Kommentar der Woche von Kern & Hauser

April 2025
Die Kommentare der Woche befassen sich mit aktuellen Themen der Mobilfunkpolitik. Sie werden verfasst von Prof. a.D. Helmuth Kern und dem Journalist Bert Hauser. Beide Autoren sind Vorsitzende der Ortsgruppe "InfoMobilFunk Neckartenzlingen und Umgebung" im Mobilfunk Bürgerforum e.V. Die Kommentare werden monatsweise an dieser Stelle in einem Artikel zusammengefasst. Jede mobilfunkkritische Bürgerinitiative kann sich dieser Kommentare von Kern & Hauser frei bedienen, sie selbst weiter veröffentlichen und damit Infoarbeit leisten. Bitte als Quellenangabe diagnose-funk.org/kommentar angeben.
Kern & Hauser, Bild: Ingrid Schaeffer

30.04.2025

Wir informieren: Thema Handy in der Schule – Verbot oder Regeln? (Teil 1)

Kulturministerin Theresa Schopper sorgt sich um den Schutz der Kinder und Jugendlichen und möchte die private Nutzung von Smartphones an Schulen einschränken. Die Schulen sollen gesetzlich verpflichtet werden, sinnvolle und altersangemessene Regeln zu entwickeln, die auch die Kommunikationsbedürfnisse der Eltern berücksichtigen. (Quelle: Handy-Verbot an Schulen: Das klingt immer so einfach; SWR Aktuell 19.3.2025)

An prominenter Stelle auf Seite 2 (Thema des Tages) in der Ausgabe vom 17./18. April wird in der Süddeutschen Zeitung das Für und Wider eines Smartphone-Verbots in der Schule von Lilith Volkert, Journalistin und Redakteurin im Politikressort, ausführlich erörtert. Das Thema ist brisant, denn es gibt etwa 11 Millionen Schülerinnen und Schüler in Deutschland und für diese gehörten digitale Medien zum Alltag. „Fast alle Jugendlichen, die älter als zwölf Jahre sind, besitzen ein eigenes Smartphone“ schreibt sie und beruft sich auf eine Studie der Landesmedienanstalten. Viele Lehrkräfte, Schüler und Eltern hielten allerdings ein generelles Smartphoneverbot an Schulen für den falschen Weg. Denn es sei auch notwendig, Medienkompetenz zu erwerben.

Eltern müssten ebenfalls ihren Kindern einen angemessenen Umgang mit den digitalen Medien vermitteln, je weniger dies geschähe, desto mehr müsste die Schule diese Aufgabe übernehmen. Laut der ICILS-Studie aus dem Jahr 2023 seien Teenager durchschnittlich immer weniger kompetent im Umgang mit Smartphones. Die International Computer and Information Literacy Study ist eine vergleichende Schulleistungsstudie, in der Computer- und informationsbezogene Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern der 8. Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich erhoben werden.

Nach ihr „hätten mehr als 40 Prozent der Achtklässler nur sehr geringe Fähigkeiten im reflektierenden Umgang mit digitalen Medien.“

Am Ende des Artikels wird der Vorteil einer schulbezogenen Regelung deutlich: Wenn die Schulgemeinschaft, also Elternvertreter, Schüler, Lehrer, Schulleitung gemeinsam ein verbindliches Regelwerk entwickeln, ist das schon deswegen sinnvoller als ein Verbot, weil es auf persönlicher Motivation und Einsicht beruht und deswegen eine wichtige lernpsychologische Wirkung hat. Und diese trägt dazu bei, dass am Ende alle an diesem Regelwerk Beteiligten ihre eigene Einstellung zum allgegenwärtigen Smartphone eigenverantwortlich ändern. Das wiederum führt dazu auch im privaten Bereich selbst zu bestimmen, wie viel Smartphone eigentlich sein muss. (Quelle: Lilith Volkert: Handy-Verbot an Schulen; S. 2 in Süddeutsche Zeitung, Donnerstag/Freitag 17./18. April 2025 Nr. 90)

In Teil 2 folgen „Sieben Tipps“ von Experten für Eltern zum Thema Smartphone aus demselben Artikel.

