Ein Motivationsschub in schwierigen Zeiten

8. diagnose:funk-Mitgliederversammlung
diagnose:funk wurde vor 16 Jahren gegründet. Auf der 8. Mitgliederversammlung wurde einstimmig ein neuer Vorstand gewählt und ausführlich über die bisherige und zukünftige Arbeit diskutiert.
Bild: diagnose:funk

Der neue Vorstand vlnr: Prof. Helmuth Kern, Michael Presser, Klaus Böckner, Peter Hensinger, Jörn Gutbier, Dr. Klaus Scheler

Am 29.03.2025 fand in Stuttgart die 8. Mitgliederversammlung statt. Jörn Gutbier, der Vorsitzende von diagnose:funk, konnte über 50 Mitglieder begrüßen. Der Vorstand legte einen 16-seitigen Tätigkeitsbericht, einen 3-seitigen Transparenzbericht und einen detaillierten Finanzbericht vor und wurde einstimmig entlastet. Als neue Vorstände wurden einstimmig gewählt: Jörn Gutbier (1. Vorsitzender), Peter Hensinger (2. Vorsitzender), Klaus Böckner (Kassier, Buchhaltung, Versand), Helmuth Kern (Webinare, Kommentar der Woche), Klaus Scheler (Wissenschaft, Publikationen) und Michael Presser. Damit wurde der bisherige Vorstand im Amt bestätigt. Michael Presser von der Bürgerinitiative Salem bereichert den Vorstand.

Der Mitgliederversammlung ging am Vormittag eine Diskussion über die vergangene Arbeit und die Planungen für die nächsten Jahre voraus, zu der 3 Impulsvorträge gehalten wurden. Peter Hensinger gab einen Rückblick über die Arbeit von diagnose:funk, Matthias von Herrmann ging anhand des Technikfolgen-Berichts des Bundestages zu Mobilfunkstrahlung auf unsere politischen Ziele ein, und Renate Haidlauf stellte die Arbeit zur Elektrohypersensibilität vor. Peter Hensinger schilderte zu Anfang das Feld, auf dem wir uns mit unserer Auseinandersetzung befinden:

  • „Die Mobilfunk-Technologie und das Internet sind zum Rückgrat aller Wirtschaftsprozesse, des Militärs, der Politik und aller Lebensbereiche geworden! Dafür soll der Netzausbau jetzt zum „übergeordneten öffentlichen Interesse“ per Gesetz werden. Deshalb fordert die Bundesnetzagentur den lückenlosen Ausbau und verzichtet sogar auf Lizenzgebühren. Hunderte Lobbyisten der IT-Industrie beackern die Bundesregierung und Abgeordneten in Berlin. Und das Besondere: Während ich diesen Satz vorlese, sind 66% der Weltbevölkerung online. Viel weniger Menschen nutzen ein Auto. Wir haben es also mit einem der größten Industriezweige zu tun. Und die Bevölkerung liebt die Produkte dieser Industrie – ja, sie ist sogar süchtig danach. Daher tun sich viele mit der Akzeptanz von Risiken schwer, nicht nur den gesundheitlichen durch die Strahlung, auch denen für das Klima und die Umwelt.“

In der Diskussion waren sich Mitglieder und Vorstand einig: diagnose:funk hat sich als Verband gefestigt. Die Arbeit der Bürgerinitiativen wurde zwar durch die Corona-Zeit enorm behindert, viele Menschen in den BIs wurden nach dem Lockdown nicht wieder aktiv. Trotzdem gelang es uns, diagnose:funk zu stabilisieren, unsere Arbeit zu professionalisieren und weiterzuentwickeln.

Bild:diagnose:funk

Regelmäßige Publikationen: Mitgliedermagazin kompakt, ÜBERBLICK für den Durchblick, ElektrosmogReport, Brennpunkte

Das wichtigste Merkmal unserer Tätigkeit ist die Kontinuität auf allen Ebenen, die Festigung des Teams und die stetige Grundlagenarbeit, zu Strahlungsrisiken, zur "Digitalen Bildung" und zu Umweltfragen. Kontinuierlich wurde gearbeitet an der Studienrecherche und Herausgabe des ElektrosmogReports (42 Studienbesprechungen pro Jahr, jetzt auch auf Englisch), 710 Studien enthält unsere Datenbank EMF:data, 139 Studien unsere Review-Sammlung. Außerdem erschienen der regelmäßige 14-tägige Newsletter und spezielle Ausgaben für Mediziner, Wissenschaftler, Abgeordnete und Naturschutzverbände, anlassbezogene Pressemitteilungen, vierteljährlich die Herausgabe des Magazins kompakt, die neue Reihe ÜBERBLICK für den Durchblick sowie der Flyer zur Elektrohypersensibilität. Auf der Homepage wurden durchschnittlich pro Jahr 120 gut recherchierte Artikel publiziert, täglich wird unsere Presseschau aktualisiert. Regelmäßig setzen wir uns mit den Verfälschungen der Studienlage auseinander. Der wohl größte Erfolg ist der Fortschritt in der Beratung von Menschen mit Elektrohypersensibilität, insbesondere das Ärztenetzwerk mit nun 81 Ärztinnen und Ärzten. Renate Haidlauf stellte die weiteren Planungen in unserem Projekt Elektrohypersensibilität vor. Aktuell erschien nach 2000 verkauften Exemplaren die erweiterte Auflage ihres Buches "Die unerlaubte Krankheit".

