Bad Wildbad: "Mobilfunkmasten abgebaut. Eine Stadt stürzt ins Funkloch."

Nationales Roaming hätte die Probleme vermieden!
Auf der Tagesschau-Homepage (26.08.2025) heißt es: „In Bad Wildbad in Baden-Württemberg herrscht seit zwei Monaten Funkstille für Kunden von O2 und Vodafone. Kommunikation geht nur noch über Festnetz, Funkgerät oder WLAN. Stadt und Kunden sind machtlos.“ Dabei wäre die Lösung des Problems ganz einfach!
Blick auf Bad WildbadStefan_Karl_CC BY-SA 3.0

Das Debakel liegt am System

Über die Teil-Funkstille in Bad Wildbad berichteten alle Leitmedien. Die Tagesschau schreibt:

  • „Der kleine Kurort Bad Wildbad mit seinen rund 10.000 Einwohnern, idyllisch an der Enz mitten im Nordschwarzwald gelegen, ist ein Magnet für Touristen. Zur Erholung in Kurpark und Thermen gibt es seit zwei Monaten unfreiwillig "digital detox" obendrauf. Von einem Tag auf den anderen brachen Ende Juni Handy- und Internetempfang für Vodafone- und O2-Telefónica-Kunden weg. Ohne Vorwarnung, ohne Erklärung.

    Der Grund für das Netzdebakel im Schwarzwald: Mobilfunkmasten auf dem Schornstein eines Fernheizwerks oberhalb der Stadt waren abgebaut worden. Und das, ohne dass ein neuer Standort für die Masten gefunden war.“   

Nationales Roaming/Netsharing – und das Problem wäre gelöst!

Wenn die Bundespolitik mitmachen würde, gäbe es eine einfache Lösung: Nationales Roaming – also ein Netz für alle. Die Telekom gibt ihr Netz für die Vodafone- und O2-Kunden frei, und alle könnten sofort wieder telefonieren. Aus Wettbewerbsgründen lässt die Telekom das wohl nicht zu. So wollten Nutzer nun zur Telekom wechseln. Doch der gnadenlose Wettbewerb verhindert auch das:

  • „Kundinnen und Kunden vor Ort sind fassungslos. Auch mithilfe des Sonderkündigungsrechts kommen viele nicht aus ihren Verträgen. Beschwerden beim Kundenservice blieben erfolglos.“ 

Und nationales Roaming würde auch den Antennenwildwuchs mit mehrfacher Bestrahlung durch Netze von 4 Anbietern überflüssig machen. Ein Netz für alle, nur ein Mobilfunkmast, das wäre die naheliegendste Lösung. Vodafone aber klagt:

  • „Die Topografie der Stadt, im engen Enztal gelegen, umgeben von steilen, bewaldeten Hängen, gestalte die Standortsuche allerdings schwierig, so die Netzanbieter. Generell sei die Standortsuche in Deutschland ein Problem, so ein Sprecher von Vodafone. 'Alle Bürger wollen starken Mobilfunk haben, aber kaum jemand Mobilfunkstationen in der unmittelbaren Nachbarschaft', heißt es.“

Die Bürger haben recht, wenn sie sich gegen den Antennenwildwuchs wehren, der durch nationales Roaming beendet werden kann.

Bad Wildbad um 1900Bild: Wikipedia-Genehmigungsfrei

Bild: Bad Wildbad um 1900. Vor 125 Jahren genossen die Gäste die Ruhe und die Thermen in Bald Wildbad. Heute: „Gäste inspirieren sich über Facebook, Instagram und TikTok“, so Stefanie Bott, Touristik Bad Wildbad.