 

Herzliche Einladung: Donnerstag, 15. Mai 2025

Prof. Dr. Edwin Hübner: „Virtualität und Realität
Welche Konsequenzen kann die Vermischung von künstlichen 3D-Welten und realem Leben haben?“

Aula der Auwiesenschule Neckartenzlingen, Beginn 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Spenden sind willkommen.

 

Über den Referenten:

Prof. Dr. habil. Edwin Hübner, Studium der Mathematik sowie der Physik in Frankfurt/Main und in Stuttgart (Dipl. Math.). Von 1985–2015 Lehrer an der Freien Waldorfschule Frankfurt/Main. Daneben wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Medienpädagogik. Von 2017–2022 Aufbau und Leitung des von Tessin-Lehrstuhls für Medienpädagogik an der Freien Hochschule Stuttgart – Seminar für Waldorfpädagogik. Verfasser zahlreicher Publikationen zum Thema Medienpädagogik. Aktuell erscheint am 21. Mai 2025 sein neuestes Buch:

Zwischen künstlicher Intelligenz und virtuellen Räumen. Wie retten wir das Menschsein.
Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart. Gebundene Ausgabe, 400 Seiten, 32 Euro.

Zu seinem Vortrag schreibt Hübner:

"In der sogenannten künstlichen Intelligenz setzt der Mensch seine Denkfähigkeit als Maschine nach außen. Für seine Wahrnehmungsfähigkeit erfindet er neue künstliche Welten. Damit sind bedeutende technische Fortschritte erreicht. Wahrnehmung und Denken sind jedoch Basisfähigkeiten des Menschseins. Welche gefährlichen Nebenwirkungen können die neuen Technologien für das alltägliche Leben des Menschen haben und was kann man tun, um einen gesunden Ausgleich zu schaffen?"


Quelle: InfoMobilFunk Neckartenzlingen

23.04.2025

Wir informieren: Süchtig nach Handy – doch wie kommt man wieder los vom Smartphone?

Selbsthilfe ist der Weg zur Freiheit (Teil 3 und Schluss)

„Sind wir alle süchtig nach dem Smartphone?“ so lautete die Überschrift des Artikels in der Süddeutschen Zeitung vom 29./30. März 2025, über den wir in unserer letzten Ausgabe in Teil 2 informierten. Im dritten Teil stellen wir weitere Bindungsmethoden an das Smartphone dar, welche die Autorinnen Felicitas Kock und Carolin Werthmann beschreiben und welche Möglichkeiten sie sehen, um die Freiheit vom Smartphone wieder zu gewinnen.
 

Weitere Bindungsmethoden:

  • Likes, Textnachrichten, emotionale Fotos oder Videos lösen Hochgefühle aus. Diese würden immer wieder gesucht
  • Endlos scrollbaren sozialen Netzwerken fehlt ein Endpunkt: So starte bei Videoseiten, nach dem Ende des ersten Videos, sofort das nächste, das verleite zum weiteren Verbleib auf der Seite

Wissenschaftlerinnen wie die Psychiaterin Anna Lembke würden deshalb Teile des Internets als Droge begreifen und das Smartphone als „digitale Injektionsnadel“. Einer der Botenstoffe, mit denen das Belohnungssystem von uns Menschen arbeite, sei Dopamin. Werde es ständig freigesetzt, entwickle sich eine Toleranz. Man brauche immer mehr, um in das gewohnte Belohnungshochgefühl zu kommen. Deshalb sähe Lembke Parallelen zu stoffgebundenen Drogen von Alkohol bis Kokain.

  • Sich allein fühlen und/oder die reale Gegenwart als langweilig empfinden

Die ständigen Unterbrechungen durch den Griff nach dem Smartphone wirkten sich nach Christian Montag negativ auf die Konzentrationsfähigkeit aus.
 

