129. Deutscher Ärztetag fordert von digitalen Bildschirmmedien freie Schulen

Nur noch pädagogisch geplanter Einsatz soll erlaubt sein!
Die psycho-sozialen Schädigungen durch digitale Medien bei Kindern sind in aller Munde. Weltweit erlassen Regierungen Smartphone-Verbote an Schulen. Nun hat auch der 129. Deutsche Ärztetag in zwei Beschlüssen Stellung bezogen. Eine positive Entwicklung, die wir vor 2 Jahren so nicht erwartet hätten.
Bild:Christian Glawe-Griebel/helliwood.com

 

Forderung nach gewissenhaftem Umgang mit digitalen Bildschirmmedien in Schulen

Auf Antrag von Dr. Rudolf-Heinrich-Uwe Büsching und Dr. Gisbert Voigt (Drucksache Ic – 70) beschließt der 129. Deutsche Ärztetag 2025:

Der 129. Deutsche Ärztetag 2025 fordert das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) auf, Konzepte für eine von digitalen Bildschirmmedien freie Schule, außerhalb einer gewissenhaft geplanten Nutzung im Rahmen des Unterrichts, zu entwickeln. Ziel ist es, den in den vergangenen Jahren bekannt gewordenen physischen und psychischen Schädigungen, die durch Nutzung digitaler Medien entstehen, präventiv entgegenzuwirken. Weiteres Ziel ist es, soziale Interaktionen von Schülerinnen und Schülern und deren Lern- und Konzentrationsfähigkeiten zu verbessern.

Begründung:

Nach den Schulgesetzen der Länder ist es unter anderem Aufgabe der Schulkonferenz, über Maßnahmen der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung, über den Vorschlag zur Nutzung der vom Schulträger bereitgestellten Lehr- und Lernsysteme sowie Arbeits- und Kommunikationsplattformen in digitaler Form und Erlass einer Schulordnung (Pausenordnung) zu entscheiden. Darin enthalten ist der Umgang mit digitalen Bildschirmmedien im Unterricht und in den Pausen.

Jede Schulgemeinschaft kann somit bisher vor Ort entscheiden, ob und wie sie die Nutzung der digitalen Bildschirmmedien regelt. Diese schuleigenen Regelungen resultieren aus einem Informations- und Unterstützungsportfolio, dessen Medienaffinität für viele Entscheider nicht ersichtlich ist. Explizit sollten hier deshalb auch Konzepte für eine – von digitalen Bildschirmmedien – freie Schule aufgenommen und Schulen in diesem Sinne informiert werden.

Die Berichte über negative Folgen der digitalen Welten im Kindes- und Jugendalter mehren sich massiv. Ganz explizit ist hier nicht eine Einschränkung pädagogisch sinnvoller Nutzung digitaler Bildschirmmedien im Unterricht gemeint. Zu einer sinnvollen Nutzung digitaler Bildschirmmedien gehören in Medienpädagogik hochqualifizierte Lehrerinnen und Lehrer. Für hochqualifizierte Medienpädagogik ist die unterrichtsfremde und durch die Lehrkräfte kaum zu kontrollierende private Nutzung von Smartphones, Smartwatches und Ähnliches problematisch.

Studien zum rückläufigen Lernerfolg wurden zu lange mit Corona-Infektionen begründet. Warnungen zu den Effekten der digitalen Bildschirmmedien wurden nicht ernst genommen. Digitale Bildschirmmedien lenken ab, sie beeinträchtigen die Fähigkeit der Schüler, sich auf den Unterricht zu konzentrieren.

Die physischen wie psychischen Krankheiten, vor allem Depression (Ängste), die zunehmende Inzidenz von Angststörungen, die Einsamkeit und die Konzentrationsstörungen bedingen ärztliche Konsultationen. All dies und das riskante Nutzerverhalten bereitet uns Ärztinnen und Ärzten große Sorgen. Ein Verbot von privaten digitalen Bildschirmmedien in Schulen wird dazu beitragen, negative Folgen zu reduzieren. Deshalb muss ein bewussterer Einsatz digitaler Bildschirmmedien mit von der Schule kontrollierten Geräten in der Schule erfolgen.

Zudem halten wir es für dringend notwendig, mehr Geld für die Finanzierung im Rahmen der Früherkennungsuntersuchungen und von Mediensprechstunden an allen Schulformen (nicht nur Brennpunktschulen) einzurichten, um eine zeitgemäße, wertorientierte Medienerziehung bereits ab Geburt bei Eltern und Kindern zu ermöglichen.

Protokoll (PDF), Prävention / Gesundheitsförderung, IC 14, Ic 38: 129. Deutscher Ärztetag – Leipzig, 27.05. – 30.05.2025 (S. 253f)

 

Bild:Christian Glawe-Griebel/helliwood.com

Keine private Nutzung von Smartphones an Schulen

 

Beschluss

Auf Antrag von Dr. Petra Bubel, Thomas Dörrer, Dr. Frank Lautenschläger, Dr. Carola Lüke, Prof. Dr. Hermann-Josef Rothkötter, PD Dr. Christine Schneemilch, Henrik Straub und Prof. Dr. Uwe Ebmeyer (Drucksache Ic – 38) beschließt der 129. Deutsche Ärztetag 2025:

 

 

Der 129. Deutsche Ärztetag 2025 spricht sich für die gesundheitlich und pädagogisch sinnvolle Nutzung von digitalen Medien aus. Die übermäßige Nutzung digitaler Medien birgt erhebliche Gefahren für die Gesundheit und die Lernentwicklung von Kindern und Heranwachsenden. Der 129. Deutsche Ärztetag empfiehlt daher die unterrichtsfremde Nutzung mobiler Endgeräte wie Smartphone, Tablets und Smartwatches an Schulen zu reduzieren, möglichst auf null.

Begründung:

Verschiedene Studien (wie die der OECD) zeigen die negativen Folgen übermäßigen Medienkonsums bei Kindern und Heranwachsenden auf. Gerade die Nutzungsdauer des Smartphones steigt zunehmend mit gravierenden Folgen für die Gesundheit und Entwicklung der Heranwachsenden. Neben dem Rückgang von Lernerfolgen zeigt sich ein Einfluss auf die kognitive, soziale und emotionale Entwicklung. Zudem sind Konzentrationsschwierigkeiten, verminderte Leistungsfähigkeit und zugleich Depressionen und Augenerkrankungen typische negative Folgen.

Die freie Zeit in der Schule sollte daher eine bildschirmfreie Zeit sein, auch um das vermittelte Wissen verarbeiten zu können. Insbesondere die Nutzung von Smartphones führt an vielen Schulen zu einem konfliktiven Klima zwischen Schülern und Lehrern. Ein generelles Untersagen der Nutzung an allen Schulen kann daher sinnvoll sein und sollte von der Politik länderübergreifend geprüft werden. (S. 252)

 

Artikel veröffentlicht:
01.06.2025
Autor:
129. Deutscher Ärztetag
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