Der Transparenzbericht erschien jährlich, wir sind im Lobbyregister des Bundestages und in der Initiative Transparente Zivilgesellschaft gelistet. Vom Umweltbundesamt wurde uns das Umweltklagerecht zuerkannt.

Zu den Höhepunkten unserer Tätigkeiten zählen die professionell umgesetzte Insektenkampagne mit einer eigenen zweisprachigen Homepage (Deutsch und Englisch) über die von uns initiierte BEEFI-Insektenstudie und das begleitende Video, der Aufbau eines Ärztenetzwerks und eines Beratungssystems für Menschen mit Elektrohypersensibilität sowie der immer fundiertere Nachweis der Schädigung von Kindern (unter anderem durch das Video mit Prof. G. Teuchert-Noodt, Fachartikel von Hensinger/Teuchert-Noodt, das Interview mit Dr. Keren Grafen, im Mai 2025 erscheint die überarbeitete Auflage des Buches "Gesund aufwachsen in der digitalen Medienwelt", das in 20 Sprachen erschien). Diese umfangreiche Arbeit wurde von den Teilnehmenden immer wieder gelobt.

Politische Arbeit braucht einen langen Atem

Auf Grundlage unserer Öffentlichkeitsarbeit konnten wir insbesondere in wissenschaftlichen und fachlichen Kreisen, v.a. bei Medizinern und in internationalen Fachkreisen, eine immer bessere Akzeptanz erreichen. Dies gelingt bislang noch nicht bei den Vorständen der Naturschutzverbände DUH, BUND und NABU. Auch die Hintergrundgespräche mit Politikern, die wir gut vorbereitet führten, brachten noch keine substanziellen Fortschritte. Dennoch konnten wir einige Bundestagsanfragen initiieren, Kontakte aufbauen und uns im Gespräch halten. Matthias von Herrmann stellte auf der Mitgliederversammlung wichtige Aussagen im Technikfolgenbericht des Bundestages dar und zeigte, warum und wie sie sich eignen, mit Politikern über Handlungsoptionen für eine fortschrittliche Mobilfunkpolitik zu sprechen.

Wir diskutierten darüber, was wir an Veränderungen erwarten können angesichts der zentralen Rolle, die die Digitalisierung in allen Gesellschaftsbereichen spielt und dem Narrativ, Digitalisierung sei der Motor des Wirtschaftswachstums und damit des Fortschritts, zu dem es angeblich keine Alternative gebe. Ausgeblendet wird immer noch das zerstörerische Potential für Umwelt, Menschen und Tiere – trotz des warnenden Berichts des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Und dazu kommt, dass große Teile der Bevölkerung vom Smartphone abhängig oder sogar schon süchtig sind. Profitgier und Sucht machen bekanntlich immun gegenüber Fakten.

Wie schnell Narrative jedoch kippen können, zeigt die breite Diskussion über die Notwendigkeit von smartphonefreien Schulen, die so vor 2 Jahren noch nicht vorstellbar war. An dieser Diskussion waren und sind wir bundesweit maßgeblich beteiligt, u.a. ging die erste Übersetzung und Propagierung der Karolinska-Studie und ihre Verbreitung auf uns zurück. Deshalb bleiben wir am Ball mit dem Ziel, dass auch die gesundheitsschädliche Wirkung der Mobilfunkstrahlung und unsere Alternativen Teil der öffentlichen Diskussion werden und zu politischen Veränderungen führen. Dafür, da waren sich alle Teilnehmenden einig, sollte die Arbeit ausgeweitet werden. Das Team von diagnose:funk sollte dafür durch neue, hauptamtliche Mitarbeitende verstärkt werden. Dazu ist aber die Voraussetzung, dass diagnose:funk über mehr Geldmittel verfügt. Wir brauchen also mehr Mitglieder und v.a. mehr Spenden. Auf dieser Basis könnte der neue Vorstand viele der neuen Ideen, die auf der Mitgliederversammlung eingebracht wurden, umsetzen. Die Mitgliederversammlung war dafür ein Motivationsschub für alle Teilnehmenden.

Artikel veröffentlicht:
02.04.2025
Autor:
diagnose:funk
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