Selbsthilfemöglichkeiten:

  • Sämtliche Pushnachrichten abschalten
  • Einen echten Wecker und eine echte Armbanduhr anschaffen
  • Graumodus für den Bildschirm. Denn nach Christian Montag spielten Instagram, Youtube und Tiktok bewusst damit, durch Farben Menschen anzulocken
  • Apps, die zur langen Nutzungszeit verleiten können, nicht installieren (Christian Montag)
  • Handyfreie Zonen in der Familie, z.B. Familienesstisch (Christian Montag)
  • Bewusst geplante handyfreie Zeiten: zu bestimmten Zeiten oder an bestimmten Tagen bewusst auf das Handy verzichten (Anna Lembke)
  • Das Handy nur zweckgebunden nutzen, z.B. für die Arbeit und nicht zur Unterhaltung (Anna Lembke)
     

Weniger Handy – Mehr Zeit für eigene, selbstbestimmte Aktivitäten

Wichtig sei nach Lembke, vom Bild der Selbstbeschränkung wegzukommen und das zu betonen, was man langfristig gewänne, wenn man nicht ständig aufs Handy starre.

„In reichen Ländern haben Menschen heute so viel Freizeit wie nie zuvor, aber statt sie mit philosophischen Debatten, Gartenarbeit oder anderen erfüllenden, bedeutungsvollen Dingen zu verbringen, hängen wir größtenteils passiv in der Online-Welt herum.“ 

(Ende Teil 3 und Schluss)
 

Herzliche Einladung: Donnerstag, 15. Mai 2025

Prof. Dr. Edwin Hübner: „Virtualität und Realität.
Welche Konsequenzen kann die Vermischung von künstlichen 3D-Welten und realem Leben haben?“

Aula der Auwiesenschule Neckartenzlingen, Beginn 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Spenden sind willkommen.


Kern & Hauser, Bild: Ingrid Schaeffer

16.04.2025

Wir informieren: Süchtig nach Handy – doch wie kommt man wieder los vom Smartphone?

Von Kontrollverlust und Bindungskraft (Teil 2)

„Sind wir alles süchtig nach dem Smartphone?“ so lautet die Überschrift des Artikels in der Süddeutschen Zeitung vom 29./30. März 2025, über den wir in unserer letzten Ausgabe in Teil 1 informierten. Im heutigen Teil 2 geht es um Smartphone-Sucht, genauer um Abhängigkeit von diesem Gerät und darum, wie und warum sie erzeugt wird.

Im Katalog der Internationalen Klassifikation der Krankheiten ICD-11 - das meint die 11. Fassung dieser Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation - tauche „Smartphone-Sucht“ nicht auf, schreiben die Autorinnen des Artikels Felicitas Kock und Carolin Werthmann.

Die Gründe dafür seien unterschiedlich. Zum Beispiel müsse die neurobiologische Evidenz für eine Sucht nachgewiesen werden, um in diesen Katalog aufgenommen zu werden. Dazu wird der Psychologe Christian Montag zitiert:

„In der Neurobiologie besteht eine erhebliche Forschungslücke, was die Folgen der Smartphone-Nutzung angeht“, sage der, der sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf das menschliche Verhalten beschäftige und den modernen Menschen als „Homo Digitalis“ interpretiere.

„Die Hardware ist nicht das Suchtmittel“ wird Bert te Wild, Chefarzt der psychosomatischen Klinik Kloster Dießen, zitiert. Christian Montag dazu: „Alkoholiker sind auch nicht flaschenabhängig“. Entscheidend sei demnach auch nicht das Smartphone, sondern manche Apps, die darauf installiert seien. Deshalb sähen te Wildt, Montag und ein Großteil ihrer Kollegen Smartphone-Sucht als eigenständiges Krankheitsbild nicht für sinnvoll an.

