52 Tierstudien zu Krebs wurden untersucht. Die Resultate sind eindeutig: Exponierte Versuchstiere erkranken häufiger an Lymphdrüsenkrebs (Lymphomen), Lebertumoren, Lungentumoren, Nebennierenmarktumoren, einer bestimmten Art von Gehirntumoren (Gliome) und malignen Schwannomen im Herzen. Die Evidenz für die letzten zwei Tumorarten wurde als hoch eingestuft, bei den übrigen als moderat. Bei den malignen Herzschwannomen und den Gliomen handelt es sich um dieselben zwei Tumorarten, welche die «Internationale Krebsagentur» (IARC) vor 10 Jahren bei der damaligen Risikobewertung mit begrenzter Evidenz schon beim Menschen identifiziert hatten. Heute halten die Forscher:innen zudem fest, dass sich die Evidenz des Krebsrisikos im Tierversuch im Vergleich zu damals erhöht hat.
Die Beurteilung des renommierten internationalen Forschungsteams unter Co-Leitung von Professorin Meike Mevissen von der Universität Bern ist gewichtig. Denn mehr Krebserkrankungen bei exponierten Labortieren im Vergleich zu nicht/weniger exponierten Tieren sind bedeutend für die Einschätzung des Krebsrisikos beim Menschen.
Die Forscher:innen plädieren für weitere, gezielte Forschung in etablierten Tiermodellen, um zeitnah das Risiko für die Menschen abschätzen zu können. Denn Bevölkerungsuntersuchungen zum Krebsrisiko von neuen Technologien brauchen erfahrungsgemäss Jahrzehnte.
Und in der Zwischenzeit? Aus unserer ärztlichen Sicht besteht Handlungsbedarf. Denn die alltägliche Strahlenbelastung unterwegs, am Arbeitsplatz, zu Hause, in der Schule und in der Freizeit nimmt stetig zu. Deshalb ist Vorsorge angezeigt.
Vorsorgen: Strahlenbelastung ohne Komforteinbusse reduzieren
Vorsorgen heisst vermeiden, was vermeidbar ist. Das ist einfach möglich. Denn 80 Prozent des über Mobilfunk übertragenen-Datenverkehrs werden im Gebäudeinnern konsumiert. Internetnutzung im Gebäude über Mobilfunkanlagen im Aussenbereich aber belastet die Umwelt, die Anwohnerschaft und insbesondere die Nutzer:innen sowie ihr Umfeld unnötig mit erhöhter Strahlung. Denn die Strahlenbelastung durch Mobilfunkanlagen und -Endgeräte wie Smartphones nimmt mit dem Volumen der übertragenen Datenmenge zu. Zudem müssen Mobilfunkanlagen und -Endgeräte unnötig stärker strahlen, um Beton, Backsteine und Fenster der Gebäudehüllen durchdringen zu können.
Das lässt sich ohne Komforteinbusse ändern. Dies, indem wir im Gebäudeinnern das Internet via Kabel nutzen, wo nötig ergänzt mit lokalen Kleinstnetzwerken strahlenminimiert und limitiert auf die Nutzereinheiten. Das reduziert die alltägliche Strahlenbelastung massiv.
Pflicht zur Deklaration und Information über strahlungsarme Nutzung
In der Schweiz gibt es keinen vorsorglichen Gesundheitsschutz vor strahlenden End- und mobilen Netzwerkgeräten. Eine Überwachung, ob diese den Grenzwert einhalten, lehnte der Bundesrat ab. Dabei stellte Frankreich wiederholt fest, dass Smartphones Grenzwerte nicht einhalten.
Die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) fordern, dass strahlende Geräte deklariert und stichprobenweise kontrolliert werden müssen. Zudem sollen die Konsument:innen darüber informiert werden, wie sie Funknetzwerke, Router und Endgeräte strahlenminimiert gebrauchen können.
Innen- und Aussenversorgung trennen
Der Datenkonsum im Gebäudeinnern explodiert. Eine Modernisierung der Infrastruktur ist angesagt. Glasfasertechnologie punktet gegenüber Mobilfunk nicht nur durch fehlende Strahlung sondern auch durch überlegene Kapazität, Effizienz und viel geringeren Energieverbrauch. Die Glasfasererschliessung der Gebäude entlastet die Mobilfunknetze im Aussenbereich massiv und ist auch Voraussetzung für den Betrieb moderner Heimnetzwerke im Innenbereich. Auch Anbieter von online-Diensten betonen, dass der Datentransfer über Glasfaser/WLAN wesentlich effizienter ist. Bei der Erschliessung der Gebäude mit Glasfaser aber liegt die Schweiz nur im hinteren Mittelfeld.
Glasfaser endlich flächendeckend ausbauen
Das muss sich ändern. Die AefU fordern von Bundesrat und Parlament sowie den Entscheidungsträger:innen bei Bund, Kantonen und Gemeinden: Die Datenübertragung via Mobilfunk darf nicht noch weiter durch Bewilligungserleichterungen und noch mehr versteckte Leistungserhöhungen gefördert werden. Stattdessen muss schnellstmöglich jeder Haushalt und jeder Arbeitsplatz ans Glasfasernetz angeschlossen wird. Denn: Mit der neuen Überprüfung durch die WHO haben sich die Hinweise auf erhöhtes Krebsrisiko durch hochfrequente, elektromagnetische Strahlung verstärkt. Deshalb muss alles getan werden, um diese Strahlung vorsorglich zu reduzieren.
