Wir informieren: „Wenn wir das Denken abgeben“ (Teil 2 und Schluss)
Wie können wir sinnvoll mit KI umgehen und was passiert, wenn wir unser Denken auslagern – darum geht es im zweiten Teil unseres "Wir informieren" zum Artikel von Udo Kords.
Entlasten wir das Gehirn, dann habe das auch Konsequenzen für unseren Ehrgeiz, also für unsere Motivation etwas anzustreben. Fehle dieser Antrieb, dann schade das auch unserem Selbstwertgefühl. Wodurch das geschieht, macht Kords am Beispiel der Chatbots deutlich. Deren Ergebnisse wären deutlich besser als die vieler Menschen. Kords spricht von einer „beschämenden Machtdemonstration der Maschine“, die zunehmend entmutige, sich der eigenen Denk- und Artikulationsfähigkeit zu bedienen.
Wenn man KI nutze, stelle sich das Unterlegenheitsgefühl jedoch nicht zwangsläufig ein, wenn man sich darüber im Klaren sei, dass man sich nicht mit künstlicher Intelligenz messen darf. Und der Weg ist einfach: KI kann bei der Lösung von Problemstellungen unterstützen und Rohmaterial bereitstellen. Das müsse dann selbst kritisch geprüft werden, andere Quellen zur Überprüfung und Ergänzung herangezogen und dann selbst verarbeitet werden. Das ist für den Autor der Ansatz, der zur Selbstwirksamkeit führt.
Der andere, bei dem KI die Arbeit leiste und KI-generierte Inhalte ungeprüft übernommen würden, führe dagegen zur Selbstentmündigung. Nicht KI würde dumm machen, habe auch keinen regressiven Einfluss auf unsere Persönlichkeitsentwicklung, dumm mache unsere - oft unbewusste Wahl – sie unkritisch zu benutzen.
Neue Technologien zu entwickeln sei eine Herausforderung. „Die weit größere Herausforderung für uns Menschen besteht jedoch in der Regel darin, technische Innovationen sinnvoll zu nutzen, was nicht zuletzt auch bedeutet, sich der Nutzung zu widersetzen und klare Grenzen dafür zu ziehen.“
Kords stellt fest, dass das Auslagern des Denkens keine „effiziente Modernisierung“ sei – also keine echte Erleichterung, sondern ein Angriff auf das „was uns innerlich wachsen lässt“. Das Denken sei kein rein neurologischer Vorgang, es sei eng verwoben mit unserer Persönlichkeitsentwicklung. Denn die Fähigkeit zu zweifeln, zu irren, sich neu zu orientieren, forme nicht nur unseren Verstand, sondern auch unseren Charakter.
Im letzten Absatz seines umfassenden Artikels nennt Udo Kords noch eine schwerwiegende Folge, die sich aus dem unkritischen Gebrauch künstlicher Intelligenz ergibt. Der Raum für „Denktätigkeit“ (Hannah Arendt) würde immer kleiner: „Das unablässige Hinterfragen, das produktive Zweifeln, das Aushalten von Unsicherheit und Widersprüchen. Doch gerade darin liegt die Essenz des Menschseins.“ Fehle kritisches Denken, dann wären wir für vorgefertigte Meinungen und zielgruppenorientierte Informationen, sowie für externe Entscheidungshilfen empfänglich und somit beeinflussbar.
Der letzte Satz des Artikels fasst dann zusammen, was das Outsourcing des Denkens an künstliche Intelligenz für uns Menschen bedeutet: „Wer das Denken auslagert, lagert seine eigene Entwicklung und Identität in Teilen gleich mit aus und macht sich zum Zuschauer der eigenen Entmündigung.“ (Quelle: Udo Kords: Wenn wir das Denken abgeben; in: wochentaz 13. - 19. september 2025, argumente, S.15)
In diesem Zusammenhang ist auch interessant:
Ingo Leipner: KI-Angriff auf das Bewusstsein – Kritik der künstlichen Vernunft. Info3 Verlag, 2024, Klappenbroschur, 104 Seiten, 12,90 Euro
Der Autor wird am Donnerstag, 5. März 2026, bei uns in Neckartenzlingen zum Thema Künstliche Intelligenz sprechen. Den genauen Titel des Vortrags werden wir rechtzeitig mitteilen. Beginn der Informationsveranstaltung: 19.30 Uhr. Ort: Aula der Auwiesenschule Neckartenzlingen

