Schweiz: Innen- und Gesundheitsminister Berset wollte keine Handy-Antenne – Swisscom ließ das Projekt fallen!

BI-Glane veröffentlicht Originalschreiben. Berset dementiert - ein Fall von Amnesie?
Der Schweizer Innen- und Gesundheitsminister Alain Berset wollte keine Antenne, die sein Haus bestrahlt. Die Swisscom verzichtete nach seinem Einspruch auf den Bau. Zwei Tage nach Veröffentlichung seines Einspruchs dementiert Berset seine Begründung - ein Fall von Amnesie?
Alain Berset, Wikipedia

Die Zeitung Blick schreibt am 24.08.2022:

„Dokumente zeigen: Gesundheitsminister Alain Berset hat sich privat gegen den Bau einer Handy-Antenne an seinem Wohnort gewehrt. Unter anderem auch wegen gesundheitlicher Bedenken.

Eine Mobilfunk-Antenne, ganz in der Nähe von seinem Zuhause? Das passte Bundesrat Alain Berset (50) so gar nicht. Der Gesundheitsminister hat sich gegen den Bau einer Antenne in seiner Heimatgemeinde Belfaux FR gewehrt ...

 

«Schädliche Auswirkungen auf Mensch und Tier»

Im Brief führt der Bundesrat sechs Argumente an: Neben dem gewählten Standort – in der Nähe befänden sich unter anderem die Schule sowie Kinderkrippen –, der Beeinträchtigung der Landschaft und der Bausubstanz wird auch eine gesundheitliche Beeinträchtigung angeführt. «Elektromagnetische Wellen technologischer Herkunft, insbesondere jene, die von der Mobilfunktechnologie ausgehen, haben schädliche Auswirkungen auf Mensch und Tier», schreiben die Bersets.“

Swisscom verzichtete auf Bau

Bersets Widerstand zeigte Wirkung. Die Swisscom verzichtete auf den Bau der Antenne in Belfaux.“ Die Swisscom bestreitet die Einflussnahme und nennt es Zufall.

>>> Lesen Sie den ganzen Artikel in der Zeitung Blick

>>> Bericht auf msn.com , im tagesanzeiger, in 20min , NZZ

Schweizer Bürgerinitiative veröffentlicht das Schreiben der Familie Berset

Auf der Homepage www.antennes-partout.ch/start veröffentliche die Bürgerinitiative Glane das Schreiben der Familie Berset mit dem Kommentar:

  • "Unser Ziel ist es nicht, Alain Berset für seinen Widerstand gegen den Bau einer Antenne in der Nähe seiner Wohnung zu kritisieren. Ganz im Gegenteil, wir möchten ihm dafür danken, dass er diese Aussage schwarz auf weiß festgehalten hat. Wir fordern, dass heute die Quellen innerhalb der Bundesverwaltung, die diese Tatsachen bestätigen, der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, damit jeder hier in der Schweiz auch die Chance hat, gegen die Errichtung neuer Antennen in der Nähe seiner Wohnung zu kämpfen. Und vor allem, damit auf politischer und rechtlicher Ebene die Konsequenzen aus diesen Tatsachen gezogen werden und die Normen zum Schutz der Bevölkerung vor nichtionisierender Strahlung stark verschärft werden."

>>> Hier steht der Originalbrief auf Französisch zum Download

Wir danken der Bürgerinitiative für die Zusendung einer >>> Teilübersetzung des Einspruchschreibens

Die Forderung der Bürgerinitiative, dass "die Normen zum Schutz der Bevölkerung vor nichtionisierender Strahlung stark verschärft werden" kann sich jetzt auf prominente Unterstützer berufen. Der Europäische Wirtschafts und Sozialausschuss (EWSA) der EU hat im Amtsblatt der EU genau diese Forderung aufgestellt.

Aktualisierung am 26.08.2022: Minister Berset rudert zurück

In einem Interview mit Blick rudert Minister Berset nun zurück und übernimmt die Sprachregelung der Swisscom: Er habe lediglich wegen des Denkmalschutzes Einspruch eingelegt. Es scheint sich um die übliche Krankheit bei Politikern zu handeln: Amnesie. Gut, dass die Bürgerinitiative den Originaleinspruch (s.o.) der Familie Berset veröffentlicht hat mit der unmissverständlichen Formulierung: «Elektromagnetische Wellen technologischer Herkunft, insbesondere jene, die von der Mobilfunktechnologie ausgehen, haben schädliche Auswirkungen auf Mensch und Tier».

 

Systematischer Review von Balmori beweist: Mehrheit der Forschung weist gesundheitsschädigende Wirkungen bei Menschen nach, die in der Nähe von Mobilfunk-Basisstationen leben: von der Mikrowellen-Krankheit zu Krebs

Daten aus dem Review von Balmori (2022)Grafik:diagnose:funk

Auszug aus der Studienrezension, die im September im ElektrosmogReport 3/2022 erscheint

  • Balmori A (2022): Evidence for a health risk by RF on humans living around mobile phone base stations: From radiofrequency sickness to cancer. Environmental Research 214, 113851

Diese Übersichtsarbeit gibt einen aktuellen vollständigen Überblick über die wissenschaftliche Literatur zur Wirkung von Mobilfunkantennen auf den Menschen. Vor 50 Jahren begannen Untersuchungen zu Auswirkungen von Radio-, Fernseh- und Radarantennen. In den letzten Jahren wurden weltweit hunderttausende Basisstationen aufgestellt, die auf die Bevölkerung und die Natur – auch Naturschutzgebiete – einwirken, in den Städten mehr als auf dem Land. Biologische und gesundheitliche Umweltauswirkungen der elektromagnetischen Strahlung wurden kaum beachtet. In Indien beispielsweise sind etwa 15 % der Bevölkerung mehr als 12 V/m ausgesetzt, in Schweden wurden 2018 auf dem Land bei Frequenzen zwischen 3 und 30 MHz mittlere Leistungsflussdichten von 16 µW/m2 und in Städten 2400 µW/m2 gemessen. Die Feldstärken variieren stark, je nach Abstand zur Antenne, auch innerhalb von Gebäuden. Es gibt gegensätzliche Aussagen dazu, ob Basisstationen Gesundheitsrisiken darstellen: Einige sagen, es gibt keine, andere Wissenschaftler fanden erhöhte Krebsraten oder andere Gesundheitsprobleme.