Christian Montag schlage deshalb vor, sich für die wissenschaftliche Beschreibung einer „Handysucht“ an den gängigen Suchtkriterien – wie etwa jener der Computerspielsucht zu orientieren. Als süchtig gelte ein Mensch demnach, wenn er die Kontrolle über sein Verlangen verliere, also immer wieder versuche, sein Verhalten zu ändern, es aber nicht schaffe. Die Betroffenen priorisierten dann das Computerspiel vor anderen Interessen und Lebensbereichen. Und trotz negativer Konsequenzen behielten sie das Verhalten bei. Zusätzlich müsse ein gewisser Schweregrad erreicht sein mit Folgen für den Computerspielsüchtigen.

Und die Psychiaterin Anna Lembke von der Universität Stanford sieht das Problem der Smartphone-Sucht so: “Wir haben heute eine sehr starke Bindung zu den Geräten, fast als wären es Lebewesen“. Diese Entwicklung würde sie kritisch sehen, ähnlich wie Montag und te Wildt.

Doch alle drei betonen, dass es wichtig sei, Alltagshandlungen nicht zu pathologisieren.

Im Weiteren zeigen die Autorinnen auf, warum Social-Media-Plattformen eine Bindungsfunktion haben und das Aufhören erschweren. Sie seien durch ein Datengeschäftsmodell bestimmt. Durch das Sammeln der Daten von Nutzern und gezieltes Ausspielen von Werbung verdienten Unternehmen Geld. Je länger die Verweildauer, umso größer sei der Verdienst der Betreiber. So sei es nicht (nur) mangelnde Selbstdisziplin, wenn ein 15-Jähriger mehrere Stunden am Tag Youtube anschaue. Das läge vielmehr daran, dass ein Heer von Datenwissenschaftlern und Entwicklerinnen für Youtube arbeiteten mit dem Ziel, den Algorithmus immer mehr zu verfeinern, um den 15-Jährigen zu binden, ihn sozusagen abhängig zu machen.

(Ende Teil 2)

In Teil 3 geht es um weitere Bindungsmethoden, die wie eine Droge wirken und abhängig machen können.

 

Herzliche Einladung: Donnerstag, 15. Mai 2025

Prof. Dr. Edwin Hübner: „Virtualität und Realität.
Welche Konsequenzen kann die Vermischung von künstlichen 3D-Welten und realem Leben haben?"

Aula der Auwiesenschule Neckartenzlingen, Beginn 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Spenden sind willkommen.

Wir wünschen allen frohe und strahlungsarme Osterfesttage.


Quelle: InfoMobilFunk Neckartenzlingen

09.04.2025

Wir informieren: Süchtig nach Handy – doch wie kommt man wieder los vom Smartphone? (Teil 1)

Das Thema Handysucht bewegt. Denn nun erschien in der Wochen-
endausgabe vom 29./30. März der Süddeutschen Zeitung ein groß-
formatig aufgemachter Artikel: „Sind wir alle süchtig nach dem Smartphone?“ Die beiden Autorinnen Felicitas Kock und Carolin Werthmann machen darin deutlich, warum das Smartphone zum beherrschenden Kommunikationsmittel wird.

Auf das Thema wird bereits auf der Titelseite hingewiesen und von der Redaktion mit einer Doppelseite in der Rubrik Wissen hervorgehoben. Eine Doppelseite, das entspricht einer Fläche, auf der im Durchschnitt 35 Smartphones nebeneinandergelegt Platz fänden. 

In der Mitte des Artikels: eine seitenfüllende Zeichnung von Lina Moreno: Eine Bewegungsabfolge aus 14 Bildern, die zeigt, wie eine Hand ein Smartphone ergreift. Drei sehr aufschlussreiche Balkendiagramme sind in die sechs Textspalten eingefügt: 

