Die Leopoldina legte im August 2025 die Studie "Soziale Medien und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen" vor, über die alle Leitmedien berichten. Die Leopoldina ist die Nationale Akademie der Wissenschaften Deutschlands und eine der ältesten durchgehend bestehenden Wissenschaftsakademien der Welt (gegründet 1652). Sie berät Politik und Gesellschaft auf wissenschaftlicher Grundlage. Die Kernaussage in ihrer Studie zur Nutzung digitaler Medien ist eindeutig:
- "Wir empfehlen, die Nutzung von Smartphones in Kitas und Schulen bis einschließlich Klasse 10 zu untersagen (S.40)."
Dieses Verbot bis zum 16. Lebensjahr müsse aber von einem Konzept der Erziehung zur Medienkompetenz begleitet werden (Kapitel 4.2.), v.a. auch mit der Vermittlung von Alternativen "z.B. körperliche Aktivität, Spiel, Musik, Kunst, Theater" (S.42). Auf Grund der massiven Schädigung großer Teile der Kinder wird ein "kurzfristiger Handlungsbedarf" (S.45) gesehen. In der Pressemitteilung der Leopoldina heißt es zusammenfassend:
„ Die Autorinnen und Autoren sprechen sich dafür aus,
- dass Kinder unter 13 Jahren keine Social-Media-Accounts einrichten dürfen.
- Für 13- bis 15-jährige Jugendliche sollten soziale Medien nur nach gesetzlich vorgeschriebener elterlicher Zustimmung nutzbar sein.
- Für 13- bis 17-Jährige sollen soziale Netzwerke zudem altersgerecht gestaltet werden – beispielsweise bei den algorithmischen Vorschlägen, durch ein Verbot von personalisierter Werbung oder durch die Unterbindung besonders suchterzeugender Funktionen wie Push-Nachrichten und endloses Scrollen.
- Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen außerdem, die Nutzung von Smartphones in Kitas und Schulen bis einschließlich Klasse 10 nicht zuzulassen.“
Die Leopoldina begründet ihre Verbots- und Einschränkungsvorschläge mit einer Reihe dokumentierter pathologischer, psychischer und psychosozialer Auswirkungen intensiver oder suchtartiger Social-Media- und Smartphone-Nutzung bei Kindern und Jugendlichen, darunter:
- Psychische Störungen: Erhöhtes Risiko für Depressionen, Angststörungen, Stresserleben, Schlafprobleme, Essstörungen und suizidale Gedanken oder Handlungen.
- Suchtverhalten: Entwicklung suchtartiger Nutzungsmuster mit Kontrollverlust, Vernachlässigung anderer Aktivitäten und Entzugserscheinungen.
- Körper- und Selbstbildprobleme: Körperunzufriedenheit, Perfektionismus, negatives Selbstbild – besonders ausgeprägt bei Mädchen.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, verringerte Problemlösefähigkeit, Leseschwächen.
- Soziale Auswirkungen: Zunahme von Cybermobbing, Hasskommentaren und sozialem Rückzug, erschwerte Entwicklung sozialer Kompetenzen.
- Entwicklungsverzögerungen: Negative Einflüsse auf emotionale Regulation, Impulskontrolle und motorische Entwicklung.
Die Akademie betont, dass diese Effekte bei hoher Nutzungsdauer oder suchtartigem Verhalten besonders stark auftreten und teilweise irreversibel sein können.






