Kommentar der Woche von Kern & Hauser

Januar 2025
Kommentar der Woche, verfasst von Prof. a. D. Helmuth Kern und dem Journalisten Bert Hauser, ehem. Leiter der Redaktion Landespolitik des Süddeutschen Rundfunks. Sie verfassen diese Kommentare schon seit 20 Jahren für das örtliche Amtsblatt. Jede Bürgerinitiative kann sich dieser Kommentare von Kern & Hauser frei bedienen.
Kern & Hauser, Bild: Ingrid Schaeffer

08.01.2025

Wir informieren: Smartphone und Energieverbrauch – das Smartphone weniger nutzen, lohnt sich 

Mit guten Vorsätzen starten viele in das neue Jahr, nehmen sich vor, dort etwas zu ändern, wo deutlich geworden ist, dass es nicht gut für einen selbst oder auch schädlich für das Klima ist. Zu solch guten Vorsätzen könnte auch gehören, sich vorzunehmen, den Smartphonegebrauch etwas zu reduzieren. Das tut nicht nur der eigenen Gesundheit gut, sondern auch denjenigen, die an der Krankheit Elektrohypersensibilität (EHS) leiden. Denn in einer vom Smartphone beherrschten Gesellschaft können sie nicht leben und werden aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Zudem nützt die Reduzierung des persönlichen Smartphonekonsums auch dem Klima.

„Smartphone an Heiligabend oft aktiv“ war in einer kurzen dpa-Meldung (Berlin) am 21.12.2024 in einer Regionalzeitung zu lesen. Für viele Menschen gehöre das Smartphone am Heiligabend zum Fest. Nur ein Fünftel der Nutzer schalte das Gerät an diesem Abend stumm. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Digitalverbandes Bitkom. Etwa 46 Prozent legten das Smartphone teilweise zur Seite, z. B. beim Essen. 69 Prozent wollten durch das Smartphone mit Familie oder Freunden in Kontakt bleiben. 40 Prozent fühle sich gestört, wenn das Smartphone zu viel Aufmerksamkeit beanspruche. In der Altersgruppe ab 65 Jahren seien das 57 Prozent. (Quelle: Nürtinger Zeitung, 21.12.2024 S. 27, Rubrik Wissen)

„Handy-Daddeln als Klimakiller“ überschrieb wenige Tage später der Kolumnist Matthias Brendel in der Südwestpresse Metzingen seinen Beitrag zu Klimazusammenhängen, über die niemand reden mag, und zeigte auf, dass das „smarte Ding“ eben doch ein Klimakiller sei. Wer dazu online bei Fridays for Future oder Letzter Generation suche, würde keine aktuellen Informationen finden.

Der Stromverbrauch eines Handys mit 4-5 Kilowattstunden pro Jahr sei zwar extrem gering, denn das Gerät sei im Grunde nichts anderes als ein berührungsempfindlicher Bildschirm mit eingebauter Kamera. Doch die Klimakiller seien die Apps. Denn sobald ein Handynutzer auf eine App klicke, ging irgendwo auf der Welt in einem Datencenter ein Prozessor in Betrieb und führe Befehle aus. Die Internationale Energieagentur habe den Stromverbrauch durch Datencenter im Jahr 2022 auf 460 Terawattstunden (TWh) berechnet. Für 2026 könnte der Verbrauch um bis zu 990 TWh auf 1050 TWh steigen.

Der Jahrestromkonsum habe in Deutschland 2023 467 TWh betragen.

Wer nun meint, mit erneuerbarer Energie hier Abhilfe schaffen zu können, der irrt. Denn Brendel weist darauf hin, dass Strom aus Wind und Sonne für Datencenter deswegen nicht geeignet sei, da hier hundertprozentige Versorgungsgarantie notwendig ist. Stromausfall könnte die Anlagen gefährden. Strom aus Atomenergie würde deswegen wieder wichtig.

Brendel schließt seine Kolumne mit einem kritischen Ausblick: „Um seine Expansion in Datencentern abzusichern, hat Microsoft für die nächsten zwanzig Jahre sogar Strom aus Harrisburg gekauft. ‚Three Mile Island‘ war mal Schauplatz des gefährlichsten Beinahe-Unfalls eines Atomreaktors in den USA. Dass viele Smartphone-Nutzer einen stillgelegten Meiler wieder in Gang setzen, liest sich nicht gut, oder?“ (Quelle: Südwestpresse Metzingen, Samstag 28.12.2024, S.19)

So gesehen wäre es wirklich ein guter Vorsatz: Weniger Smartphone für mehr Klimaschutz.