  • „Durchschnittliche Bildschirmzeit der Deutschen“, 2025 und 2023, getrennt nach Altersgruppen.
  • „Anzahl der Smartphone-Nutzer in Deutschland“ (2009 bis 2025)
  • „Eigene Einschätzung der Smartphonenutzung“ 2017 und 2024 
  • Die Daten zur durchschnittlichen Bildschirmzeit basieren auf einer repräsentativen Studie, für die 1004 Menschen ab 16 Jahren telefonisch befragt wurden. In den letzten zwei Jahren stieg die tägliche Bildschirmzeit der 16- bis 29-Jährigen von 177 auf 212 Minuten – ein Zuwachs von 35 Minuten. Täglich etwa 3 Stunden und 30 Minuten Bildschirmzeit entsprechen ungefähr einem Siebtel eines Tages. Das ist die stärkste Zunahme innerhalb aller Altersgruppen. Bei den Befragten ab 65 Jahren waren es 2023 täglich 80 Minuten, 2025 sind es 103 Minuten, eine Zunahme von 23 Minuten täglich. Geringfügig um ca. 5 1/2 Minuten im Schnitt erhöht hat sich die Bildschirmzeit in der Gruppe der 30- bis 64-Jährigen. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es heute 158 Minuten, bei den 50- bis 64-jährige 148 Minuten tägliche Bildschirmzeit.
  • Lag die Zahl der Smartphone-Nutzer im Jahr 2009 bei ca. 5 Millionen von 81,8 Millionen Einwohnern, so sind es jetzt 70 Millionen Nutzer in Deutschland bei einer Einwohnerzahl von 84,2 Millionen Anfang des Jahres 2024. Bis 2014 war der Anstieg der Zunahme steil, seit 2022 hat er sich sehr verlangsamt. 
  • Bei der eigenen Einschätzung der Smartphonenutzung zeigt sich, dass der Eindruck, das Smartphone definitiv zu viel zu nutzen, sich deutlich verstärkt hat. 6 % waren es 2017, im Jahr 2024 nun 22 %. (Quelle Süddeutsche Zeitung, Nr. 74, Samstag/Sonntag, 29./30.März 2025; S.32/33)

(Ende Teil 1) Der zweite Teil zeigt, warum es schwerfällt, die Kontrolle über die Handynutzung zu behalten und beleuchtet die Folgen für Nutzer.

 

Herzliche Einladung: Donnerstag, 15. Mai 2025

Prof. Dr. Edwin Hübner: „Virtualität und Realität. Welche Konsequenzen kann die Vermischung von künstlichen 3D-Welten und realem Leben haben?"

Aula der Auwiesenschule Neckartenzlingen, Beginn 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Spenden sind willkommen. 


Kern & Hauser, Bild: Ingrid Schaeffer

02.04.2025

Wir informieren: Digitalisierung und die Folgen für ein verändertes Menschenbild

Von Armin Käfer, seit 2016 Titelautor der Stuttgarter Zeitung, erschien in der Wochenendausgabe 22./23. März 2025 ein spannender Artikel zu den epochalen Veränderungen unserer Welt unter dem Titel: „Die Wucht des Wandels“.

Durch Entwicklungsschübe habe sich die Welt verändert, Zeitenwenden seien dies gewesen, in denen sich auch die Menschenbilder veränderten. Diese Übergangszeiten seien immer kürzer geworden und die Auswirkungen auf das Individuum sowie die Gesellschaft umfassender. Nach Käfers Ansicht sind wir aktuell wieder in einem Epochenbruch, nur würde der sich jetzt in schwindelerregendem Tempo vollziehen: besorgniserregende Klimaveränderung, demografische und kulturgeschichtliche Umbrüche, Wiederkehr des Imperialismus.

Und: Die Digitalisierung habe unumkehrbare technische Umwälzungen mit sich gebracht. In seinem Artikel heißt es dazu: „‘Die Digitalisierung aller Lebensbereiche ist mit einer Wucht und Geschwindigkeit über die Menschheit hereingebrochen wie keine andere Erfindung zuvor‘, schreibt die Publizistin Eva Menasse. Digitaler Technik und deren Folgen misst sie die ‚Eigenschaften einer Naturgewalt‘ zu. Sie verändere ‚sich und uns immer weiter, beständig nur in ihrem lawinenhaften Charakter‘. Es handle sich hierbei um ‚die einzige und wahre Zeitenwende‘“.