 

Presseerklärung von diagnose:funk vom 3.6.2025 zu Roaming: Ein Netz für alle

Stuttgart, 3.6.2025: Anlässlich der ersten Lesung des TKG-Änderungsgesetzes im Bundestag am 5. Juni schlägt die Umwelt- und Verbraucherorganisation diagnose:funk den Bundestagsabgeordneten und besonders dem Digitalausschuss vor, mit dem Gesetz nationales Roaming einzuführen. Nationales Roaming – auch Net-Sharing genannt – führt dazu, dass die Mobilfunknutzer:innen jedes verfügbare Mobilfunknetz nutzen können, egal bei welchem Anbieter sie sind. Die unterschiedlichen Mobilfunknetze verhalten sich bei nationalem Roaming wie ein Netz für alle. So könnten auf 14 Prozent der Landesfläche (Quelle) sogenannte ‚graue Flecken‘ sofort in vollversorgte Flächen umgewandelt werden. Das käme bundesweit sowohl den Verbraucher:innen als auch der Ressourceneinsparung zugute: Weniger Funklöcher und weniger Antennenneubauten.

  • „Würde der Bundestag für Autos von BMW, Daimler, Toyota und VW je ein extra Straßennetz aufbauen?“, fragt Jörn Gutbier, Vorsitzender von diagnose:funk. „Wohl kaum. Aber beim Mobilfunk haben wir diese Situation, dass alle 4 Mobilfunkanbieter ihr jeweils eigenes Netz parallel betreiben. Jetzt kann der Bundestag dies mit dem TKG-Änderungsgesetz einfach ändern – zum Nutzen für alle Beteiligten. Ein Netz für alle ist tatsächlich von überragendem öffentlichen Interesse. Net-Sharing kann jetzt bundesweit gesetzlich verpflichtend festgelegt werden.“

Mit nationalem Roaming wäre das Problem gelöst, dass eine Fläche größer als Niedersachsen (14 Prozent der Landesfläche) nicht von allen Mobilfunkbetreibern versorgt wird. Denn: Sobald die Verbraucher:innen beim Netzempfang nicht mehr an ihren jeweiligen Anbieter gebunden sind und auch im Netz eines anderen Anbieters telefonieren und surfen können, ist das Problem der Funklöcher ad acta gelegt. Die Verbraucherschutzminister:innen der Länder haben bereits im Sommer 2023 nationales Roaming gefordert. Telekom, Vodafone und O2 setzen es sogar seit Jahren freiwillig an über 2.000 Standorten um, damit sie sich zusätzliche Antennenstandorte und damit Kosten ersparen können. Nationales Roaming ist auf Länderebene politisch gewollt und bei den Betreibern technisch umsetzbar, kann also sofort bundesweit über das TKG-Änderungsgesetz eingeführt werden. Was bei Straßen und den Netzen für Strom, Gas und Internet möglich und logisch sinnvoll ist, muss beim Mobilfunk doch auch möglich sein: Eine gemeinsame Verteilerstruktur für alle Anbieter – ein Netz für alle.

Wenn nationales Roaming eingeführt wird, kann im Gesetzentwurf die Formulierung des „überragenden öffentlichen Interesses“ für den Mobilfunk schlicht entfallen. Grund: Es gibt dann praktisch keine „grauen Flecken“ mehr. Damit gibt es auch keine Notwendigkeit mehr, weitere Mobilfunkantennen aufzubauen, denn die Bundesfläche wäre vollversorgt.

Auch aus Naturschutzgründen darf Mobilfunk nicht weiter ausgebaut werden, denn es besteht der begründete Verdacht, dass Mobilfunkstrahlung von Sendeanlagen zum Insektensterben beiträgt.

diagnose:funk listet in einem Dossier in 7 Politikfeldern 21 Vorschläge auf, wie die neue Bundesregierung verbraucher-, gesundheits- und umweltorientierte Mobilfunkpolitik umsetzen kann: https://www.diagnose-funk.org/2183. Nationales Roaming ist einer dieser Vorschläge

Quelle: Tagesschau-Homepage

Artikel veröffentlicht:
08.09.2025
Autor:
diagnose:funk
Ja, ich möchte etwas spenden!