Und was mit dem Smartphone sonst noch zusammenhängt, davon handelt unsere erste Informationsveranstaltung in diesem Jahr:  

Am Donnerstag, 30. Januar 2025, findet der nachgeholte Vortrag von Prof. Dr. Christian Montag, Universität Ulm, zum Thema "Wie sozial sind soziale Medien?" statt.  Beginn 20 Uhr, Aula Auwiesenschule Neckartenzlingen, Auwiesenstraße 1. Herzliche Einladung. Der Eintritt ist frei, Spenden sind sehr willkommen.


Quelle: InfoMobilFunk Neckartenzlingen

15.01.2025

Wir informieren: Analoge Kindheit ist für Heranwachsende wichtig

„Ich wünsche mir eine möglichst analoge Kindheit für Heranwachsende“ ist die Überschrift im Newsletter der AOK (Allgemeine Ortskrankenkasse) vom 17.12.2024. Verfasserin des Beitrags ist Tina Stähler. Das Zitat ist aus einem Interview mit dem Psychologen Christian Montag.

In ihrer kurzen Einleitung weist Stähler darauf hin, dass Kinder immer früher mit dem Smartphone auf Instagram, TikTok und Co. unterwegs seien. Die übermäßige Nutzung sozialer Medien könne das kindliche Gehirn überfordern und krank machen. Ob ein Verbot von Online-Plattformen für unter 16-Jährige nach australischem Vorbild sinnvoll sei, sei umstritten.

Im Interview stellt Tina Stähler u. a. folgende Fragen:

Was ist an der Nutzung von Social Media anders als am „normalen Surfen“?

Das käme ein wenig auf die Art und Weise der Nutzung an, sagt Montag. Würde Social Media passiv genutzt, im Sinne von „Ich lasse mich auf Plattformen berieseln“, könne das zu einem sozialen Aufwärtsvergleich führen. Geschönte Lebenswelten könnten neidisch und unzufrieden machen. Das beträfe Jugendliche und Erwachsene. Die sozialen Medien nutzen „soziales“ Feedback. „Das heißt: „Likes“ sind heutzutage eine Währung für Jugendliche, um sich in ihrer eigenen sozialen Gruppe, ihrer Peer-Group, zu verorten“.

Warum sind junge Menschen als Nutzerinnen und Nutzer von Social Media besonders anfällig, suchtähnliche Nutzungsmuster zu entwickeln?

Eine gängige Hypothese laute, dass der präfrontale Kortex noch „reifen“ müsse, bevor Menschen gute Selbstregulationsfähigkeiten aufweisen könnten, sagt Montag. Er meine damit, dass Kinder und Jugendliche emotionalere Wesen als Erwachsene seien. Auch könnten sie sich schlechter selbst regulieren und reagierten deshalb stärker auf Versuchungen, d. h. die Apps auf dem Smartphone.

In welchem Alter sollten Kinder frühestens ein Smartphone bekommen?

Montag plädiert dafür, dass Kinder im Grundschulalter noch kein eigenes Smartphone haben. Die sozialen Medien seien aktuell sowieso erst ab 13 Jahren erlaubt und sollten auch nicht früher genutzt werden. Ob ein Alter von 13 Jahren ein zu junges Alter darstellt, müsste die Forschung noch beantworten. Kinder und Jugendliche entwickelten sich unterschiedlich schnell. Er sagt: „Ich wünsche mir eine möglichst analoge Kindheit für die Heranwachsenden, in der Entwicklungsaufgaben erfolgreich gemeistert werden können. Dazu gehören ausreichend Lern- und Spielzeit – und die Spielzeit auch gerne draußen im Grünen.“

Welche Handlungsempfehlungen geben Sie Eltern, aber auch Ärzten, Forschern und der Politik mit an die Hand?