Um dies zu belegen, führt Käfer aus, wie rasant sich die Leistungsfähigkeit der Computer und der Zugang zum Internet seit Beginn des 21. Jahrhunderts verändert habe. Hätten vor 25 Jahren nur jeder Vierte in Deutschland Zugang zum Internet gehabt, so seien mittlerweile ziemlich alle online. Ende 2000 hätten 57 Prozent der Jugendlichen zumindest gelegentlich das Internet genutzt, heute verbrächten Jugendliche knapp dreieinhalb Stunden täglich online. Aus dem Straßenbild sei das Smartphone nicht mehr wegzudenken.

Die Digitalisierung sei der Fetisch unserer Zeit, habe der Philosoph und Publizist Alexander Grau im „Spiegel“ geschrieben. „Viele Nutzer digitaler Technologie könnten kaum noch unterscheiden, welche Art von Medienkonsum ihren eigenen Interessen entspricht, was wirkliche Freunde sind, welche Einkäufe auf persönlichen Wünschen beruhen – oder welche ihnen die Algorithmen der Internet-
konzerne unterjubeln. Graus Bilanz: ‚Die Abhängigkeit von Software, Apps, Netzwerken und Onlinediensten nimmt immer umfassendere Formen an.“‘

Ein Leben ohne Smartphone und Internet sei im digitalen Zeitalter für viele kaum mehr vorstellbar. Digital würden wir konsumieren, uns unterhalten, arbeiten und zunehmend auch die Partnersuche betreiben.

Dann zieht Käfer ein Fazit, das deutlich macht, dass sich mit der Digitalisierung nicht nur das Menschenbild, sondern in der Folge auch der Mensch selbst sich verändert. Denn der Homo digitalis fühle sich autonom und frei dank gegenwärtiger Zugriffsmöglichkeiten auf umfassende Informationen und zahlreicher Kommunikationsmöglichkeiten. Er nähme nicht wahr, dass er doch vielleicht viel unfreier, beobachteter und manipulierter sei denn je. Viele Menschen würden sich verhalten wie Gefangene einer Technik „die ihnen ungeahnte Möglichkeiten vorgaukelt, zugleich aber den Blick vernebelt für die Unterschiede zwischen Social Media und sozialem Verhalten, Freunden und ‚Freunden‘, lieben und liken.“

Frühere technische Innovationen seien äußerlich geblieben, doch nun drohe, nach Grau, dass die Digitalisierung uns als Person selbst verändere. Und welchen Beitrag dabei die KI leisten würde, ließe sich allenfalls erahnen.

Ein düsteres Bild von der Freiheit des Menschen zeigt der Autor am Schluss seines Artikels auf:

„Wir trudeln durch einen Wirbel von Veränderungen, die nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch unsere Kommunikation, den Umgang miteinander, die Selbstwahrnehmung revolutionieren – und bereits revolutioniert haben. Die Historiker künftiger Generationen werden dafür neue Begriffe finden müssen. Womöglich überlassen sie dies aber auch schlichtweg der KI.“

Quelle: Stuttgarter Zeitung 22./23. März 2025

 

Herzliche Einladung: Donnerstag, 15. Mai 2025

Prof. em Dr. Edwin Hübner: „Virtualität und Realität. Welche Konsequenzen kann die Vermischung von künstlichen 3D-Welten und realem Leben haben?“

Aula der Auwiesenschule Neckartenzlingen, Beginn 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Spenden sind willkommen.


Wir freuen uns über neue Mitglieder im InfoMobilFunk Neckartenzlingen und Umgebung, Ortsgruppe im Mobilfunk Bürgerforum e. V. www.mobilfunk-buergerforum.de

Die Vorsitzenden: Prof. a. D. Helmuth Kern, Bert Hauser (Telefon: 07127/35655 bzw. 07127/35949)

 

Alle Kommentare finden Sie hier: diagnose-funk.org/kommentar

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