Neue Studie: Mobilfunkbasisstationen können oxidativen Stress auslösen

Wieder bestätigt eine Studie, warum der Widerstand gegen Mobilfunkmasten und der Kampf um Alternativen berechtigt ist. Dauerstrahlung wirkt auf den Organismus und löst auch bei relativ geringer Leistung oxidativen Zellstress aus.
Banner der BI Birkendorf, August 2021Bild: diagnose:funk

Die Studie von Zosangzuali et al. in Electromagnetic Biology and Medicine weist nach, dass die Strahlung von Mobilfunkmasten oxidativen Stress, also eine Überproduktion von freien Radikalen hervorruft. Oxidativer Zellstress ist eine Grundlage vieler entzündlicher Erkrankungen, er schwächt das Immunsystem. Das EMF-Portal definiert es so:

Zu diesem Wirkmechanismus finden Sie auf dieser Homepage den Grundsatzartikel Mobilfunktechnik, Strahlenbelastung und Immunsystem, >> weitere Artikel zum neuesten Forschungsstand und einen Grundsatzartikel mit einer Literatursammlung. Hier nun die Besprechung der Studie durch die Redaktion des ElektrosmogReport.

Deckblatt StudieQuelle: Zosangzuali et al. - t1p.de/3aguo

Besprechung der Studie: Wirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung, die von einer Mobilfunk-Basisstation ausgesendet wird, auf die Redox-Homöostase in verschiedenen Organen von Schweizer Albino-Mäusen

 

Mary Zosangzuali, Marina Lalremruati, C. Lalmuansangi, F. Nghakliana, Lalrinthara Pachuau, Priyanka Bandara & Zothan Siama (2021): Effects of radiofrequency electromagnetic radiation emitted from a mobile phone base station on the redox homeostasis in different organs of Swiss albino mice, Electromagnetic Biology and Medicine, DOI:10.1080/15368378.2021.1895207

 

 

Effekte weit unterhalb thermisch relevanter Leistung

Mobilfunk-Basisstationen (MFBS) sind ein elementarer Bestandteil drahtloser Kommunikation. Die zunehmende Nutzung von Mobiltelefonen, insbesondere für anspruchsvolle Signale wie Video-Streaming, hat zu einem starken Anstieg der Anzahl von Mobilfunk-Basisstationen geführt. Die Autoren untersuchen die Auswirkungen von MFBS-emittierter, 1800 MHz-Hochfrequenz anhand eines Mausmodells in vivo. Die Bestrahlung der Versuchstiere (n=6) erfolgte über 45 Tage über 6h, 12h und 24h pro Tag. Die Kontrollgruppe wurde nicht bestrahlt. Die täglich gemessene Leistungsdichte betrug durchschnittlich 37,54 mW/m2 mit einer entsprechenden elektrischen Feldstärke von 3,76 V/m. Der daraus errechnete SAR-Wert betrug 0,013 W/kg.

Die Wissenschaftler untersuchten Marker für oxidativen Stress [Glutathion (GSH), Glutathion-S-Transferase (GST), Superoxid-Dismutase (SOD), Malondialdehyd (MDA)] in Gehirn, Herz, Leber und Nieren der Versuchstiere. GSH wirkt im Organismus als Antioxidans. GST sorgt für die Bindung von GSH an toxische Stoffe, welche durch reaktiver Sauerstoffspezies entstehen können. SOD wandelt Superoxide um und wirkt so ebenfalls oxidativem Stress entgegen. MDA wiederum entsteht, wenn reaktive Sauerstoffspezies mit Lipiden wie z.B. Zellmembranen reagieren. Außerdem wurde die Auswirkung der Hochfrequenz auf das Blutbild, in Form von roten Blutkörperchen, weißen Blutkörperchen und Hämoglobin analysiert.

Die Wissenschaftler konnten erhöhten oxidativen Stress, verursacht durch die Mobilfunk-Basisstation, nachweisen.