Für Montag ist klar, dass Kinder von den sozialen Medien ferngehalten werden. „Bevor der erste Account im Jugendalter eingerichtet wird, legen am besten die Erziehungsberechtigten auf der gewünschten Plattform ein Konto an …. Gut ist auch, auf eine strukturierte Nutzung zu achten. Das heißt: Muss Social Media unbedingt auf dem Smartphone laufen und damit überall verfügbar sein, oder reicht die Nutzung über den Laptop aus?" Wenn Jugendliche von Negativerlebnissen auf Plattformen berichteten, sollten die Eltern offen und hellhörig sein. Auch müsste das Datengeschäftsmodell überdacht werden, dem es darum ginge, die Onlinezeiten zu verlängern. Das sei kontraproduktiv für kürzere und damit auch gesündere Onlinezeiten bei Heranwachsenden. (Quelle: https://www.aok.de/pp/gg/praevention/social-media-nutzung-kinder/)

Mehr dazu wird in unserer ersten Informationsveranstaltung in diesem Jahr live zu hören sein:

Am Donnerstag, 30. Januar 2025, findet der nachgeholte Vortrag von Prof. Dr. Christian Montag, Universität Ulm, zum Thema "Wie sozial sind soziale Medien?" statt. 
Beginn 20 Uhr, Aula Auwiesenschule Neckartenzlingen, Auwiesenstraße 1. Herzliche Einladung. Der Eintritt ist frei, Spenden sind sehr willkommen.


Kern & Hauser, Bild: Ingrid Schaeffer

22.01.2025

Wir informieren: Soziale Medien werden zunehmend kritisch gesehen

Die renommierte überregionale österreichische Tageszeitung „Die Presse“ berichtete am 25.09.2024, dass die Nutzung von Social-Media durch Jugendliche zunehmend problematischer wird. Sie beruft sich dabei auf die Ergebnisse einer umfassenden Gesundheitsstudie der WHO von 2022, bei der fast 280.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 11, 13 und 15 Jahren aus 44 Ländern und Regionen in Europa, Zentralasien und Kanada befragt worden waren. Demnach hat die Zahl der Jugendlichen in Europa zugenommen, die Schwierigkeiten haben, ihre Smartphones beiseitezulegen. Die neuen Daten des WHO-Regionalbüros Europa zeigten, dass mehr als jeder zehnte Jugendliche Anzeichen eines problematischen Social-Media-Verhaltens aufweise.  Mädchen seien mit 13 Prozent häufiger betroffen als Jungen mit 9 Prozent. 36 Prozent seien ständig online mit Freunden in Kontakt.

„Insgesamt ist die als problematisch eingestufte Social-Media-Nutzung unter Teenagern von 7 Prozent der Jugendlichen im Jahr 2018 auf 11 Prozent im Jahr 2022 gestiegen, schreibt „Die Presse.“ Das ist ein Anstieg von fast 60 Prozent in nur zwei Jahren.

„Es ist klar, dass soziale Medien sowohl positive als auch negative Folgen für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Jugendlichen haben können“, wird der WHO-Regionaldirektor Hans Kluge zitiert. Die Vermittlung von digitaler Kompetenz sei daher sehr wichtig. Die WHO fordere sofortige und nachhaltige Maßnahmen, um die potenziell schädliche Social-Media-Nutzung in den Griff zu bekommen. Kluge warnt, dass sonst Depressionen, Mobbing, Ängste und schlechte schulische Leistungen die Folge wären. Richtig genutzt könnten soziale Netzwerke aber auch zu stärkeren sozialen Bindungen führen. (Quelle: https://www.diepresse.com/18898110/social-media-nutzung-von-jugendlichen-wird-immer-problematischer)

Wie kritisch die sozialen Medien bereits von den Nutzern selbst gesehen werden, zeigt eine aktuelle Meldung der dpa zum Vorschlag des US-Models Chrissy Teigen soziale Netzwerke zwischen 18 Uhr abends und 6 Uhr morgens abzuschalten. Die Regierung oder eine Ethikkommission solle dies anordnen. „Ich glaube, eines Tages wird es diese unglaubliche Regel geben“, wird die 39-jährige Mutter von vier Kindern zitiert und weiter: „Das Leben war toll, es war großartig früher“, bevor es diese Netzwerke gab. Diese Sperrzeit sei zwar schwer vorstellbar, jedoch machbar. Denn Social-Media sollte nicht das Leben bestimmen, fordert Teigen auf Instagram, wo sie über 40 Millionen Follower hat. Auslöser für den Vorschlag war die eintägige Abschaltung von TikTok am 19. Januar 2025 in den USA. (Quelle: https://www.schwaebische.de/panorama/chrissy-teigen-spricht-sich-fuer-social-media-sperrstunde-aus-3253769)

Mehr dazu wird in unserer ersten Informationsveranstaltung in diesem Jahr von
Prof. Dr. Christian Montag, Psychologe, Wissenschaftler und Buchautor zu hören sein:

Am Donnerstag, 30. Januar 2025, findet der nachgeholte Vortrag dieses renommierten Experten, der an der Universität Ulm lehrt, statt.  Er ist als Keynote-Speaker ein fesselnder Redner und kann komplexe Sachverhalte verständlich vermitteln.

