Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD vom 9. April 2025 liest sich im Kapitel 2.3 zur Digitalisierung wie die Erfüllung des Wunschzettels der IT-Wirtschaft und ihrer Lobbyverbände. Aus „digital first“ wird sogar „digital only“. Dabei hatte Bundespräsident Steinmeier schon 2019 gemahnt: „Nicht um die Digitalisierung der Demokratie müssen wir uns zuallererst kümmern, sondern um die Demokratisierung des Digitalen!“ Wir müssen über ethische und soziale Folgen der Technik diskutieren und die Frage beantworten, für was man Computersysteme einsetzen darf – und für was nicht. Nicht das technisch Machbare, das zu Verantwortende muss der Maßstab sein. Daher gilt für den Koalitionsvertrag: Die Hausaufgaben sind noch nicht gemacht.
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Teil I: Der Koalitionsvertrag als Loblied der Digitaltechnik
Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD vom 9. April 2025 liest sich im Kapitel 2.3 zur Digitalisierung wie die Erfüllung des Wunschzettels der IT-Wirtschaft und ihrer Lobbyverbände. „Unsere Digitalpolitik ist ausgerichtet auf Souveränität, Innovation und gesellschaftlichen Fortschritt. Digitalpolitik ist Machtpolitik“ (Zeile 2141). Digitalpolitik ist Wirtschaftspolitik (2145), Digitalpolitik ist Gesellschaftspolitik (2150). Forciert werden soll die Digitale Infrastruktur (2201) und für die Wirtschaft das „Wachstum von Morgen mit Daten und Künstlicher Intelligenz“ (2233). Formuliert wird ein naiver und einseitig positiver Fortschrittsglauben an (Digital)Technik, gepaart mit unreflektiertem und undifferenziertem Technikdeterminismus. Digitalisierung ist die Lösung für alles?
Ausgeblendet wird das Grundprinzip der Digitalisierung: Verdatung beliebiger Prozesse, um sie automatisiert optimieren zu können. „Automatisieren. Digitalisieren. Kontrollieren.“ ist der Dreiklang mit dem Ziel von Kontrolle und Prozessteuerung, wie es Shoshana Zuboff bereits 1988 formulierte (Zuboff 1988). Da diese Doktrin zu asozialen und unmenschlichen Konsequenzen führt, hat sie bereits 2013 in der FAZ gefordert, wir müssten „Sand im Getriebe“ sein, um zunehmend autoritär agierende IT-Monopole aufzuhalten. (Zuboff 2013) Dass das nicht gelungen ist, beschreibt sie in ihrem Buch von 2018: Zeitalter des Überwachungskapitalismus“. User sind nur noch Datenspender, um personalisierte Werbung schalten zu können.