Im Gehirn wiesen alle vier Marker auf statistisch signifikant erhöhten oxidativen Stress hin, wobei ein dosisabhängiger Trend festgestellt wurde (s.u. Grafik aus der Studie). Die Auswirkungen waren also in Tendenz bei längerer Befeldung stärker. Das Nierengewebe hingegen zeigte nur bei 24h-Bestrahlung eine verminderte SOD-Aktivität. Herz- und Lebergewebe gaben keinerlei Hinweise auf erhöhten oxidativen Stress. Das Blutbild zeigte ebenfalls Veränderungen nach der Befeldung durch die MFBS. Die Erythrozyten-Anzahl war nach 12h und 24h täglicher Bestrahlung vermindert. Die Leukozyten-Anzahl war nach 24h Befeldung pro Tag erhöht. Das Hämoglobin hingegen blieb unverändert.

Kommentar:

Diese Studie reiht sich in die wachsende Anzahl von Publikationen ein, welche nicht-thermische, biologische Auswirkungen von anthropogen verursachter Hochfrequenz beschreiben. Bemerkenswert ist das realitätsnahe Befeldungs-Setup, bei dem eine alltägliche Mobilfunkbasisstation auf dem Dach eines Hauses als Strahlungsquelle fungiert. Die Anzahl der Versuchstiere pro Versuchsgruppe (n=6) reicht aus, um statistische Signifikanz der Daten zu erzeugen. Eine höhere Anzahl hätte jedoch für mehr Aussagekraft der Studie sorgen können. (RH)

Biologische Wirkungen einer 1880 MHz Mobilfunk-BasisstationQuelle: Studie von Zosangzuali et al. - t1p.de/3aguo

ORIGINAL-ABSTRACT

This study was designed to investigate the possible effects of exposure to mobile phone base station (MPBS) emits 1800-MHz RF-EMR on some oxidative stress parameters in the brain, heart, kidney and liver of Swiss albino mice under exposures below thermal levels. Mice were randomly assigned to three experimental groups which were exposed to RF-EMR for 6 hr/day, 12 hr/day and 24 hr/day for 45 consecutive days, respectively, and a control group. The glutathione (GSH) levels and activities of glutathione-s-transferase (GST) and superoxide dismutase (SOD) were significantly reduced in mice brain after exposure to RF-EMR for 12 hr and 24 hr per day. Exposure of mice to RF-EMR for 12 hr and 24 hr per day also led to a significant increase in malondialdehyde (an index of lipid peroxidation) levels in mice brain. On the contrary, exposures used in this study did not induce any significant change in various oxidative stress-related parameters in the heart, kidney and liver of mice. Our findings showed no significant variations in the activities of aspartate amino-transferase (AST), alanine amino-transferase (ALT), and on the level of creatinine (CRE) in the exposed mice. This study also revealed a decrease in RBC count with an increase in WBC count in mice subjected to 12 hr/day and 24 hr/day exposures. Exposure to RF-EMR from MPBS may cause adverse effects in mice brain by inducing oxidative stress arising from the generation of reactive oxygen species (ROS) as indicated by enhanced lipid peroxidation, and reduced levels and activities of antioxidants.

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Weitere Studien zu Mobilfunkmasten, oxidativem Zellstress und den gesundheitlichen Folgen

Zothansiama, Zosangzuali M, Lalramdinpuii M, Jagetia GC (2017): Impact of radiofrequency radiation on DNA damage and antioxidants in peripheral blood lymphocytes of humans residing in the vicinity of mobile phone base stations.[Wirkungen von hochfrequenten Feldern auf DNA-Schädigung und Antioxidantien in peripheren Blut-Lymphozyten von Menschen, die in der Nähe von Mobilfunk-Basisstationen wohnen], Electromagn Biol Med 2017; 36 (3): 295-305:

