Brummton: Kein effektiver Lärmschutz für Opfer

Auch Infraschall wird unzureichend berücksichtigt
Wegen einem mysteriösen Brummen wenden sich immer mehr Betroffene an Behörden und die Öffentlich-keit. Das Umweltbundesamt beschäftigt sich seit einigen Jahren verstärkt mit tieffrequentem Schall und einer möglichen Neufassung der DIN 45680. In Steinhöring wurde mittlerweile der gemeinnützige 'Verein zum Schutz der Gesundheit und Umwelt vor Infraschall' gegründet [23].
Foto: Ulrike Leone - pixabay.com

Auch diagnose:funk ist dem rätselhaften Brummton-Phänomen auf der Spur. Fakt ist, dass laut dem UBA (Umweltbundesamt) die häufigsten Quellen für tieffrequenten Lärm Anlagen der Energieerzeugung und des Energietransports sind, wie Wärmepumpen und Biogasanlagen, sowie raumlufttechnische Anlagen, wie Klimaanlagen [1,2]. Und die besonders tiefen Frequenzen des Infraschalls (unterhalb von 20 Hz) gewinnen im Zusammenhang mit dem verstärkten Ausbau von Windkraftanlagen zunehmend an Bedeutung, wie aus dem UBA-Positionspapier zu Windenergie und Gesundheit hervorgeht [3].

Brummtöne & Mobilfunk?

Internetrecherchen zum "Brummton-Phänomen" und zahlreiche Medienberichte zeigen aber, dass auch Funkantennen bzw. elektromagnetische Felder mit tieffrequenten Geräuschen in Verbindung gebracht werden. Diesbezügliche Hinweise kommen aus München [4,29], Stuttgart [5,6,7], Köln [8], Hamburg [9] und anderen Orten [10-22] in Deutschland, aber auch aus dem Ausland. In Österreich kam es sogar zu einer Verfassungsbeschwerde wegen dem Telekommunikationsgesetz [26] (s. S. 8: "Funkanlagen können Mikrovibrationen/Infraschall verursachen" ...), doch ohne Ergebnis. Die verantwortlichen Behörden mauern, die Beweislast liegt beim Betroffenen.

Ob Ölpipelines schuld am nervigen Dauerbrummton in Steinhöring sind, bleibt ebenfalls offen - solange das Landesamt für Umwelt (LfU) keine Notwendigkeit für Kreuzkorrelationsmessungen sieht. Lärmgeplagte Anwohner, die sich von dieser Art der Messung aufschlussreiche Ergebnisse erhofft hatten, haben nun einen Verein gegründet und erwägen, Beschwerde bei der Regierung von Oberbayern einzureichen [23].

Aktuelle Online-Petition zum Thema und Mitzeichnen:

>>> Lärmschutz - Maßnahmen gegen tieffrequenten Schall und Infraschall vom 23.04.2022

 

Kommentar und Aufruf von diagnose:funk

Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Übelkeit ... wie sich Infraschall bzw. tieffrequenter Lärm auf den Menschen auswirkt, muss laut dem UBA noch genauer erforscht werden. Das wird auch höchste Zeit, bedenkt man, dass bereits 2001 Hunderte von Brummton-Opfern in Stuttgart Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet hatten. Nur wenige Jahre später gründeten sich in Deutschland die ersten Brummton-Initiativen, führten Fragebogenaktionen durch (beispielhaft die Initiative 'Brummen München' | Auswertung von Betroffenenangaben, 1.6.06) und baten die zuständigen Immissionsschutzbehörden und Regierungsstellen um messtechnische Unterstützung und Aufklärung des Phänomens.

Doch bis heute sehen sich Behörden weder in der Pflicht, noch haben sie ein Interesse daran, aufwändige Infraschall-Messungen bzw. Ortungen von Lärmquellen durchzuführen, wenn die industriefreundlichen Grenzwerte eingehalten oder sogar um ein Vielfaches unterschritten werden.

Eine Machbarkeitsstudie des UBA zu den Wirkungen von Infraschall [24] legt klar offen, dass sich der Lärmschutz nur auf den Schall oberhalb der normalen Hörschwelle konzentriert.

Im Sinne der Gesundheitsvorsorge und aller Brummton-Betroffenen besteht also dringender Handlungsbedarf, die Regelungen zu überarbeiten [28].

An alle Betroffenen

Nehmen auch Sie ein permanentes, tiefes Brummen wahr und bringen es mit Funknetzen (Mobilfunk, Richtfunk, WLAN u.a.) bzw. mit dem Stromnetz in Verbindung? Und haben Sie "Ihren" Brummton bereits erfolgreich aufzeichnen bzw. messtechnisch nachweisen können? Oder haben Sie andere, z.B. technische Informationen, die zur Aufklärung beitragen könnten?

Dann freuen wir uns über Ihre Nachricht: infraschall@diagnose-funk.de

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Arte-Sendung Xenius zum Thema Infraschall & Gehör (2016)

https://umweltmessung.com/wie-und-was-wir-hoeren/

Ein vertrauenswürdiges Selbsthilfeportal

https://www.brummton.com/

Landkarte ruhiger Orte

http://www.opensourcesoundscapes.org/
http://www.opensourcesoundscapes.org/hush-city/

Tinnitusprojekt an der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI)

Anmeldung bei Prof. Dr.-Ing. J. Pöppel: josef.poeppel @ thi.de

Bei diesem faszinierenden Projekt ist ein phänomenaler Zusammenhang zwischen Hochfrequenzen und Tinnitus entdeckt worden. Probanden berichteten, dass ihr Tinnitus nach dem Aufenthalt in einer funkarmen Kabine nicht mehr hörbar war. Die Hochfrequenzabschirmung liegt für 100 MHz bei sehr hohen 120 dB (Leistung: Faktor 1 Billion) und 60 dB bei 1 kHz Schall (Leistung: Faktor 1 Million).

 

 

Artikel veröffentlicht:
15.05.2017
Artikel aktualisiert:
05.08.2022
Autor:
diagnose:funk