Studiendesign und Durchführung:

Ausgewählt wurden ausschließlich Arbeiten, die unter realen Bedingungen Mobilfunk-Basisstationen nahe an Wohnungen in Städten, oder größere Gebiete mit vielen Antennen aufgrund von Berechnungen und geografischen Daten untersucht hatten ...

Ergebnisse:

Insgesamt ergab die Untersuchung 3 Typen von gesundheitlichen Auswirkungen: 1. Mikrowellen-Krankheit (z. B. Kopfschmerzen, Schlafstörungen u. v. a.), 2. Krebs und 3. Veränderungen der biochemischen Parameter. Von den 38 Arbeiten – die meisten hatten 900 und 1800 MHz untersucht – fanden 28 (73,6 %) Wirkungen: Mikrowellen-Krankheit 73,9 % (17 von 23), Krebs 76,9 % (10 von 13) und Veränderungen der biochemischen Parameter 75,0 % (6 von 8). Aufgeschlüsselt nach Studienart zeigt sich bei der Mikrowellen-Krankheit „Wirkung nein“ zu „Wirkung ja“: 6/17, bei Krebs 3/10 und bei biochemischen Parametern 2/6. Das heißt, die meisten Forschergruppen aus 20 verschiedenen Ländern ziehen dieselben Schlussfolgerungen ...

Schlussfolgerungen:

Das Ergebnis dieser Übersicht zeigt 3 Typen von Wirkungen durch die Strahlung von Basisstationen auf die menschliche Gesundheit: Mikrowellenkrankheit (nein 6, ja 17), Krebs (nein 3, ja 10) und Änderungen der biochemischen Parameter (nein 2, ja 6). Demzufolge scheinen sich Wissenschaftler einig zu sein, dass es schwerwiegende Probleme gibt, die von Experten durch wichtige Appelle ausgedrückt wurden (Blank et al. 2015, Hardell und Nyberg 2020). Allerdings haben weder die Medien noch verantwortliche Organisationen diese wichtigen Informationen in die Bevölkerung getragen, so dass die Menschen uninformiert bleiben. Deshalb wird die heutige Situation wahrscheinlich in einer Krise enden, nicht nur gesundheitlich, sondern auch für diese Technologie, weil sie nicht nachhaltig und schädlich für Mensch und Umwelt ist. (IW)

 

Publikation zum Thema

diagnose:funk
Format: Din langSeitenanzahl: 10 Veröffentlicht am: 12.08.2022 Bestellnr.: 318Sprache: deutschHerausgeber: diagnose:funk

Mobilfunk, Sendeanlagen, Netzausbau. Kommunale Rechte zur Gesundheitsvorsorge wahrnehmen!


Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
Ein Mobilfunkmast soll gebaut werden. Welche Risiken sind nachgewiesen? Was können Initiativen fordern? Welche Rechte haben Kommunen? Der bewährte Flyer zu den Risiken von Mobilfunksendeanlagen und den Handlungsmöglichkeiten der Kommunen ist komplett neu erstellt worden. Er fasst die wichtigsten Informationen kurz zusammen, auch für EntscheidungsträgerInnen in den Kommunen.
4. vollständig überarbeitete Auflage, 2021Format: A5Seitenanzahl: 96 Veröffentlicht am: 26.05.2021 Bestellnr.: 104Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk | Titelfoto: stock.adobe.com

Kommunale Handlungsfelder

Mobilfunk: Rechte der Kommunen - Gefahrenminimierung und Vorsorge auf kommunaler Ebene
Autor:
diagnose:funk | Dipl.-Ing. Jörn Gutbier
Inhalt:
Diese Broschüre gibt Auskunft, welche Möglichkeiten Gemeinden haben, in die Aufstellung von Mobilfunksendeanlagen steuernd einzugreifen. Es wird aufgezeigt, was Kommunen neben dem sog. Dialogverfahren mit den Betreibern noch alles tun können, um ihre Bürger:innen mit einem Vorsorge- und Minimierungskonzept vor der weiterhin unkontrolliert zunehmenden Verstrahlung unserer Lebenswelt zu schützen. Darüber hinaus wird auf Argumente eingegangen, die in der Mobilfunkdiskussion eine wichtige Rolle spielen: die Grenzwerte, der fehlende Versicherungsschutz der Betreiber, der Mobilfunkpakt der kommunalen Spitzenverbände, die Strahlungsausbreitung um Sendeanlagen, die Messung und Bewertung der Strahlungsstärke, der Diskurs um Sendeanlagen versus Endgeräte, Kleinzellennetze, alternative Technologien u.a.m. Die Kommune ist immer noch die einzige Ebene, auf der zur Zeit ein wichtiger Teil einer neuen, effektiven Art der Mobilfunkvorsorgepolitik zum Schutz der Menschen und der Umwelt eingeleitet und umgesetzt werden kann.
Artikel veröffentlicht:
25.08.2022
Artikel aktualisiert:
26.08.2022
Autor:
diagnose:funk