  • „Die HF-Leistungsdichte der exponierten Personen war signifikant höher (p < 0,0001) verglichen mit der Kontrollgruppe. Die Blut-Lymphozyten (HPBLs) wurden kultiviert und der DNA-Schaden wurde durch Zytokinese-blockierten Mikronukleus (MN)-Assay in den zweikernigen Lymphozyten bestimmt. Die Analysen der Daten aus der exponierten Gruppe (n = 40), die innerhalb eines Umkreises von 80 m von Mobilfunk-Basisstationen wohnten, zeigten signifikant (p < 0,0001) höhere Häufigkeit von Mikrokernen im Vergleich zur Kontrollgruppe, die 300 m von der Mobilfunkbasisstation/en entfernt wohnte. Die Analyse von verschiedenen Antioxidantien im Plasma der exponierten Personen ergab eine signifikante Abnahme der Glutathion (GSH)-Konzentration (p < 0,01), Aktivitäten von Katalase (CAT) (p < 0,001) und Superoxid-Dismutase (SOD) (p < 0,001) und einen Anstieg der Lipid-Peroxidation (LOO) im Vergleich zu den Kontrollen.“

Die beiden medizinisch-biologischen Studien von Zosangzuali et al. und Zothansiama et al. zeigen die zellulären Ursachen, warum Krankheiten um Mobilfunkmasten herum entstehen, wie sie epidemiologische Studien wie die von Alazawi et al. (2011) nachweisen:

>> Weitere Studien zu den Auswirkungen von Mobilfunksendeantennen auf der Datenbank EMF DATA.

Publikation zum Thema

Format: A4Seitenanzahl: 24 Veröffentlicht am: 15.10.2015 Bestellnr.: 231Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Mobilfunkstrahlung weit unterhalb der Grenzwerte führt zu oxidativem Stress in Zellen

Ukrainische Forschergruppe legt Review vor
Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
„Schlussfolgernd zeigt unsere Analyse, dass Hochfrequenzstrahlung niedriger Intensität ein starker oxidativer Wirkungsfaktor für lebende Zellen ist, mit einem hohen krankheitserregenden Potenzial.“ (Yakymenko et al.)
4. vollständig überarbeitete Auflage, 2021Format: A5Seitenanzahl: 96 Veröffentlicht am: 26.05.2021 Bestellnr.: 104Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk | Titelfoto: stock.adobe.com

Kommunale Handlungsfelder

Mobilfunk: Rechte der Kommunen - Gefahrenminimierung und Vorsorge auf kommunaler Ebene
Autor:
diagnose:funk | Dipl.-Ing. Jörn Gutbier
Inhalt:
Diese Broschüre gibt Auskunft, welche Möglichkeiten Gemeinden haben, in die Aufstellung von Mobilfunksendeanlagen steuernd einzugreifen. Es wird aufgezeigt, was Kommunen neben dem sog. Dialogverfahren mit den Betreibern noch alles tun können, um ihre Bürger:innen mit einem Vorsorge- und Minimierungskonzept vor der weiterhin unkontrolliert zunehmenden Verstrahlung unserer Lebenswelt zu schützen. Darüber hinaus wird auf Argumente eingegangen, die in der Mobilfunkdiskussion eine wichtige Rolle spielen: die Grenzwerte, der fehlende Versicherungsschutz der Betreiber, der Mobilfunkpakt der kommunalen Spitzenverbände, die Strahlungsausbreitung um Sendeanlagen, die Messung und Bewertung der Strahlungsstärke, der Diskurs um Sendeanlagen versus Endgeräte, Kleinzellennetze, alternative Technologien u.a.m. Die Kommune ist immer noch die einzige Ebene, auf der zur Zeit ein wichtiger Teil einer neuen, effektiven Art der Mobilfunkvorsorgepolitik zum Schutz der Menschen und der Umwelt eingeleitet und umgesetzt werden kann.
2. Auflage Oktober 2014Format: A4Seitenanzahl: 44 Veröffentlicht am: 01.10.2014 Herausgeber: Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt

