. Sie geben den Weg einer Bildungspolitik vor, der einfach zu begehen ist und in dem Lehrer und Lehrerinnen mehr sind als Lernbegleiter. Zugleich wird deutlich, welche Ansprüche dieser Weg auch an die Eltern stellt, für die das Smartphone dann nicht immer im Vordergrund steht, wie das im Vorspann des Interviews deutlich wird: „Während des zweistündigen Interviews auf Englisch holt sie ihr Handy kein einziges Mal hervor; auch nicht, als ihr Vokabeln nicht gleich einfallen, die sie im Netz nachschlagen könnte. Einmal klingelt leise ein Handy im Flur, doch Lunde winkt ab. Sie gehe da jetzt einfach nicht ran.“
Am 15. Oktober 2025 erschien in der deutschen Übersetzung ihr Buch: „Rettet die Kindheit“. Im Interview macht Lunde deutlich, dass es viel zu lange gedauert hat, bis die Digitalisierung kritisch betrachtet worden sei. Sie sagt „Wir haben Sicherheitsvorschriften für Spielplätze, Altersgrenzen für Alkohol, Autofahren, Pornografie. Aber in der virtuellen Welt haben wir die Türen weit geöffnet. Diese Naivität macht mich fassungslos.“ Mit Regulierung könnten die Eltern zwar das digitale Medienverhalten ihrer Kinder steuern. Doch es könne nicht sein, dass Familien eigenverantwortlich für den Umgang mit digitalen Medien seien. Gesellschaftliche Lösungen seien notwendig, Regulierung der Altersgrenzen. Sie sieht Norwegen als ein „digitales Labor der Kindheit.“ In vielen Schulen habe man das Schreiben mit der Hand abgeschafft, habe gedruckte Schulbücher hinausgeworfen. Ehe neue Technologien eingesetzt werden, müsste jedoch zuverlässig erforscht werden, was digitales Lernen bringt. Doch das sei von der Politik – Konservativen, Liberalen und Sozialdemokraten – als alternativlos dargestellt worden. Zudem seien weder Lehrer, noch Eltern und Schüler gefragt worden, was sie vom digitalen Lernen hielten. Nationale Tests jedoch, die Pisa-Studie, die internationale Lesestudie Iglu zeigten eine Verschlechterung der Leistungen der Schülerinnen und Schüler.
Zudem seien in Norwegen laut der International Computer and Information Literacy Study (2023) die digitalen Kompetenzen im Schnitt rückläufig. Nur 40% der 14-jährigen verfügten über rudimentäre oder Basiskenntnisse im Umgang mit digitalen Medien. „Wissen ist fragmentiert und personalisiert, Algorithmen geben uns mehr von dem, was wir bereits mögen, das ist ein demokratisches Problem. Wir verlieren eine gemeinsame Basis.“
Und noch ein Problem sieht sie: Es müsste eigentlich gefragt werden, ob und wofür digitale Geräte und Programme in der Schule eingesetzt werden und ob sie beim Lernen hilfreich sind. Selbstzweck dürfe Digitalisierung nicht sein.
Quelle: Maja Lunde über Medienkonsum von Kindern »Schaut nicht nach Norwegen! Macht nicht die gleichen Fehler wie wir« 16.10.2025; https://www.spiegel.de/panorama/bildung/maja-lunde-bestellerautorin-warnt-vor-gefahren-uebermaessiger-mediennutzung-bei-kindern-a-a4e59828-81bf-4704-9cbb-a3a86c5cdd9d. Ende Teil 1.
In Teil 2 wird deutlich, was für Maja Lunde eine inhaltsorientierte Schule bedeutet, wie eine zielführende Diskussion um die Digitalisierung geführt werden müsste und wie 2040 der Umgang mit digitalen Medien aussehen könnte.
Herzliche Einladung zu unserer Informationsveranstaltung am Donnerstag, 13. November 2025 mit Dr. med. Hartmut G. Horn und Dr. Hartung Wilstermann in der Aula der Auwiesenschule Neckartenzlingen. Beginn: 19.30 Uhr
Die beiden Referenten, ein Arzt und ein Elektro-Ingenieur werden sprechen zu: „Elektrosmog im Alltag – Gesundheitliche Auswirkungen – Möglichkeiten der Abschirmung“. Es wird deutlich werden, wie sich verschiedene Strahlungsquellen auf die Gesundheit auswirken und wie durch teilweise einfache Maßnahmen eine Reduktion oder Vermeidung möglich ist.
Der Eintritt ist frei. Über Spenden freuen wir uns.