Er spricht zum Thema: Wie sozial sind soziale Medien? 
Beginn 20 Uhr, Aula Auwiesenschule Neckartenzlingen, Auwiesenstraße 1.
Der Eintritt ist frei, Spenden sind sehr willkommen.


Quelle: InfoMobilFunk Neckartenzlingen

29.01.2025

Wir informieren: Drei Berliner SPD-Jugend- und Gesundheitsstadträte fordern ein Smartphoneverbot an Schulen

17,5% der Befragten sind nach einer Umfrage der Civey GmbH für ein Smartphoneverbot an Schulen (Stand 27.01.2025). Civey ist ein Berliner Start-up-Unternehmen, das Online-Umfragen für Meinungs- und Marktforschung durchführt.

In diesem Kontext ist ein Artikel im „Tagesspiegel“, der Berliner Tageszeitung, vom 15.1.2025 interessant. Drei Berliner Jugend-und Gesundheitsstadträte fordern ein Smartphoneverbot an Berliner Schulen, da die Situation unverantwortlich sei. Der Schaden, den Smartphones anrichteten, sei größer als ihr Nutzen. Ein solches Verbot sei für eine gesunde und angstfreie Entwicklung der Kinder und Jugendlichen notwendig, zugleich sei das Verbot zur Schaffung einer förderlichen Lernumgebung unerlässlich. Cybermobbing und der aktuelle Trend des „Happy Slapping“, sowie der Konsum von gewaltverherrlichenden oder pornographischen Inhalten seien auf den Berliner Schulhöfen Alltag und würden diese nicht nur zum Ort der Angst, sondern auch zum Tatort machen.

Freiwillige Handyverbote an Schulen, die ja auch praktiziert würden, seien deswegen unzureichend, weil entsprechende Sanktionsmöglichkeiten für die Schulen und die Lehrkräfte fehlten.

Die Stadträte verweisen auf das Land Brandenburg, wo es bereits für die Grundschulen gesetzlich vorgeschrieben ist, dass Handys während des Unterrichts in Taschen oder Schließfächern verstaut sein müssten.

Für Berlin sollte dies jedoch für die gesamte Schulzeit gelten, sowie für alle Schularten inklusive der beruflichen Oberstufenzentren. Sinnvolle Ausnahmen sollten weiterhin erlaubt bleiben, wie z.B. für Unterrichtseinheiten zur Medienkompetenz oder andere „explizit unterrichtsrelevante Vorgänge“. Adressat ihres Appells war die Schulsenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) und Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD). (Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/schule/situation-unverantwortlich-spd-jugendstadtrate-fordern-umfassendes-handyverbot-an-berliner-schulen-13025350.html)

Am 24.1.2025 ist dann im „Tagesspiegel“ zu lesen, dass die CDU-Schulsenatorin dem Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses deutlich gemacht habe, dass vorerst kein generelles Handyverbot an Schulen eingeführt würde. Sie sei von einem solchen Schritt bisher noch nicht überzeugt worden. (Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/nach-forderung-von-jugendstadtraten-bildungssenatorin-lehnt-handyverbot-an-berliner-schulen-ab-13075177.html)

Interessanterweise gibt es bereits seit einiger Zeit eine Gegenbewegung zur Allgegenwärtigkeit des Smartphones. Das „Dumbphone“ kann nur noch telefonieren und wer es sich leisten kann, der bleibt offline. Darüber informieren wir in unserer nächsten Ausgabe.


Wir freuen uns über neue Mitglieder im InfoMobilFunk Neckartenzlingen und Umgebung, Ortsgruppe im Mobilfunk Bürgerforum e. V. www.mobilfunk-buergerforum.de

Die Vorsitzenden: Prof. a. D. Helmuth Kern, Bert Hauser (Telefon: 07127/35655 bzw. 07127/35949)


Alle Kommentare finden Sie hier: diagnose-funk.org/kommentar

Artikel veröffentlicht:
08.01.2025

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