Leitfaden Senderbau

Vorsorgeprinzip bei Errichtung, Betrieb, Um- und Ausbau von ortsfesten Sendeanlagen
Autor:
Wiener Arbeiterkammer; AUVA – Allgemeine Unfallversicherungsanstalt; Wirtschaftskammer - Bundesinnung der Elektro-, Gebäude-, Alarm-, u. Kommunikationstechniker; Wiener Umweltanwaltschaft; Österreichische Ärztekammer; Wissenschaftler der MedUni Wien, Institut für Umwelthygiene und Institut für Krebsforschung.
Inhalt:
Die Einführung und weltweite Verbreitung von radiofrequenten Funkdiensten (z.B. W-LAN, Mobilfunk) ist in der Geschichte technischer Innovationen ohne Beispiel. Die rasante Entwicklung wird von Bedenken zu gesundheitlichen Auswirkungen begleitet. Dies führt zu erheblichen Widerständen seitens der Bevölkerung besonders dort, wo Infrastruktur ohne Einbindung der Anrainer ausgebaut wird. Der vorliegende Leitfaden beschreibt Strategien und Vorgangsweisen, um dem Bedürfnis nach technischer Innovation einerseits und dem verständlichen Wunsch nach geringen Immissionen andererseits gerecht zu werden. Die Empfehlungen basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen vergangener Jahre. Der Leitfaden bietet konkrete Empfehlungen für ein partizipatives Vorgehen bei der Errichtung von Basisstationen für Baubehörden, Anrainer und Betreiber-Gesellschaften mit dem Ziel gesundheitliche und wirtschaftliche Folgen zu berücksichtigen. Konfliktträchtige Bauvorhaben können so über einen konstruktiven dialoggesteuerten Prozess im Konsens mit den Anrainern verwirklicht werden.
Format: DIN A4Seitenanzahl: 54 Veröffentlicht am: 01.06.2005 Sprache: DeutschHerausgeber: Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)

Leitlinien Strahlenschutz

Positionsbestimmung des BfS zu Grundsatzfragen des Strahlenschutzes
Autor:
Bundesamt für Strahlenschutz
Inhalt:
Das Bundesamt für Strahlenschutz legte 2005 mit den „Leitlinien Strahlenschutz“ ein Papier vor, in dem es zu 18 grundsätzlichen Fragen des Strahlenschutzes Position bezieht und Anstöße für Diskussionen sowohl mit der Fachwelt als auch mit der interessierten Öffentlichkeit gibt. Im Teil B ab Seite 29 wird das Thema ´Nichtionisierende Strahlung`behandelt und am Schluss die Themen ´Risikobasierte Bewertungsverfahren` und ´Vorsorge` behandelt. Nach Protesten des Unternehmerverbandes BITKOM wurden die Leitlinien zurückgezogen.
Titelblatt KI-BroschüreQuelle: kompetenzinitiative.com
2022Format: A4Seitenanzahl: 80 Veröffentlicht am: 29.03.2022 Bestellnr.: 715ISBN-10: ISBN 978-3-9820686-3-3 Herausgeber: KI e.V.

Weißbuch ´Elektromagnetische Felder`

Impulse für die gesundheits- und umweltverträgliche Gestaltung des technologischen Fortschritts im Bereich Mobilfunk/5G
Autor:
Prof. Dr.-Ing. Wilfried Kühling und Peter Ludwig
Inhalt:
Die Diskussionen um die Gesundheits- und Umweltverträglichkeit von Mobilfunk / 5G dauern an. Die Schrift bietet einen kompakten allgemeinverständlichen Überblick über zentrale Themen sowie Impulse für neues Denken und Handeln, über politische Optionen, wie die Mobilfunkinfrastrukur gesundheitsverträglicher gestaltet werden kann.