Vernetzungstreffen Region Bodensee / Oberschwaben

Alte und neue Bürgerinitiativen im Erfahrungsaustausch
Am 1.3.2025 hatten das Mobilfunk Regionalforum Bodensee und diagnose:funk zu einem Vernetzungstreffen nach Ravensburg eingeladen. 35 Vertreterinnen und Vertreter von 12 Bürgerinitiativen (BIs) und Mitglieder von diagnose:funk kamen, von Biberach bis Konstanz, von Wangen bis Stockach. Das dokumentiert: in der Region gibt es einen aktiven, kritischen Widerstand gegen den bedenkenlosen Ausbau der Mobilfunkinfrastruktur. Durch die Coronazeit bedingt haben die Aktivitäten der BIs zwar einen starken Einbruch erlebt, aber nun nehmen die Aktivitäten wieder zu. In den letzten Monaten sind sogar neue Bürgerinitiativen entstanden.
Bodensee-Treffen, Bild:diagnose:funk

Beim Regionaltreffen stand ein Thema im Mittelpunkt: Wie gehen wir erfolgreich gegen willkürliche Standortentscheidungen zu Mobilfunkmasten vor, die ohne jegliche Berücksichtigung von Gesundheitsgefährdungen beantragt und oft auch über die Köpfe der Anwohner hinweg von den Gemeinden beschlossen werden. Wie schaffen wir es, dass Kommunen den Vorteil von Mobilfunkvorsorgekonzepten erkennen und solche dann auch beschließen, wie es in Salem gelungen ist?

Mit Handlungsoptionen Politiker gewinnen

Michael Presser (BI Salem) berichtete über die Erfahrungen der BI Unteruhldingen, die mit 4 Vertreter:innen anwesend war. Der Bürgermeister hatte dort dem Standort einfach zugestimmt in der Meinung, die Mobilfunkbetreiber hätten das Recht, zu bauen, wo und wie sie wollen. Auf Grund des Protestes gab es eine Einwohnerversammlung mit 150 Besucherinnen und Besuchern, bei der auch die Telekom und das Bundesamt für Strahlenschutz anwesend waren. Die gut vorbereitete Bürgerinitiative konnte deren Verharmlosungsargumente ruhig und sachlich widerlegen, so dass der Telekom-Vertreter am Schluss meinte, mit einer Drohung könnte er beeindrucken: „Dann bauen wir halt nicht!“ Zu seiner Verwunderung gab es dafür großen Beifall.

Impulsvorträge: Mit guten Argumenten überzeugen

An diesem Beispiel wurde diskutiert: Welche Rechte haben die Kommunen, welche Rechte haben die Bürger? Wie kann man eine sachliche Auseinandersetzung führen, vor allem mit den meistens uniformierten Gemeinderäten und der Stadtverwaltung. Als Grundlage dafür hielt Peter Hensinger zwei Impulsreferate (s. Downloads) über die Rechte der Kommune und über den Stand der Forschung zu den Gesundheitsrisiken. Dies wurde dann in Arbeitsgruppen diskutiert, auch die Frage, wie die BIs Politikerinnen und Politiker von ihren Anliegen überzeugen, wie sie Öffentlichkeitsarbeit gegenüber der Bevölkerung und der Presse machen können.

Die Anwesenden von Elektrohypersensibilität (EHS)-Betroffenen setzten sich mit der EHS-Projektleiterin Renate Haidlauf von diagnose:funk zu einem Erfahrungsaustausch zusammen. Die Ergebnisse der AGs mit vielen Anregungen wurden dem Plenum vorgestellt.

Zum Abschluss stellte Matthias von Herrmann, Campaigner von diagnose:funk, die Forderungen an die neue Bundesregierung und die Bundestagsabgeordneten vor (s.Downloads). Im kompakt 1-2025 sind diese Forderungen unter dem Titel „Wie kann die neue Bundesregierung unsere mobile Kommunikation gesünder gestalten?“ ausführlich dargestellt. An den Forderungen wird klar: Wir sind nicht Verweigerer des Mobilfunks und der Digitalisierung. Im Gegenteil: Wir bieten den Verwaltungen und der Politik positive, technisch fortschrittliche Handlungsoptionen zur Strahlungsminimierung, z.B. mit Glasfaser und Roaming, mit LiFi als alternative Technologien für die Versorgung in Gebäuden. Im Außenbereich setzen wir uns für Kleinzellennetze ein, die nicht durch Gebäude hindurchstrahlen müssen.

Zwischen den Vorträgen gab es viel Zeit für persönliche Gespräche. Das einhellige Fazit der Teilnehmenden: Wir nehmen viele Anregungen mit, das Treffen war ein guter Auftakt für eine enge Vernetzung in der Region Bodensee / Oberschwaben. Ein großer Dank geht an Wolfgang Blüher (Mobilfunk Regionalforum Bodensee) für die routinierte Moderation und an Sandra Anspach und Michael Presser von der Bürgerinitiative Salem für die perfekte Organisation.

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